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Kategorie: Leben
 Ausgabe 06 - 2011 - 01.06.2011

Text:  Philippe Welti

Der Walliser Georges Nellen macht vor, wie man Wetterprognosen auch ohne Messstationen stellen kann – mindestens so (un-)zuverlässig wie die Wissenschaft.

Meine Trefferquote liegt bei 60 bis 80 Prozent. Ein bisschen Glück gehört natürlich mit dazu», sagt Georges Nellen. Seit über 34 Jahren schaut er an seinem Wohnort Naters im Wallis täglich aus dem Fenster zu Wolken und Himmel, führt Statistik und macht Wetterprognosen. «Der Mensch vergisst schnell. Verregnete Wochenenden, die unsere Pläne durchkreuzten, bleiben uns eher in Erinnerung als schönes Wetter», stellt der Wetterfrosch fest. Im Allgemeinen macht Georges Nellen seine Wetterprognosen für den Kanton Wallis. «Richtig interpretiert lassen sich von den Wetterverhältnissen im Wallis auch Rückschlüsse für die Alpennordseite ziehen», ist Nellen überzeugt. Bei seinen Voraussagen interpretiert er die Zeichen, die ihm die Natur gibt, und er stützt sich auf seine Datenbank. Dank dieser kommt Erstaunliches an den Tag:
● In den letzten zehn Jahren wurden die Winter im Oberwallis immer kälter. Verglichen mit den klimatischen Gegebenheiten des 17. Jahrhunderts würde dies den Beginn einer neuen Eiszeit anzeigen – allerdings nur im Oberwallis. Dort am Simplon liegt der Kaltwassergletscher, der im vergangenen Jahr als einer von drei Gletschern in der Schweiz gewachsen ist, um fast fünf Meter.
● Weil für die meisten Leute mit dem Montag auch die Arbeitswoche beginnt, glauben viele, dass ausgerechnet dieser Tag der schönste ist. Das stimmt nicht: Es ist der Sonntag, der uns am meisten Schönwetter bringt.
● Eine über drei Monate lange Schönwetterperiode, wie sie zwischen Ende Dezember 2010 und Mitte April 2011 herrschte, gab es seit 1975 noch nie.
● Weisse Ostern sind nicht aussergewöhnlich. Seit 2001 war dies im Wallis bereits sechs Mal der Fall. Doch nicht nur die Statistik gibt Georges Nellen oft Recht, so hat er beispielsweise den Schneefall im letzten November im Wallis auf den Tag genau vorhergesagt.
Und darum sind nicht nur die Bergbahnen an Nellens Vorhersagen interessiert, auch das Open Air Gampel und Walliser Schulen zählen auf seine Prognosen, letztere um günstige Daten für Schulreisen und Ausflüge zu erfahren. Wo die Wissenschaft und computergesteuerte Wettermodelle nur ungenau Auskunft geben können, treffen die Prognosen des Oberwalliser Wetterstatistikers und Naturbeobachters erstaunlich oft zu.

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Vierzig Schönwettertage

Vor zehn Jahren entdeckte Nellen bei der Auswertung seiner Unterlagen nämlich eine verblüffende Gesetzmässigkeit: Wie in Deutschland ist auch in der Schweiz ein 7-Jahre-Zyklus, in dem sich das Wetter wiederholt, feststellbar. Nach dem Dreissigjährigen Krieg wurde dieser Zyklus im Jahr 1658 erstmals von Abt Moritz Knauer im Kloster Langheim im Bistum Bamberg entdeckt. Aufgrund der 7-Jahre-Wetterbeobachtungen des Abtes entstand später der «Hundertjährige Kalender».
Heute anerkennt die Wissenschaft die Existenz eines 7-Jahre-Witterungszyklus nicht mehr. Nichtsdestotrotz haben Prognosen aus dem Wallis von Georges Nellen auch schon das Interesse der Wissenschaft geweckt: Mit Meteo Schweiz pflegt er rege Beziehungen.

Mit Prognosen für den Sommer 2011 ist Georges vorsichtig. Er schliesst nicht aus, dass das Erdbeben und der Tsunami in Japan Auswirkungen auf das Klima haben könnten. Er prognostiziert, dass die Schweiz im Juli und im August über 40 Schönwettertage geniessen wird. Ein Hitzesommer sei aber nicht zu erwarten. «Die 30-Grad-Grenze dürfte im Hochsommer nur an wenigen Tagen erreicht werden. Der Sommer wird allgemein nicht sehr heiss ausfallen. Regelmässige Niederschläge sorgen für Abkühlung.» Zumindest Hobbygärtner und die Natur dürften sich über diese Wetteraussichten freuen.

Foto: fotolia.com

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