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Materialisierte Musik

Kategorie: Leben
 Ausgabe_11_2015 - 01.11.2015

Text:  Andreas Krebs

Der Architekt Linus Maeder baut nach harmonikalen Gesetzen und mit «Pyramideneffekt». So können Gebäude Heilungsprozesse unterstützen und zu Mehrwohlbefinden beitragen, ist er überzeugt. Eine Spurensuche in Kesswil.

Die Ceres Heilmittel AG im thurgauischen Kesswil stellt homöopathische und phytotherapeutische Präparate her. Deren Wirkung beruht nicht nur auf Materie, sondern auf Information. Ähnliches gilt für den Firmensitz des Heilmittelherstellers. Geplant und gebaut wurde das Haus von Linus Maeder mit biologischen Materialen und nach harmonikalen Gesetzen; das heisst, nach musikalischen Prinzipien, wie es einst die Griechen, die Begründer der modernen Harmonik, machten. Der 47-jährige Architekt nutzt zudem den sogenannten Pyramideneffekt: die wundersame, wissenschaftlich nicht nachweisbare Kraft der Pyramide. Der Pyramideneffekt soll unter anderem die Regenerationsfähigkeit und das Wohlbefinden des Menschen stärken. Von aussen sieht man nichts davon. Es sind ganz normale Gebäude, die sich gut ins Dorfbild mit seinen vielen Riegelbauten integrieren. «Das ist ja der Clou», sagt Maeder, «solche Pyramidenbauten können als Gebäude mit Zeltdächern ausgeführt werden, ohne dass man ihnen das Besondere ansieht.»

Das Haus als Wesen. Der ETH-Architekt und Autor von «Die Zahlenmatrix des Lebens» (1040 Seiten!) befasst sich seit seinem Studium mit der Wirkung von Zahlen und Geometrie auf Gebäude und ihre Bewohner. Für ihn sind Gebäude materielle Wesen, bestehend aus Gängen, Räumen, Materialien, Farben und Formen. «Gebäude sind Informationsträger», sagt er. «Richtig konstruiert, können sie Heilungsprozesse unterstützen oder generell zu mehr Wohlgefühl und damit Gesundheit führen. Man könnte Operationssäle bauen, die blutstillend wirken, oder Hallenbäder, die kein Chlor benötigen.» Die jeweilige Wirkung beruhe auf den Zahlenverhältnissen, mit denen gebaut werde, erklärt Maeder. «Denn Zahlen sind nicht nur Quantitäten, sondern auch Qualitäten, also Informationsträger. Und mit Information kann geheilt werden, das kennen wir aus der Homöopathie, Steinheilkunde oder Bachblütentherapie.»

Laut Maeder ist Materie ein Abbild geistiger Wirkprinzipien. «Die chemischen Elemente sind direkte ‹Prints› der Eigenschaften ihrer jeweiligen Ordnungszahl, das heisst ihrer Anzahl Elektronen beziehungsweise Protonen. Ein Beispiel: Die Zahl 6 ist das Prinzip von Verbindung und Trennung, Liebe und Sexualität. Der Kohlenstoff als sechstes Element ist in Form von Diamant die stärkste Verbindung auf Erden; in Form der unendlichen Kohlenstoffketten hält er unseren Körper zusammen.»

Opfer des Materialismus. Schon die Pythagoräer verstanden Zahlen nicht nur als mathematische Objekte, sondern zugleich als selbstständige Wesenheiten mit ihnen zugeschriebenen Kräften und Eigenschaften, die auf eine höhere Weisheit hinweisen. Pythagoras selbst soll sogar gesagt haben: «Gott ist Mathematiker.» Das Wissen um Mass und Zahl war vielen alten Baumeistern geläufig; bis in die Klassik hinein wurde mit musikalischen Proportionen gebaut, etwa die Akropolis in Athen, der Neptuntempel bei Neapel, die Hagia Sophia in Istanbul oder Angkor Wat in Kambodscha. Monumentalbauten, die heute noch Menschen über alle Kulturen hinweg beeindrucken und berühren. Erst als der Materialismus Einzug hielt und damit die Baurationalisierung, geriet die harmonikale Bauweise weitgehend in Vergessenheit. Im Architekturstudium wird sie fast nur noch im Zuge der Architektur-Geschichte behandelt. Dennoch hat es auch in der Schweiz bis in die Neuzeit hinein immer wieder Architekten gegeben, die sich dem Thema zugewandt haben. So schuf André Studer (1926 –2007) über 30 Gebäude nach harmonikalen Gesetzen, darunter die katholische Kirche St. Elisabeth in Kilchberg am Zürichsee und das Bildungszentrum Lassalle-Haus Bad Schönbrunn in Edlibach im Kanton Zug.

