Artikel Natur :: Natürlich Online

Hoch zur Sonne

Kategorie: Natur
 Ausgabe 11 - 2012 - 01.11.2012

Text:  Heinz Staffelbach

Während Grindelwald morgens lange im Schatten liegt, findet der Ausflügler an den Hängen des Faulhorns viel Sonne und perfekte Verhältnisse für Wanderungen und rasante Schlittenfahrten – ganz Mutige steigen gar auf einen Velogemel.

Es ist fast ein bisschen so: Der wahre Grund, warum man in Grindelwald auf einen Berg steigt, ist der Berg daneben. Geht oder fährt man auf die Kleine Scheidegg oder den Männlichen, will man vor allem den Eiger und seine mächtige Nordwand sehen. Wandert man auf die Grosse Scheidegg oder nach First auf der anderen Talseite, geht der Blick hoch zum Wetterhorn. Und hat man endlich den Gipfel des Faulhorns erklommen, ist man in den Bann gezogen von den Gipfeln, Graten und Gletschern auf der gegenüberliegenden Seite.

Wandern oder gondeln

Die Attraktion bei Touren und Wanderungen in den Hängen und Bergen ob Grindelwald ist die Aussicht in den halben Berner Alpenkranz. Dabei sieht man die Gipfelkette nicht einfach nur, man ist ihr nahe. Sehr nahe. Unten in Grindelwald hingegen muss man ordentlich den Hals recken, um die Gipfel zu sehen – und lange auf die Morgensonne warten.

Die Hänge zwischen Grindelwald und der Kleinen Scheidegg sind sehr schattig. Die gegenüberliegende Seite Richtung Faulhorn und First ist hingegen ausgesprochen sonnig und hält einige grosse Leckerbissen für Winterwanderer mit und ohne Schneeschuhe und Schlittler bereit. Eine schöne Wanderung für den ersten Tag, an dem man ja meist erst um die Mittagszeit in Grindelwald eintrifft, führt vom Dorf hoch nach First. Ideal: Am späteren Morgen erreicht die Sonne auch die tieferen Lagen um Grindelwald. Kommt man trotzdem «zu früh» und wirft der Mättenberg noch seinen kalten Schatten, kann man auch die Luftseilbahn bis Bort nehmen und dort die Wanderung beginnen. Ist man eher spät dran oder werden die Beine schwach, kann man ab Bort oder Schreckfeld zur Bergstation First gondeln. Und wer den Tag mit einer Schlittenfahrt beenden möchte, mietet dort einen Schlitten und düst zum Abschluss des Tages in rasanter Fahrt hinunter ins Tal.

Wer es vorzieht, auf dem Berg zu schlafen, kann im Berghaus First nächtigen. Das Berghaus First entspricht aber nicht ganz der Vorstellung der einsam gelegenen, romantischen Herberge in den Alpen. Doch dort ist eben der Knotenpunkt des Ski- und Wandergebiets mit Luftseilbahnstation, grossem Selbstbedienungsrestaurant und Souvenirladen. Aber am Abend, wenn die Pistenkontrolleure abgefahren sind, die Sonnenanbeter sich bereits beim Après-Ski vergnügen und auch die Gondelbahn ihren Betrieb eingestellt hat, kehrt auch im Berghaus langsam Ruhe ein. Traditioneller nächtigt man im Berghaus Bort, etwa auf halber Höhe zwischen Grindelwald und First. Zwar steht auch hier die Seilbahnstation nebenan, aber im Bort gibt es, was man sich in einem Berghaus wünscht: ein urchiges Stübli, gemütliche Zimmer mit viel Holz und eine Sonnenterrasse. Und dazu einen Schuss moderne Architektur, beispielsweise ein Design-Cheminée oder einen Bartisch mit eingebauter Holzbeige für das Feuer nebenan.

Die längste Schlittenfahrt

Doch zurück zum Wandern: Eine sehr schöne Schneeschuh- und Winterwanderweg-Tour führt von First auf das 2681 Meter hohe Faulhorn. Das Berghaus auf dem Gipfel ist allerdings im Winter geschlossen. Vom Faulhorn kann man zurück nach First wandern oder via Bussalp hinunter nach Grindelwald. Das sind dann aber ansehnliche 1700 Höhenmeter, die es zu bewältigen gilt. Wer es einfacher, rasanter und spassiger möchte, mietet in First einen Schlitten und begibt sich auf den mit 15 Kilometern längsten Schlittelweg der Welt. Er führt vom Faulhorn-Gipfel hinunter auf die Bussalp, wo man sich in einem weiteren Restaurant mit einer Suppe oder einem Fondue aufwärmen kann. Auf der nur vom Schlittelbus befahrenen Strasse geht die Fahrt weiter nach Grindelwald.

