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Frühling im Garten

Kategorie: Natur, Garten
 Ausgabe_05_20 - 25.05.2020

Text:  Frances Vetter

Auflockern, Umgraben, Aussäen, Einpflanzen und Beschneiden – der Mai ist für Gärtner ein arbeitsintensiver Monat. Was Sie tun müssen, damit sich der Aufwand lohnt.

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In unseren Breitengraden hat der Mai eine klimatische Besonderheit zu bieten: die Eisheiligen. Das bedeutet: Bis ungefähr zum 15. Mai ist bei uns mit Bodenfrost zu rechnen! Wenn man bedenkt, dass einige Pflanzen wie z.B. Tomaten, Gurken, Paprika, Zucchini und Kürbis schon ab fünf Grad Wachstumsstörungen bekommen, ist es absolut nicht ratsam, diese Pflanzen vor dem 15. Mai ins Freiland zu setzen. Darum mein alljährlicher Rat an meinen geschätzten Gärtner-Gatten Remo: «Pflanze nie vor der Kalten Sophie!»

Die ersten Blicke auf unseren Gartenrundgängen zu Beginn der neuen Gartensaison gelten immer den mehrjährigen Pflanzen: Haben sie die Kälte und den Winter schadlos überstanden oder müssen wir feststellen, dass einige unserer Lieblingspflanzen dem Frost zum Opfer gefallen sind? Sofern Frostschäden nur Teile von Pflanzen betreffen, müssen wir diese durch Rückschnitt entfernen.

Abgestorbene Triebe und verwucherte Gehölzäste schneiden wir ab und bringen so die Pflanzen in die gewünschte Form. Falls die mehrjährigen Blütenstauden im letzten Sommer nicht mehr so reichhaltig geblüht haben, ist das ein sicheres Zeichen, dass sie eine Verjüngungskur benötigen. Zwiebelblumen, die jetzt ihre ersten grünen Spitzen aus dem Boden treiben, düngen wir und geben eine leichte Kompostgabe, um schöne und kräftig blühende Tulpen, Narzissen und Hyazinthen im Frühlingsgarten zu haben.

Wenn nachts keine Minusgrade mehr zu erwarten sind, können die Blumenbeete von abgestorbenen Pflanzenteilen und vertrockneten Blättern gereinigt werden. Auf den Beeten, die wir im Herbst mit einer Mulchschicht versehen haben, bringen wir Kompost aus, denn während der Wintermonate ist die Abdeckung durch Mikroorganismen weitgehend zersetzt worden.

Arbeiten im Nutzgarten



● Vorgezogene Kräuter wie Estragon, Majoran und Basilikum können nach den Eisheiligen in den Garten oder auf den Balkon umgesetzt werden. Viele Kräuter lassen sich ab Mai direkt ins Freiland aussäen. Dazu gehören Basilikum, Majoran, Kerbel, Dill, Bohnenkraut, Kresse, Wermut, Kapuzinerkresse, Koriander, Maggikraut, Beifuss und viele andere. Je nach Bedarf säen wir einjährige Kräuter alle zwei bis drei Wochen nach, damit wir die ganze Saison hindurch frische Pflanzen haben.

● Vorgezogene Gemüsepflanzen wie Tomaten, Paprika, Knollensellerie, Kohl-Sorten und Artischocken nach den Eisheiligen in das Freiland umsetzen.

● Auberginen können nun ebenfalls ausgepflanzt werden. Ab Ende Mai kann man sie direkt ins Freiland säen.

● Die meisten Aussaaten können nach den Eisheiligen direkt im Freiland vorgenommen werden. Dazu gehören: Salate, Brokkoli, Gurken, Karotten, Radieschen, Rettich, Randen, Zucchini, Blumen- und Rosenkohl, Stangen- und Buschbohnen, Fenchel und Schnittsellerie.

● Besonders zur Aussaat- und Anwuchszeit brauchen Pflanzen regelmässig Wasser. Denn junge, frisch gepflanzte Pflanzen haben noch keine langen Wurzeln, um sich selbst mit Feuchtigkeit aus tieferen Bodenschichten zu versorgen. Aber: nicht ertränken!

● Mischkulturen verhindern Schädlingsbefall und Pilzerkrankungen. Zu Tomaten, Gurke und Zucchini passen Sommerblumen wie Tagetes, Ringelblumen und Kapuzinerkresse. Karotten zwischen Lauch oder Zwiebeln setzen, Kohl wird mit Sellerie und Lauch gepflanzt.

● Wenn die Temperatur steigt, beschleunigen auch die Mikroorganismen im Komposthaufen ihre Arbeit. Um den Verrottungsprozess zu unterstützen, bietet sich ein Umsetzen des Kompostes jetzt an.

