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Heilkräuter am Wegrand

Kategorie: Natur
 Ausgabe_07/08_2016 - 01.07.2016

Text:  Heinz Scholz

Eine Sommerwanderung auf wilden Pfaden ist erlebter Biologieunterricht. der Arzneimittelanalytiker Heinz Scholz stellt auf einem kleinen Rundgang durch die Berge ein paar wichtige Heilpflanzen vor.

Wir schätzen bei unseren Wanderungen in den Vogesen, im Südschwarzwald, im Berner Oberland, im Schweizer Jura und im Südtirol die unberührte Natur, die frische Luft und das herrliche Bergpanorama. Der Aufenthalt in der wunderschönen Natur ist Balsam für die Seele und eine Wohltat für unsere Nerven und unsere körperliche Gesundheit.

«Auf Schritt und Tritt sehen wir irgendeinen Freund aus der Pflanzenwelt», schrieb einst der Heilpraktiker Alfred Vogel. Dem stimme ich voll und ganz zu. Begeistert ist der Bergwanderer besonders im Sommer von der farbigen Blütenpracht der Alpenblumen, die sich manchmal als Blumenteppiche präsentieren.

Anbau von geschützten Kräutern.
Viele Wildkräuter sind geschützt und dürfen nicht gesammelt werden. Um das Verbot zu umgehen, gingen Firmen schon vor Jahrzehnten daran, geschützte Heilpflanzen zu kultivieren. In Südtirol gibt es einen Zusammenschluss von Kräuterbäuerinnen und Kräuterbauern, die über 120 verschiedene Heil- und Gewürzpflanzen anbauen. Und die Schweizer Firma Ricola bezieht von mehr als 100 Bergbauern im Wallis, dem Emmental, dem Puschlav, dem Jura und aus dem Luzerner Hinterland 13 Kräuter. Wichtig ist, dass die Kräuter fernab von Autoverkehr und Industrie gedeihen. Die Pflanzen werden erst geerntet, wenn sie den höchsten Gehalt an Inhaltsstoffen haben.

Wer mit wachen Sinnen wandert, wird am Wegrand unzähligen Heilpflanzen begegnen, darunter vielen guten alten Bekannten.

Arnika hemmt Entzündungen. «Ihr werdet staunen. Ich zeige auch Arnikawiesen mit Millionen von Blüten.» Mit diesen Worten lockte Wanderorganisator Toni uns in die Natur hinaus. Er hatte die Wiesen in der Nähe von Herrenschwand im Südschwarzwald in rund 1200 Meter über Meer schon bei einer Vorwanderung entdeckt, und er hatte uns nicht zu viel versprochen. Ich sah noch nie ein so grosses dottergelbes Blütenmeer. Viele der Blüten bewegten sich tanzend im aufkommenden Wind.

Die Arnika (Arnica montana) mit ihren leuchtend orangegelben Blüten von strahlender Schönheit liebt die Höhe und sonnige Plätze. Gedüngte Wiesen mag sie gar nicht. Zum Glück haben die Landwirte in der Umgebung von Herrenschwand viele Wiesen nicht gedüngt und in Ruhe gelassen. Die heilkräftige, wilde Arnika ist geschützt und darf nicht gepflückt werden. Für den eigenen Garten gibt es inzwischen jedoch eine Zuchtsorte, die auch von Kräuterbauern angebaut wird.

Arnika erwies sich in Untersuchungen als ein hervorragendes Mittel zur äusseren Anwendung mit entzündungshemmender, durchblutungsfördernder und keimtötender Wirkung. Sie hat einen wichtigen Platz in der Therapie von Quetschungen, Prellungen, Blutergüssen, Verstauchungen, Entzündungen nach Insektenstichen und rheumatischen Muskel- und Gelenkbeschwerden.

Baldrian beruhigt. Baldrian (Valeriana offi cinalis) gedeiht in den Bergen bis zu einer Höhe von 2000 Metern. In den Alpen findet man auch den Bergbaldrian (Valeriana montana), der sogar bis auf etwa 2700 Meter Höhe anzutreffen ist, sowie den echten Speik (Valeriana celtica). Die Baldrianwurzel ist ein gutes Beruhigungsmittel. In Form von Tee, Tinktur, Frischpflanzentropfen und Presssaft aus frischen Wurzeln kommt er bei Nervosität, krampfartigen Menstruationsbeschwerden, Angst- und Erregungszuständen, Einschlafstörungen und nervös bedingten krampfartigen Schmerzen im Magen-Darm-Bereich zum Einsatz.

Edelweiss für die Haut. Das Edelweiss ist der Star der Alpenflora und brilliert aufgrund seiner Popularität als Schweizer Nationalblume, wie der in Teufen tätige Naturheilpraktiker Bruno Vonarburg treffend bemerkte. Die silbrigweisse Bergpflanze wurde früher gerne von Touristen gesammelt und an die Hüte gesteckt. Heute, so meine Beobachtung, pflücken Wanderer diese schöne Pflanze zum Glück nicht mehr wahllos, sondern erfreuen sich an deren Anblick und fotografieren sie mit Freude. Oft ist es jedoch so, dass das geschützte Edelweiss sich gut versteckt und deshalb gar nicht erst entdeckt wird.

Bisher wurden 40 Wirkstoffe im Edelweiss nachgewiesen. Darunter befinden sich einige Antioxidantien, die sich laut Schweizer Forschern für die Prävention von Hautalterung eignen dürften. Seit einiger Zeit wird Edelweiss darum als Grundstoff für Antifalten- und Sonnenschutzcremes vermarktet. Da es verboten ist, wilde Edelweiss zu pflücken, werden sie kultiviert. Einer der grössten Edelweiss-Produzenten ist die Valplantes-Genossenschaft im Kanton Wallis.

Enzian beruhigt den Magen. Der stattliche Gelbe Enzian (Gentiana lutea), den Sebastian Kneipp als eines der ersten Magenmittel bezeichnete, blüht erst vom zehnten Jahr an und wird bis 60 Jahre alt. Schöne Exemplare der ebenfalls geschützten Alpenblume sah ich im Passwang- und Feldberggebiet. In Südtirol bei der Umrundung der Drei Zinnen sahen wir nur den blauen Enzian, der zwar gern auf Schnapsflaschen abgebildet wird, aber keine Heilwirkung besitzt.

Die Pflanze weist in der Wurzel eine ganze Reihe Bitter mittel auf. Noch in einer Verdünnung von 1: 20 000 schmeckt man das Bittere heraus. Zubereitungen mit Enzianwurzel haben sich bei Magenschwäche mit mangelnder Magensaftbildung, Appetitmangel, Blähungen, Krampf- und Erschlaffungszuständen von Magen und Darm bewährt.

Fotos: istockphoto.com, zvg

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