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Es spriesst

Kategorie: Garten
 Ausgabe_03_2013 - 01.03.2013

Text:  Remo Vetter

Es taut und tropft, durch letzte Schneeflecken strecken Krokusse ihre bunten Köpfchen. Wir freuen uns beim Spazieren über wild wachsende Frühlingsboten, auf den ersten selbstgemachten Bärlauch-Pesto. Im Garten gibt es bereits einiges zu tun – und die ersten Schnecken sind auch schon unterwegs.

Die Natur ist im Aufbruch, es taut und tropft, alles erwacht. Die Fenster werden geöffnet, die Häuser durchlüftet und draussen im Garten kann es jetzt losgehen. Mit Freude bewundere ich die ersten Schlüsselblumen, Veilchen, Gänseblümchen, Brennnesseln und den Löwenzahn.

Zu den ersten Frühlingsboten gehört auch der Huflattich. Er ist nicht nur eine wertvolle Heilpflanze, sondern auch Nahrung für verschiedene Schmetterlingsarten. Beim Pflücken deshalb auch an die hungrigen Raupen denken. Die ausdauernde, mit langen unterirdischen Ausläufern versehene Pflanze treibt mehrere zehn bis 20 Zentimeter hohe Stängel mit nur einem goldgelben Blütenkopf und mit kleinen schuppenförmigen Blättern. Man findet den Huflattich an Wegrändern, an Bahndämmen und auf Schuttplätzen. Verwendet werden vorwiegend die gelben Blüten. Wir machen daraus Huflattich-Sirup und -Honig, beides gute Hustenmittel.

Grundsätzliches zur Aussaat in Töpfe
Es ist zwar keine Kunst, Gemüsesetzlinge in Töpfen vorzuziehen, dennoch ein paar Tipps: Wählen Sie eine angemessene Topfgrösse. Wir bevorzugen einen Topfdurchmesser von sechs bis acht Zentimetern. Beobachten Sie das Pflanzenwachstum und das Wurzelwerk. Die Setzlinge sollten weder zu kurz noch zu lange vorgezogen werden. Beginnen Sie mit dem Auspflanzen, sobald der Topf gut durchwurzelt ist. Bei zu grossen Töpfen besteht die Gefahr, dass man die Pflanzen zu lange vorzieht.
• Pflanz- und Säarbeiten
Spargel kann man zwar aus Samen ziehen, aber es ist einfacher, pflanzfertige Wurzeln zu kaufen, die im März und April in gut mit Kompost und etwas Sand vorbereitete Gräben gepflanzt werden.
Auberginen und Paprika stammen aus warmen Klimagegenden. Sie brauchen eine möglichst lange Reifezeit und sollten im März im Treibhaus ausgesät werden.
Brokkoli und Kohl vorzugsweise unter Schutz im Tunnel oder Frühbeet aussäen.
Knoblauch pflanzen.
Gegen Ende des Monats können Kräuter gepflanzt werden. Mit kälteempfindlichen Sorten wie Basilikum, Zitronenstrauch und Rosmarin besser noch etwas zuwarten.
Salat wird jetzt am besten mit Flies geschützt oder im Tunnel ausgesät.
Zwiebeln und Schalotten am besten als Steckzwiebeln pflanzen.
Erbsen und Dicke Bohnen im Freiland säen. Bei kaltem Wetter mit Folie abdecken.
Vorgekeimte Kartoffeln setzen. Versuchen Sie es einmal mit alten Sorten wie Parli, Acht-Wochen-Nüdeli, Fläckler, Röseler oder Blauen Schweden (Bezugsquelle: Pro Specie Rara).
Knollen- und Stangensellerie, Kohlrabi und Fenchel sind kälteempfindlich. Zuzuwarten bis sich der Boden gut erwärmt hat, lohnt sich auf jeden Fall.
Tomaten, Gurken und Kürbisse, die später im Freiland wachsen sollen, können Ende März im Treibhaus gesät werden, bevor sie nach den Eisheiligen ausgepflanzt werden dürfen.

Immer der Nase nach

Eine wichtige Wildpflanze, die wir sehr schätzen, ist die Brennnessel. Brennnesselspinat, Brennnesselsuppen und Tee sind bei uns fester Bestandteil der Frühjahrsküche. Die Pflanze liebt Standorte im Gebüsch, an Zäunen, an Ödstellen und in «Unkrautgesellschaften» auf Schuttplätzen und um Häuser. Die Blätter werden jung von März bis Mai gepflückt.

Der Löwenzahn schliesslich ist auch unter den Namen Butterblume oder Saublume bekannt. Er kommt auf Fettwiesen, Weiden, Äckern und an Wegrändern vor und blüht von April bis September. Die jungen zarten Blätter verwenden wir hauptsächlich für Salate und Gemüse, die Blüten für Süssigkeiten und Tee. Eine weitere Delikatesse ist Löwenzahnhonig, der aus den Blüten, Wasser und Zucker hergestellt wird und wirklich wie Bienenhonig schmeckt.

Gartenarbeiten im März
Wer nicht in einer sehr kalten Region wohnt, kann ab der zweiten März Hälfte vorsichtig mit der Freiland-Aussaat beginnen. Wir auf knapp 1000 Metern müssen uns allerdings noch etwas in Geduld üben.
● Bereiten Sie Saatbeete vor, erwärmen Sie den Boden unter Tunneln und Frühbeeten. Jäten und harken Sie, damit der Boden locker und feinkrümelig ist und die Samen leichter keimen. Die Obstgehölze erwachen, und darum ist jetzt die letzte Gelegenheit zum Schneiden und anschliessendem Düngen und Mulchen. Wie schon erwähnt, sollen Saatbeete gut geharkt werden, Erdklumpen zerkleinert und die Erde eine feinkrümelige Struktur erhalten. Die Samen keimen nämlich am besten in einer feinkrümeligen Erde.
● Eine Düngung vor der Aussaat oder Pflanzung tut jedem Boden gut. Jetzt im März ist der Zeitpunkt dazu besonders günstig. Sie haben die Wahl zwischen organischen Düngern, tierischen oder pflanzlichen Ursprungs, wie zum Beispiel Algen, Geflügelmist oder Knochenmehl. Sie können aber auch Dünger verwenden, der aus Mineralien gewonnen wird.
● Wenn die Temperatur steigt und der Boden sich erwärmt, keimt auch das Unkraut. Mehrjährige Arten wie Ackerwinde und Quecken müssen ausgegraben werden, ja nicht kleinhacken, sonst hat man eine Quecken und Winden Invasion. Einjähriges Unkraut regelmässig hacken. Achtung: Schnecken können schon im zeitigen Frühjahr lästig werden. Fallen zu stellen und tägliche Kontrollgänge sind von grossem Nutzen.

Pure Glückseligkeit

Nach den Frühlingsspaziergängen geht es jetzt aber in den Garten. So klein ein Garten auch sein mag, er ermöglicht uns einen ständigen Kontakt zur Erde, zu lebenden Pflanzen, Insekten und Vögeln. Das Wachstum der ersten Narzissen, die durch das Gras drücken, zu beobachten, kann eine grosse Quelle der Lebensfreude sein. Glückseligkeit verspüre ich auch, wenn ich im Garten zusehen kann, wie die Sonne hinter einem knospenden Busch aufgeht. Zu spüren und zu sehen, wie die Säfte der Natur steigen und neues Leben entsteht, ist Frühlingserwachen pur.

Zur Person
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.

Fotos: fotolia.com, zvg, pizzodisevo, slowly i will recover / flickr / cc

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