Harmonikale Bauweise
Harmonik ist ein Begriff aus der Musik und bezieht sich auf die Lehre von der Harmonie. Das Wort Harmonie bedeutet «Ebenmass», «wohltönender Zusammenklang mehrerer Töne oder Akkorde» respektive «ausgewogenes Verhältnis von Teilen zueinander». Die Griechen – Begründer unserer modernen Harmonik – fanden heraus, dass es Zusammenhänge zwischen wohlklingenden Akkorden und einfachen Zahlenverhältnissen gibt (1: 2 ist die Oktave, 2:3 die Quinte, 3 : 4 die Quarte usw.). Bereits kleine Abweichungen nehmen wir als Verstimmtheit des Instruments war. Dieses Empfinden von Harmonie ist allen Menschen gemein. Was für die Musik gilt, muss auch für die Architektur seine Richtigkeit haben, waren die Griechen überzeugt. Fortan bauten sie ihre Tempel nach musikalischen Proportionen – oder eben gemäss harmonikaler Bauweise. Auch die Natur ist voll harmonikaler Strukturen: Kristalle, Schneckenhäuser, Blüten- und Blätterformationen – bei denen auch der Goldene Schnitt und die Fibonacci-Zahlen wichtige Elemente sind (siehe «natürlich» 11-2013).

Der Pyramideneffekt. Maeder hat in Kesswil jeden einzelnen Raum nach musikalischen Proportionen gestaltet, und zwar abgestimmt auf die darin stattfindenden Tätigkeiten des Heilmittelherstellers (Mahlen, Pressen, Filtrieren und so weiter). Zudem hat er die vier Gebäude exakt nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet. «Zusammen mit den Zeltdächern entsteht so der Pyramideneffekt», erklärt er. Weil es noch keine entsprechenden Messgeräte gebe, sei der Pyramideneffekt wissenschaftlich nicht nachweisbar, empirisch sei er aber zur Genüge beschrieben worden. «Unter bestimmten Pyramidenformen bleiben Früchte länger frisch, Pflanzen keimen besser und Wein wird bekömmlicher. Blinddegustationen mit Fachleuten und Laien haben die Wirkung wiederholt bestätigt.»

Besucherinfo
Ceres Heilmittel AG, 8593 Kesswil TG, Telefon 071 466 82 82, www.ceresheilmittel.ch

Unterschied selber spüren. Die Zeltdächer der beiden Betriebsgebäude wurden mit einem Neigungswinkel von 31 Grad gebaut. Wenn man das Steigungsdreieck des Daches anschaut, findet man das Verhältnis von Kathete (der horizontalen Ausrichtung des Daches) zur Hypotenuse (das geneigte Dach) von 6 : 7. Die Sechs steht laut Maeder für das Blut und das Herz, die Sieben für Offenheit und Resistenz. «Ein Verhältnis von 6 : 7 unterstützt uns also in der Offenheit der Herzklappen und Blutkanäle. Die Betriebsgebäude wirken deshalb gegen Blutstauungen und Krampfadern», erklärt Maeder. Die 31-Grad-Pyramide fördere zudem das Miteinander und stärke das Immunsystem. Ceres-Gründerin Hildegard Kalbermatten bestätigt eine Wirkung: «Anders als im alten Firmengebäude scheinen unsere Mitarbeiter weniger schnell müde zu werden. Einige sagen, dass sie trotz langem Stehen nicht mehr unter Blutstauungen und Krampfadern leiden.» Auch viele Besucher spürten die spezielle Atmosphäre der Gebäude, so Kalbermatten. «Wir haben sämtliche Räume nach musikalischen Proportionen gestaltet, deren Prinzipien mit den Arbeitsabläufen korrelieren. Sensitive Menschen können die verschiedenen Stimmungen in diesen Räumen wahrnehmen. Ihre Leser sind herzlich eingeladen, sich bei einer Führung selbst davon zu überzeugen.» 

Literaturtipps
Linus Maeder: Die Zahlenmatrix des Lebens. Das Buch spannt einen grossen Bogen zwischen Numerologie, Chemie, Mathematik, Psychologie und Architektur. Probelesen und Buchbestellung: www.zahlenmatrix.ch

Illustration und Fotos: zvg

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