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Flammender Himmel

Kategorie: Natur
 Ausgabe 02 - 2011 - 01.02.2011

Text:  Andreas Walker

Polarlichter sind faszinierende Naturwunder. Unsere Vorfahren sahen in ihnen die Seelen der Toten und der ungeborenen Kinder. Erst die moderne Physik lüftete das Geheimnis dieser spektakulären Himmelserscheinungen.

Die geläufige Bezeichnung Aurora für Polarlichter heisst wörtlich Morgenröte. Aurora borealis (Nordlicht) steht die für nördliche Dämmerung. Dort wird der Nachthimmel durch die Polarlichter in ein Dämmerlicht gehüllt. In der griechischen Mythologie zieht im Winter der Sonnengott Apollon ins Land der Nordbewohner, wo es in der Polarnacht nie ganz dunkel wird, weil die Nordlichter am Himmel flackern.

Aristoteles, der als Begründer des wissenschaftlichen Zeitalters gilt, gibt in seinem Buch «Meteorologica» eine Beschreibung der Polarlichter: «Manchmal kann in einer klaren Nacht eine Anzahl von Erscheinungen gesehen werden, die am Himmel eine Gestalt annehmen wie Klüfte, Gräben und blutrote Farben.» Aristoteles stellte sich vor, dass sich durch die Sonne ein Dunst von der Erde erhob, um in grösseren Höhen der Sphären mit dem Sonnenfeuer zusammenzustossen, sich daran entzündete und so die farbigen Flammen des Polarlichtes hervorbrachte. Er hatte Recht: Das Polarlicht ist ein sichtbares Zeichen einer Wechselwirkung mit der Sonne. Aristoteles Theorie ist umso erstaunlicher, als man zu seiner Zeit das Weltbild und dessen Erscheinungen auf den vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer aufbaute.

Als Sinnbild für den Untergang des römischen Reiches dienten die Nordlichter im Mittelmeerraum, wo sie aber nur selten und wenn, meist als blutrote Erscheinungen auftreten. In Europa gab es lange Zeit keine systematische Beobachtung von Polarlichtern. Vom 9. bis 12. Jahrhundert werden Polarlichter wiederholt als bedrohliche Balken, Schwerter oder feurige Pfeile beschrieben. Auch sah man in ihnen fürchterliche Zeichen, blutige Fackeln, Kriegsheere und Feuer am Himmel.

Es ist kaum verwunderlich, dass solche Bilder mit den Kreuzzügen in Beziehung gesetzt wurden. Es hatte den Anschein, dass die Ereignisse auf der Erde sich am Himmel widerspiegelten. Mit den grossen Pestwellen im 14. Jahrhundert wurden diese himmlischen «Wunderzeychen» wieder vermehrt erwähnt. Oft wurden sie auch als «wunderbarlich Gesicht» beschrieben, welches gut die Vorstellungen der damaligen Menschen veranschaulicht, die glaubten, dass die Erde der Mittelpunkt des Universums sei.

Wie eine riesige Leuchstoffröhre
Die moderne Erforschung des Mikrokosmos leistete einen bedeutenden Beitrag zum Verständnis der Polarlichter. Erst mit den Kenntnissen der kleinsten Bausteine der Materie wurde es möglich, das komplizierte Geschehen der Wechselwirkung zwischen Sonnenwind und Erdmagnetfeld zu verstehen. Ein vereinfachtes Modell der heutigen Polarlichttheorie sieht wie folgt aus: Die Erscheinung der Polarlichter ist eng mit der Sonnenaktivität verknüpft. In einem Zyklus von 11 Jahren häufen sich die maximalen Werte der Sonnenflecken und damit die Polarlichter. Dabei treten magnetische Stürme auf, die den irdischen Funkverkehr spürbar beeinträchtigen. Die Polarlichter sind also ein sichtbares Zeichen der Wechselwirkung von Sonne, Erdmagnetfeld und der hohen Atmosphäre.

Zeichen des Schutzes

Die Menschen der hohen Breiten sind seit jeher sehr stark dem Zyklus der Natur unterworfen. Licht und Dunkelheit sind dort viel extremer ausgeprägt als bei uns: Die Natur folgt nicht in erster Linie dem Zyklus von Tag und Nacht, sondern einem jahreszeitlichen Rhythmus von der Zeit der Mitternachtssonne bis zur Polarnacht. Vor der Entdeckung der Elektrizität litten die Eskimos während der Polarnacht häufig unter tiefen Depressionen. Diese dunkle Winterzeit, Monate ohne Sonne, war für sie «die Zeit, in der man die Last des Lebens spürte».

Es erstaunt daher nicht, dass Polarlichter eine wichtige Rolle in den Mythen und Legenden spielen. Eine Überlieferung der Indianer Kanadas im Gebiet von Ottawa (Ontario) erzählt: «Der Halbgott Nanahboozho schuf die Welt und die Menschen. Nachdem das Schöpfwerk vollbracht war und die Menschen Belehrung wie Erfahrung in der Bewältigung ihrer Umgebung erhalten hatten, zog Nanahboozho weiter zu seinem ständigen Aufenthaltsort im Norden. Doch bevor er die Menschen verliess, versprach er, sich immer um sie zu kümmern und ihr Leben zu begleiten. Als ein Zeichen seines Schutzes würde er von Zeit zu Zeit kräftige Flammen entzünden, deren Spiegelungen für die Menschen am Himmel sichtbar sein sollten.»

Auch in der modernen Zeit sorgt das Polarlicht immer noch für grosses Staunen oder sogar Angst. Als am 25. Januar 1938 infolge extremer Sonnenaktivität die Polarlichter bis weit in den Süden gesehen werden konnten, glaubten viele, ein «blutiges Meer» oder einen «Feuerarm» am Himmel zu erblicken und deuteten diese Lichter als Zeichen für den kommenden Zweiten Weltkrieg. Polarlichter können auch in niedereren geografischen Breiten gesehen werden, vorausgesetzt, die Sonnenaktivität hat ihr Maximum erreicht. Deshalb konnten am 30. Oktober und 20. November 2003 Polarlichter sogar in Mittel- und Südeuropa beobachtet werden.

Fotos: Andreas Walker

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