Wohnformen und neue Normen – Klima, Kosten und Komfort

Wohnen ist unglaublich divers – in Sachen Baumaterial, Wohnform und Wohnphilosophie. Mit dem Wandel der Zeit stellen sich neue Ansprüche an das Bauen und Wohnen. Die aktuellen Wohnprojekte wollen zukunfts­orientiert sein und dem Klimawandel sowie der Überalterung der Gesellschaft entgegenwirken.

Alice Stadler

 

Viele Faktoren beeinflussen die Art und Weise, wie wir wohnen wollen und müssen: Zeit, Geld, Arbeitsort, benötigte Ausstattung und vieles mehr. Muss Geld gespart werden, ist eine Wohngemeinschaft eine Lösung. Manchmal aber auch, um ein grosses Haus überhaupt auszufüllen. Der Trend des Minimalismus hingegen, der als Antwort auf die Konsumgesellschaft folgte, führte zu einem breiteren Interesse an Kleinwohnformen auf Rädern und «Tiny Houses». Die Wohnphilosophie dahinter will ein maximalistisches Leben mit minimalistischem Ressourcenverbrauch verbinden, wodurch der Fokus auf Erlebnisse nicht materieller Art gesetzt wird. Und da wird bereits klar: Wohnen ist viel mehr als nur vier Wände um einen herum; wohnen widerspiegelt, wer wir sind, mit all unseren Einstellungen zum Leben.

« Wohnen ist viel mehr als nur vier Wände um einen herum; wohnen widerspiegelt, wer wir sind, mit all unseren Einstellungen zum Leben. »


Kollaborativ und digital

Unser Leben hat sich mit der Digitalisierung auch zunehmend verändert, so auch die gängigen Wohnformen. Das Arbeiten und Studieren von zu Hause aus ist Teil des Alltags geworden, was auch zu einer augenfälligen Stagnierung der Urbanisierung führte. Es werden weniger Zweitwohnungen oder Zügelungen benötigt. Und durch die steigenden Energiepreise entstehen zusätzlich auch vermehrt digitale Kollaborationen, bei denen jeder in seiner Wohnung wohnt, aber beispielsweise Internet, Streaming-Abos und ähnliches zusammen bezahlt werden. Ausserdem sollen smarte Technologien nun auch

vermehrt bei Senior:innen zum Zuge kommen, um ihnen das Wohnen in den eigenen vier Wänden zu erleichtern. Aber natürlich ist auch die traditionelle WG in jeglichem Alter oder gerade auch generationsübergreifend eine Alternative zum Alleinwohnen im Alter. Ein Beispiel dazu von Pro Senectute in Zürich wird in einem weiteren Artikel vorgestellt.


Das Bauen der Zukunft

Neue Wohnansprüche implizieren ein neues Denken in der Baubranche. Bauten sollen geschlossene Energiekreisläufe bilden, energieeffizient, CO2-neutral und begrünt sein sowie aus rezyklierbaren Baustoffen bestehen. Natürliche Baumaterialien wie Lehm, Holz, Ökobeton aus Schlacke, Flugasche oder gar Hanf sollen die Häuser umweltverträglicher machen (mehr zum Bauen mit Stroh folgt weiter hinten im Magazin). Die Ergebnisse reichen von autofreien Wohnsiedlungen mit riesigen Veloparkplätzen über den Garden Tower in Wabern bei Köniz (BE), der ein Beispiel der Nachverdichtung mit vertikalen Gärten in einer städtischen Umgebung ist, bis hin zu Blocksiedlungen mit gemeinsamen Aufenthaltsräumen und Gemeinschaftsgärten – damit Umwelt und Gemeinschaft gleichermassen gefördert werden.

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