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Golfen ist out – Gärtnern ist in

Kategorie: Garten
 Ausgabe 02 - 2010 - 01.02.2010

Text:  Remo Vetter

Im Februar erwacht der Gärtner aus seinem kurzen Winterschlaf – und bereitet mit Genuss ein Gartenleben in Musse vor.

Je mehr ein Mensch seine Zeit, Leistungsfähigkeit und Ressourcen ausraubt, desto weniger bleibt ihm übrig für vieles anderes, was er für ein gesundes Leben auch braucht: Beziehungspflege, Erholungsphasen, Freude an Hobbys, kulturelle Interessen, «nutzlose» Zeiten. Der Mensch wird immer mehr an den Rand des von Leistung bestimmten Alltags gedrängt und hat sich mit einer bereits erschöpften Psyche zu begnügen. Die eigenen Kraftreserven und die Stärke der Persönlichkeit schwinden, weshalb ich eine Kerbe schlage für: «Weniger ist mehr», denn es ist höchste Zeit für mehr Garten im Leben – und mehr Leben im Garten.

Die Kunst des «Seinlassens»

Bei unseren Besuchern ist das Thema der Bodenbearbeitung eine häufig gestellte Frage. Zu diesem Punkt gibt es die verschiedensten Ansichten und Philosophien. Vom Umgraben im Herbst, über die Brache, bis zum Nichtstun, sprich Belassen, wie es ist. Ich halte es persönlich mit Letzterem.

Die Frage, umgraben oder nicht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Graben Sie gerne um? Nehmen Sie sich die Zeit dazu? Lohnt es sich umzugraben? Wie bereits erwähnt, bin ich kein Freund des Umgrabens, obwohl es für mich eine sehr beruhigende, ja fast schon meditative Arbeit ist. Man kann sich dabei so richtig mit der Scholle auseinandersetzen. Beim Umgraben wird mir bewusst, wie stark ich mich im Laufe einer Wachstumsperiode mit einer Pflanze befasse, vom Vorbereiten des Beetes bis zur Ernte. Ich gehe eine Art Verhältnis mit ihr ein, und bis zur Ernte ist daraus schlichtweg Respekt geworden. Ich bin dankbar für die Energie und die Kraft der Erde, die die Pflanzen so schön hat wachsen lassen.

Starthilfe für Setzlinge

Zurück zum Umgraben. Ich habe vor Jahren damit aufgehört. Heute stecke ich neu anzulegende Beete mit Holzpfählen und Schnur ab und steche viereckige Grasziegel aus. Diese lege ich verkehrt herum auf den Mutterboden, schichte etwas Baumschnitt, wenig Schafmist von unseren Milchschafen, Gras, Beinwell- und Brennnesselblätter und zuletzt etwas gut ausgereiften Kompost obendrauf. Das Anlegen eines solchen Beetes ist zwar in der ersten Phase mit einiger Mehrarbeit verbunden, dafür ist die weitere Bewirtschaftung viel einfacher.

So lege ich jedes Frühjahr neue Beete an, die in diesem Fall nicht so hoch aufgeschichtet werden. Vorteil dieser Beete ist, dass sogleich ein Kompostiervorgang in Gang kommt, der Wärme produziert und den Gemüse- und Blumensetzlingen eine ideale Starthilfe bietet. Die Beete sind in der Mitte leicht erhöht und sollten nicht breiter als 1,20 Meter sein, damit man vom Rand aus die Beetmitte von Hand bearbeiten kann, ohne unnötig auf dem Beet herumtrampeln zu müssen. Die Länge der Beete richtet sich nach der zur Verfügung stehenden Fläche. Bei uns sind die Beete 10 bis 15 Meter lang.

Für die Beetumrandungen nehme ich 4 bis 5 Meter lange und 30 Zentimeter breite unbehandelte Lärchenholzbretter von 6 Zentimetern Dicke. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass die robusten Lärchenholzbretter dreimal länger halten als gewöhnliche Tannenbretter. So muss ich die Einfassungen erst nach zehn Jahren ersetzen. Verwenden Sie auf keinen Fall behandeltes Holz.

Platz für die Schubkarre

Zwischen den Beeten lasse ich 80 bis 90 Zentimeter Platz, damit ich die Schubkarre bequem durchschieben kann. Hobbygärtner machen oft den Fehler, die Wege zu schmal anzulegen. Sie müssen dann förmlich zwischen den Wegen durchbalancieren. Ich lege die Wege mit Holzhäcksel und Steinplatten aus. Das ist die günstigste Methode: Holz gibt es in unserer Gegend zur Genüge, und der Förster häckselt mir die Bäume zu einem fairen Preis. Allerdings besteht bei Häcksel von Nadelbäumen die Gefahr, dass der Boden übersäuert wird. Da unser Boden sehr basisch ist, haben wir mit dem Häcksel kein Problem. Steinplatten oder Kieswege sind gute Alternativen.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.

 Fotos: Dave Brüllmann

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