● Wenn der Boden sich erwärmt hat, keimt auch das Unkraut. Problematische Arten wie Ackerwinde und Quecke müssen unbedingt ausgegraben werden. Auf gar keinen Fall mit der Bodenhacke oder dem Kultivator bearbeiten! Das würde die Wurzelunkräuter vermehren und sie zur Plage werden lassen.

Arbeiten im Ziergarten



● Der Mai ist ein idealer Monat, um Containerpflanzen wie Rhododendron auszupflanzen.

● Der Rasen steht nun im Blickpunkt: Kahle Stellen werden jetzt nachgesät. Frisch gesäter Rasen sollte in Zeiten ohne Regen etwa drei Mal pro Woche gewässert werden. Ein Austrocknen würde das Wachstum verlangsamen oder den frisch gesäten Rasen zerstören. Alter Rasen wird durchgelüftet (vertikutiert). Damit das Gras besonders kräftig, dicht und grün wird, entfernen wir zuerst das Unkraut. Anschliessend schneiden wir den Rasen auf etwa fünf Zentimeter Länge und bringen biologischen Rasendünger aus. Den Rasenschnitt verwenden wir zum Mulchen der Staudenbeete oder geben ihn auf den Kompost. Wichtig dabei ist, dass der Rasenschnitt mit dem übrigen Material gut vermischt wird, damit kein unerwünschter Silagegeruch entsteht.

● Ab Mitte Mai Kübelpflanzen und Geranien auf Balkon und Terrasse stellen.

● Hecken verschönern jeden Garten. Jedoch entfalten sie ihre Formschönheit erst nach dem Schnitt. Wir schneiden im Mai Sträucher wie Forsythie, Hibiskus, Goldregen und Flieder und teilen diese bei Bedarf. Um den jungen Trieben Platz zu machen, müssen die alten Zweige direkt am Ansatz der Pflanze entfernt werden.

● Falls die mehrjährigen Blütenstauden im letzten Sommer nicht mehr so reichhaltig geblüht haben, ist das ein sicheres Zeichen, dass sie eine Verjüngungskur benötigen, d. h. einen starken Rückschnitt.

● Für einen begrünten Balkon und als Sichtschutz können Kletterpflanzen wie Geissblatt oder Glyzinien (Blauregen) gepflanzt werden. Sie schiessen schnell in die Höhe und tragen bald schöne Blütenstände. Glyzinien brauchen eine starke Rankhilfe, da sie schnell an Gewicht zulegen und zum Teil armdicke Stämme bilden können.

Nützlinge und Schädlinge



● Sobald sich die Erde etwas erwärmt hat, treiben die Schnecken wieder ihr Unwesen. Darum ist es wichtig, die ersten Generationen einzusammeln oder die Eigelege (z.B. unter dem Mulch) an die Sonne zu legen und so die Population zu schwächen.

● Die Larven des Dickmaulrüsslers leben im Boden und fressen an den Wurzeln. Eine biologische Bekämpfung mit Nematoden ist ratsam. Sie halten die Schädlinge auf natürliche Weise in Schach.

● Mit engmaschigen Netzen werden die Gemüsekulturen von Kohl-, Karotten- und Zwiebelfliege geschützt: Die Pflanzen direkt nach der Aussaat oder Pflanzung mit Netzen bedecken, um die Eiablage zu verhindern.

● Wildbienen, Florfliegen, Marienkäfer und Schlupfwespen gehören zu den nützlichsten Helfern im Garten. In hohlen Bäumen, Schilfrohrstängeln und in Insektennistkästen finden sie Unterschlupf. Wo immer möglich, sollten im Garten Nistmöglichkeiten geschaffen werden.

● An den ersten feuchtwarmen Tagen treten bereits grosse Blattlauskolonien auf. Wichtig ist, dass wir Nistplätze für Nützlinge aufgestellt haben, zum Beispiel Schlupfsäcke und umgestülpte, mit Holzwolle gefüllte Tontöpfe für Ohrwürmer.

● Mit früh blühenden Pflanzen wie Traubenhyazinthen, Schlehe und Weissdorn locken wir Nützlinge an. Auch Kräuter wie Kümmel, Liebstöckel, Fenchel und Ringelblumen erfüllen diese Funktion.

Grundlage des Lebens: der Boden
Wenn die Temperaturen steigen und der Boden sich erwärmt hat, keimt und spriesst auch das Unkraut. Hartnäckige Arten wie Ackerwinde und Quecke müssen tiefgründig ausgegraben werden, sodass keine Wurzelreste im Boden bleiben, die erneut austreiben würden. Auf gar keinen Fall sollte man Wurzelunkräuter mit der Bodenhacke oder dem Kultivator bearbeiten, das würde sie zur Plage werden lassen.

