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Machen wir Zukunft!

Kategorie: Leben
 Ausgabe_10_2013 - 01.10.2013

Text:  Susanne Hochuli

Ich verstehe Sie, wenn Sie sich fragen, was Politikerinnen und Politiker überhaupt tun.

Vor allem, wenn Sie sich aufregen, weil die Polit-Kaste mal wieder irgendwelche Verbote und Vorschriften ausgeheckt hat, die Sie in Ihrem Tun und Handeln einschränken. Beim Denken haben wir es noch nicht geschafft, regulierend einzugreifen – so hoffe ich zumindest: Unsere Gedanken sind frei. Wir können nur für uns oder auch für andere denken.

Zuerst aber nochmals zu Ihrer Frage: «Was tun Politikerinnen und Politiker?» Oft dasselbe wie Sie: Zum Beispiel Badezimmerschränke ausräumen und putzen oder Bücher abstauben und neu ins Regal einordnen, staubsaugen und welke Blätter bei den Zimmerpflanzen auszupfen – und das alles nur, weil wir es im Moment überdrüssig sind, uns wieder ausdenken zu müssen, wie wir Ihr Leben einschränken und beschränken könnten.

Stellen Sie sich vor, wie anstrengend es ist, sich Jahre voraus überlegen zu müssen, wie das Zusammenleben der Menschen dann, in zehn Jahren, sein wird. Aber nötig ist es, schliesslich ist die Politik dazu da, das Miteinander von uns allen zu ermöglichen. Hannah Arendt, die bedeutende jüdisch-deutsche Philosophin, sagte: «Der Sinn von Politik ist Freiheit.» Ja, das stimmt. Die Freiheit des Einzelnen hört aber dort auf, wo sie die Freiheit der Gesellschaft, der Gemeinschaft gefährdet. Anders gesagt, vor allem wenn wir längerfristig denken: Mir als Individuum kann es nur so gut gehen, wie es der Gemeinschaft um mich herum ergeht.

Der Regierungsrat des Kantons Aargau (oft im Dilemma, vorausdenken zu müssen, und das im Wissen, dass man nie an alles erdenklich Mögliche gedacht haben kann) hat klug gedacht und gehandelt. Sein Entwicklungsleitbild 2013 bis 2022, das strategisch-politische Instrument der Exekutive, hat er unter das Motto «Menschen machen Zukunft» gestellt. Damit hat er uns alle in die Pflicht genommen. Weil Politik an sich seelen- und emotionslos ist, kann sie unser Zusammenleben zwar regeln und ordnen, aber nicht mit dem (er)füllen, was für uns alle so wichtig ist. Begegnungen, Wärme, Freude. Oder ganz banal: wahrgenommen zu werden.

Menschen machen Zukunft, sagt der Regierungsrat und er meint es ernst. Habe ich als Einzelne Zukunft, wenn es die anderen um mich herum nicht haben? Denke ich nur an mich oder auch an die anderen? Und tue ich auch etwas für sie? Einfache Dinge wie: einen Schwatz mit jemandem halten, damit er nicht vereinsamt. Mitfahrgelegenheit bieten, auch wenn ich zehn Minuten früher weg fahren muss, die Nachbarin dadurch aber dreissig Minuten Zeit gewinnt. Jemandem vorlesen, in der Gemeinde Generationenprojekte auf die Beine stellen oder die Nachbarskinder mit auf einen Ausflug nehmen. Meine Zeit einem Sterbenden schenken oder über den Gartenhag hinweg fragen, wie das Befinden heute denn ist. Sich umeinander kümmern, ist die Basis für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Und schon gestalten wir die Zukunft. Für uns als Individuum, für uns als Gemeinschaft. Das macht auch mehr Freude, als Badezimmerschränke ausräumen und putzen.

Zur Person
Susanne Hochuli, erste grüne Regierungsrätin im Aargau, ist Mutter einer 19-jährigen Tochter und wohnt mit ihr, Hund und Pferden auf ihrem Bauernhof in Reitnau.



Foto: Hartwig HKD / flickr / cc

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