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Viel Lärm um den Lärm

Kategorie: Leben
 Ausgabe 09 - 2012 - 01.09.2012

Text:  Isabelle Meier

Die Bevölkerung in der Schweiz nimmt zu – und mit ihr der Lärm. Rund 1,3 Millionen Menschen sind von starkem Lärm betroffen. Fachstellen und Ämter tun Einiges dagegen. Doch sollte nicht vergessen werden, dass man selbst auch ein Lärmerzeuger ist.

1,2 Millionen Menschen leiden unter Strassenlärm, rund 70 000 unter Eisenbahnlärm und fast ebenso viele unter Fluglärm. In der Nacht steigt die Zahl der Fluglärmgeplagten auf 95 000 Personen. Hinzu kommt Industrie- und Gewerbelärm, Schiesslärm, Baulärm, Geräte- und Maschinenlärm (zum Beispiel Laubbläser und Rasenmäher) und Partylärm. Und ein Ende der Emissionen ist nicht in Sicht: «Die Lärmbetroffenheit wird ohne Gegenmassnahmen in Zukunft zunehmen», sagt Hans Bögli, Sektionschef der Abteilung Lärmbekämpfung beim Bundesamt für Umwelt BAFU. Grund dafür seien das Bevölkerungswachstum, die Verdichtung im urbanen Raum, die Individualisierung, der Wertepluralismus und die Entwicklung hin zu einer 24-Stunden-Gesellschaft. «Die Prognosen zeigen für den Güter- und Autobahnverkehr ein überproportionales Wachstum», erklärt Bögli.

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Körper gewöhnt sich nie an Lärm

Das wirkt sich auf die Gesundheit aus: Lärm führt zu psychischer, sozialer und körperlicher Beeinträchtigung. «Grundsätzlich gilt: Je lauter und je länger, desto schädlicher ist Lärm», sagt Bögli. Im Extremfall kann Lärm einen Hörschaden verursachen, zum Beispiel einen Tinnitus.

Vor Lärm kann man oft nicht davonlaufen. Man kann sich aber davor schützen. Zum Beispiel mit Ohrstöpseln oder Kopfhörern: Sie blenden den Lärm nicht total aus, sondern filtern ihn. Sie dämpfen Geräusche und lassen Sprache oder Weckerpiepsen durchdringen. Hilfreich sind auch «Ruheinseln»: Das können der tägliche Spaziergang im Wald oder Ferien in den Bergen sein. Solche bewusst gewählte Momente der Ruhe helfen den Alltagslärm erträglicher zu machen. Auch Entspannungstechniken, zum Beispiel die Methode der progressiven Muskelentspannung, können für innere Ruhe sorgen und so den Lärm dämpfen.

Lärmschutz schon in der Planung

Auch die Behörden sind nicht untätig. Es gibt eine Vielzahl von Gesetzen und Verordnungen, die die rechtlichen Fragen bezüglich Lärm regeln. So trat im Jahr 1985 die Lärmschutzverordnung (LSV) in Kraft. Seither müssen die sogenannten Belastungsgrenzwerte eingehalten werden. Für den Strassenlärm gilt zum Beispiel tagsüber in Wohngebieten ein sogenannter Immissionsgrenzwert von 60 Dezibel, in der Nacht sind es 50 Dezibel, – gemessen am offenen Fenster, wie die Verordnung ausführt.

Zur Zeit läuft ein grossangelegtes Lärmsanierungsprojekt: Entlang von Kantonsstrassen werden überall dort, wo Immissionsgrenzwerte überschritten werden, Lärmschutzwände und -wälle angebracht sowie – wo dies nicht möglich ist, und weitere Bedingungen erfüllt sind – Schallschutzfenster in die Wohnungen eingebaut. Bei Neubauten wird die Einhaltung der Lärmgrenzwerte gleich mit in die Planung einbezogen. Daniel Aebli: «Jedes Baugesuch für einen Neubau oder Umbau, der sich in einem Problembereich befindet, geht bei uns über den Tisch.» Mit einer geschickten Anordnung der Fenster, mehr Abstand zu Strasse oder einer guten Raumanordnung kann viel Lärm im Wohn- und Schlafbereich verhindert werden. Auch raumplanerische und andere Vorhaben nimmt die Fachstelle unter die Lupe.

Und doch wird es immer lauter werden

Trotz aller Bemühungen und Massnahmen wird es in der Schweiz in Zukunft tendenziell lauter. Dabei darf man aber auch nicht vergessen: Jeder Lärmgeplagte ist selbst Lärmerzeuger. Deshalb: Fahren Sie mit ihrem Auto niedertourig, nehmen Sie öfter einmal das Velo oder den Bus und mähen Sie ihren Rasen nicht am Sonntagmorgen. Und vergessen Sie nicht, bei der nächsten Grillparty auch ihre Nachbarn einzuladen. Das erspart gehässige Worte und der Anruf bei der Polizei.

Foto: fotolia.com

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