Wem ein Schlitten zu wenig Abenteuer bietet, mietet sich ein Velogemel. Das Gefährt aus Holz erfand 1911 der gehbehinderte Grindelwalder Schreiner Christian Bühlmann. Er benutzte das Schneefahrrad, um sich im Winter rascher und besser fortzubewegen. Jeweils im Februar finden in Grindelwald Weltmeisterschaften statt, teilnehmen kann jeder – sofern er genug Mut hat. Für Schneeschuhläuferinnen gibt es nebst der Tour auf das Faulhorn weitere schöne Möglichkeiten. Ein markierter Pfad, der «Trail Panorama», führt von der Bussalp nach Bort.

Touren vom Schreckfeld oder von Bort nach Osten, in Richtung Grosse Scheidegg und hinab nach Grindelwald, empfehlen sich nicht, da es dort einige gut versteckte, tiefe Tobel gibt und oft Schnee- und Eislawinen vom Wetterhorn herunterkrachen. Zudem liegt dort ein Schutzgebiet für Auerhühner.

Gewinnen Sie bei unserem Wettbewerb eine von drei Solite 100-Lampen inklusive Zubehör im Wert von Fr. 144.–.

Das Buch «Wandern und Geniessen im Winter» ist als Leserangebot zu einem Vorzugspreis erhältlich.

Winterspass mit Blick auf die Eigernordwand
• An- und Rückreise
Mit dem Zug via Interlaken nach Grindelwald.
• Die Schneeschuhtouren
1. Route: Von der Bussalp auf einem markierten Schneeschuhpfad, dem «Trail Panorama», via Steessiboden und Rasthysi nach Bort. Länge 8 km, 230 m Aufstieg, 470 m Abstieg, 3 Stunden. Technische Schwierigkeit: mittel, streckenweise auf dem Winterwanderweg.
2. Route: Von Bort hinauf nach First. Weiter zum Bachsee, zum Gassenboden und auf das Faulhorn (2681 m). Zurück zum Gassenboden und hinab zur Bussalp, dann mit dem Bus nach Grindelwald. Länge 17 km, 1130 m Aufstieg, 900 m Abstieg, 6 ½ bis 7 Stunden. Technische Schwierigkeit: mittel, streckenweise auf dem Winterwanderweg, meistens kann man aber ausweichen.
• Die Winterwanderungen
1. Wanderung: Mit Ortsbus bis Haltestelle Mühlebach, dann auf markiertem Weg zum Berghaus Bort und weiter über das Schreckfeld nach First (2167 m). Länge 9,7 km, 1000 m Aufstieg, 4 Stunden, mehrheitlich auf dem Schlittelweg. Wer in Bort die Gondelbahn besteigt, spart etwa 2 Stunden.
2. Wanderung: Mit Gondelbahn bis First und dann via Bachsee zum Gassenboden auf das Faulhorn (2681 m). Zurück zum Gassenboden und hinab zur Bussalp (Bus nach Grindelwald). Länge 11,5 km, 530 m Aufstieg, 900 m Abstieg, 4½ bis 5 Stunden. Alternativen: Via Waldspitz: von First Richtung Bachsee. Nach etwa 2 km aber links hinab und (auf einem Schlittelweg) nach Waldspitz (Restaurant) und hinunter nach Grindelwald. Länge 12 km, 110 m Aufstieg, 1240 m Abstieg, 3 ½ Stunden. Oder Aufstieg zum Faulhorn weglassen, spart etwa ¾ Stunden.
• Die Schlittenrouten
1. Route: Für eine Fahrt auf der mit 15 Kilometern längsten Schlittelbahn der Welt bei der Bergstation First einen Schlitten mieten und vom Faulhorn oder vom Gassenboden zur Bussalp oder bis nach Grindelwald fahren. Variante: Mit dem Bus zur Bussalp und von dort die 8 Kilometer lange Strecke unter die Kufen nehmen.
2. Route: Von First via Schreckfeld oder Waldspitz nach Bort.
• Unterkunft und Restaurants
Berghaus Bort, in der Nähe der Umsteigestation Bort der Gondelbahn, Telefon 033 853 17 62, www.berghaus-bort.ch
Berghaus First, bei der Bergstation der Firstbahn, Telefon 033 853 12 84, www.berghausfirst.ch
Bergrestaurant Bussalp, Telefon 033 853 37 51, www.bussalp.ch
Berghaus Waldspitz, Telefon 033 853 18 61.
• Karten
Karte 1: 25 000 Grindelwald, Winterwander- und Schlittelwege (mit Schneeschuhrouten), erhältlich bei Grindelwald

Fotos: Fotos: Heinz Staffelbach, Berghaus Bort, Christof Sonderegger/swiss-image, Jungfrau Region

Tags (Stichworte):

Kategorie: Garten

(G)artenvielfalt

Die Artenvielfalt lässt sich auch im Kleinen fördern – im eigenen...

Kategorie:

Kategorie: Natur

Bäumig

Im Winter gibt es nichts zu tun im Garten? Von wegen! Jetzt ist die ideale...