Artikel Natur :: Natürlich Online

Frühling ist ansteckend

Kategorie: Garten
 Ausgabe 03 - 2011 - 01.03.2011

Text:  Susanne Fischer-Rizzi

Die Heilpraktikerin und Autorin Susanne Fischer-Rizzi macht sich für «natürlich» Gedanken philosophischer und praktischer Art zu den vier Jahreszeiten: Der Frühling steht vor der Tür.

«Warte nicht, bis sich die Blüte öffnet, unterstütze sie mit Deinem Erblühen,» heisst es in einem japanischen Sprichwort zum Frühling. Es lädt uns zu einer persönlichen Verbindung mit dem Kreislauf der Natur und den Jahreszeiten ein. Wir sind dabei nicht Zuschauer, sondern verbinden unser Leben mit der lebendigen Kraft der Natur. Besonders im Frühling, wenn uns eine freudige und erwartungsvolle Aufbruchstimmung erfasst, fällt es leicht, die Jahreszeit mit unserem eigenen Leben zu synchronisieren. Wir folgen den Spuren der Natur und kommen uns dabei selbst auf die Spur: «Was brauche ich, um mich zu entfalten und zu erblühen? Kümmere ich mich genügend um mich selbst und um die Menschen, die ich liebe? In welchen Situationen spüre ich besonders meine Lebendigkeit? Was hingegen raubt mir meine Kräfte oder schränkt mich ein?»

Die aufblühende Erde und das eigene Leben werden zu ineinanderfliessenden Welten, die sich gegenseitig beleben. Planen Sie Ihre Zeit draussen in der Natur, im Garten – planen Sie, wie sie das Leben in diesem Frühling und im ganzen Jahr gerne erleben möchten. Steht Ihnen der Sinn nach Erneuerung und Wachstum oder möchten Sie Vorhandenes verfestigen und bekräftigen? Sind Sie offen für Überraschungen und möchten auf bisher unbekannten Pfaden wandeln? Sehnen Sie sich nach sinnlichen Freuden wie Farben und Düften? Wollen Sie liebevoll pflegen oder dem Chaos grosszügig etwas Raum geben? Möchten Sie der Natur und Ihrem eigenen Leben vertrauensvoll folgen? Diese persönliche Verbindung zur Natur macht Sie zu ihrem respektvollen Assistenten. Und sie gibt auch die Möglichkeit, sich liebevoll und sinnvoll für die Umwelt einzusetzen. Vielleicht tauchen in Ihnen Fragen auf wie: Braucht der Wald, durch den ich wandere, Unterstützung? Wer setzt sich für den Erhalt der hiesigen Vogelwelt ein? Was passiert mit dem Müll, der hier liegt? Welche Umweltorganisation in meiner Nähe könnte ich unterstützen?

Unverwüstlicher Ureinwohner

Der Frühling mit seiner erneuernden Kraft gibt uns die Möglichkeit, etwas wahrzunehmen und uns um etwas zu kümmern, dem wir bisher wenig Beachtung geschenkt haben. Ein gutes Beispiel dafür sind die sogenannten Unkräuter. Ohne sie zu beachten, laufen wir über sie hinweg, wir würdigen sie mit keinem Blick, obwohl sie uns ihre Heilkraft gratis anbieten: der Löwenzahn direkt vor der Haustür, die Gundelrebe an der Mauer, das Gänseblümchen am Rand des Weges.

Eine der heilkräftigsten Pflanzen des Frühjahrs ist die Brennnessel. Sie ist der Feind vieler Gärtnerinnen und Gärtner. Schauen Sie einmal, wo überall die Brennnessel in Ihrer Umgebung wächst. Sie werden staunen. Die Pflanze ist kein Unkraut, sondern ein Urkraut und ist ein unverwüstlicher Ureinwohner des einheimischen Lebensraumes. Lebenskraft und Vitalität scheinen bei dieser Pflanze besonders stark zu strömen. Sie passt sich an und widersteht hartnäckig und mit wilder Entschlossenheit dem gnadenlosen Jäten. Sie ist ein schönes Beispiel für Entschlossenheit und Durchsetzungskraft in der Natur.

Die Brennnessel erfüllt ihre Arbeit und ihren Auftrag mit grossem Einsatz: Sie reinigt die Erde, sie gleicht gestörte Bodenverhältnisse aus und gilt deshalb als Pflanze, welche die Qualität des Bodens stark verbessern kann. Die Brennnessel ist ein guter Humusbildner. Zudem ernährt sie die Raupen seltener Schmetterlingsarten wie das Tagpfauenauge, den Admiral oder den Kleinen Fuchs. Diese Pflanze ist es wert, dass wir sie in ihrem Wirken unterstützen und ihr im Garten einen Ehrenplatz überlassen. Als Dank dafür wird sie uns mit ihren Heilkräften unterstützen. Sie kann nämlich nicht nur den Boden, sondern auch unserem Körper entgiften und reinigen. Die Brennnessel zählt zu den wichtigsten Entgiftungspflanzen des einheimischen Heilpflanzenschatzes. Besonders die frischen, grünen Blätter dieser Pflanze enthalten viele wirksame Heilstoffe. Diese helfen, Schlacken des Stoffwechsels über die Niere auszuleiten, unseren Körper zu entsäuern und ihn gleichzeitig zu revitalisieren.

Gut für Boden und Blut

Die Brennnessel besitzt eine starke Beziehung zum Eisen. Sie hat geradezu eine Vorliebe für dieses Metall und kann darüber die Qualität von Böden regulieren, die zu eisenhaltig sind. Durch ihren eigenen Eisengehalt besitzt diese Pflanze eine ganz spezifische Wirkung auf den menschlichen Blutkreislauf. Sie regt die Blutbildung an und hat sich deshalb in der Therapie von Eisenmangel bestens bewährt. Die jungen Brennnesselblätter können, frisch oder getrocknet, für Tees verwendet werden. Besonders wirksam ist der frische Pflanzensaft. Dieser wird in kleinen Mengen – 1 bis 2 Esslöffel täglich – verdünnt mit Buttermilch eingenommen. Die Brennnessel kann ihre vitalisierende Kraft auch in Form von schmackhaftem Wildgemüse an uns weitergeben. Sie wird hierfür zu Spinat, Pesto, Suppen und Gemüse verarbeitet.

Die Autorin
Susanne Fischer-Rizzi studierte Philosophie und liess sich zur Heilpraktikerin ausbilden. Seit rund 30 Jahren veranstaltet sie Seminare und hält Vorträge über Heilpfl anzenkunde und Aromatherapie. Zudem ist sie Autorin von zahlreichen im AT-Verlag erschienenen Büchern zu den Themen Mensch, Tier, Wildnis und Natur. Sie lebt im Allgäu.

Fotos: fotonatur.de, fotolia.com, zvg

Tags (Stichworte):

Kategorie: Natur

Penisneid: Hühnchen oder Hähnchen?

Ist es ein Weibchen oder ein Männchen?

Kategorie:

Kategorie: Garten

Landschaft: Alleenkampagne

Insgesamt 18 000 Bäume in Form neuer Alleen, Baumreihen oder Obstgärten...