Gewöhnliche Unkräuter haben bei uns gar keine Chance, da wir den Boden mehrmals wöchentlich mit der Pendelhacke vorbeugend durchlüften und so den unerwünschten Pflanzen keine Wachstumsmöglichkeit geben. Und wo immer möglich, säen wir Gründüngungen ein. Der Einsatz von Gründüngungspflanzen ist sehr einfach. Wir verwenden hauptsächlich Bienenweide (Phacelia) und lassen kein Stück Erde unbepflanzt. So haben Unkräuter keine Chance. Das Säen und Schneiden dieser Bodendecker ist viel weniger aufwendig als das Unkrautjäten. Die Bienenweide-Samen streuen wir nur oberflächlich auf die Erde. Wenn die Pflanze ihren Dienst als Bodenverbesserer und Nährstofflieferant geleistet hat, kippt sie um, wird von den Würmern in den Boden eingearbeitet und führt den Mikroorganismen reichlich organische Substanz zu. Der Einsatz von Gründüngungen erspart uns einen ganzen Kompostiervorgang, der mit Schneiden, Umsetzen und Ausbringen des fertigen Kompostes viel Arbeit macht und noch mehr Zeit erfordert. Die Bienenweide zieht ausserdem Insekten an, die unsere Blüten bestäuben. Seit wir sie einsetzen, wimmelt es im Garten von Schmetterlingen, Hummeln und Bienen.

Das grosse Säen und Pflanzen
Als offizieller Startschuss in die neue Gartensaison gelten bei uns die fünf Tage der Eisheiligen: Mametus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die Kalte Sophie. Die Eisheiligen symbolisieren das Ende der kalten Frostnächte. Allerdings ist diese Bauernregel nicht immer so genau zu nehmen. Es ist durchaus möglich, dass es auch nach den Eisheiligen noch kalte Tage und frostige Nächte gibt. Aber tendenziell bleibt das Wetter nach den Eisheiligen warm und stabil. Sollte die Wettervorhersage dennoch kühlere Temperaturen melden, schützen wir die sensiblen Pflanzen mit Vlies oder Folie.

Nach den Eisheiligen säen wir Radieschen, Pflücksalat, Zuckermais, Spinat und Bohnen direkt ins Freiland und vorgezogene Pflanzen wie Tomaten, Salatgurken, Kohlrabi, Paprika und Kopfsalat setzen wir nach den Eisheiligen in die Beete.

Da wir im Mai bei uns öfters nasse Böden haben, geben wir eine dünne Schicht Sand in die Saatrille, damit die Samen nicht zu feucht liegen und verfaulen. Frisch gepflanzte Sämlinge müssen regelmässig, aber vorsichtig gegossen werden. Täglich wenig ist besser als wöchentlich in Mengen. Das Saatbeet unbedingt unkrautfrei halten. Junge Pflanzen in Frühbeeten mit Vlies oder Folie abdecken. Ausgesätes Gemüse und Kräuter pikieren wir vorsichtig und dünnen aus. So wird verhindert, dass sich die Pflanzen gegenseitig Licht und Nährstoffe rauben.

Frostempfindliche Gemüsesorten wie Zucchini, Tomaten, Salate und Mangold säen wir nach den Eisheiligen aus oder setzen Jungpflanzen. Zu Tomaten, Gurken und Zucchini passen Sommerblumen wie Tagetes, Ringelblumen und Kapuzinerkresse. Karotten zwischen Lauch oder Zwiebeln setzen, Kohl wird mit Sellerie und Lauch gepflanzt. Kräuter wie Dill, Petersilie oder Basilikum werden bis zu den Eisheiligen in Töpfen vorgezogen, danach kann man sie direkt ins Freie säen oder im Freiland setzen.

Zwischen Gemüsepflanzen kommen Kräuter besonders gut zur Geltung und werten die Beete auf. Mehrjährige Kräuter wie Salbei, Lavendel und Thymian sollten ausgelichtet und um gut ein Drittel zurückgeschnitten werden. Erfrorene Triebe können bis in das gesunde Holz hinein gekürzt werden.

Auch in Zierbeeten zwischen Blumen und Stauden empfiehlt sich das regelmässige Mulchen. Damit wird das Unkrautwachstum reduziert, die Feuchtigkeit im Boden gehalten und der Erde durch die Verrottung des Mulchs langfristig Humus zugeführt. Allerdings legen Schnecken gerne ihre Eier unter die Mulchschicht. Falls nötig, wendet man das Mulchmaterial, denn in der Sonne sterben die Schneckeneier ab.

Buchtipp



Stephan Wastka «Erfolgreich Gärtnern im Rhythmus der Natur», Quelle & Meier 2018, ca. Fr. 28.–



* Frances und Remo Vetter sind als freischaffende Gartengestalter, Referenten und Buchautoren unterwegs.

Fotos: dave brüllmann, at verlag| www.at-verlag.ch | iStock.com 

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