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Aller Frauen Heil

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_09_10_2015 - 01.09.2015

Text:  Margret Madejsky

Sie lindern typische Frauenleiden und waren einst jedem Kräuterweib bekannt. Die Rede ist von Kräutern wie Beifuss, Frauenmantel oder Schafgarbe. Heute sind viele Frauenheilpflanzen gut untersucht und erobern zunehmend die Frauenarzt- und Hebammenpraxen.

Spätestens seit die «Women’s Health Study» (2002) ein erhöhtes Brustkrebs- und Thromboserisiko durch Hormonpräparate aufdeckte, suchen immer mehr Frauen nach sanften Alternativen zur schulmedizinischen Hormonersatztherapie mit Östrogenen. Aber auch viele Schwangere interessieren sich zunehmend für die Kräfte der Natur und fragen im Gebärzimmer nach Pflanzenmedizin; in den letzten Jahrzehnten konnten sich viele Kräuter ihren Platz in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe zurückerobern.

Die Wurzeln der Pflanzenheilkunde reichen zurück in die Vorzeit. Heil- und Nutzpflanzen wie etwa Hanf oder Schlafmohn begleiten den Menschen seit Jahrtausenden. Weil weltweit und zu allen Zeiten vor allem Frauen das Kräuterwissen hüteten, blicken viele Arzneipflanzen auf eine lange frauenheilkundliche Tradition zurück. Frauenkräuter wie die echte Kamille waren einst jeder Hebamme geläufig, denn mit ihr liessen sich Krampfwehen lindern, Brustentzündungen oder auch Dammrisse heilen.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein war es sogar verpflichtend, Heilpflanzen rund um die Geburt zu gebrauchen. So verlangte die «Instruction für die Hebammen im Königreich Baiern» von 1816, dass Hebammen Kamillenblüten sowie andere Mutterkräuter stets mit sich führen sollten.

Mutterkraut und Herkulessamen

Die frauenheilkundlichen Anwendungsgebiete wie auch die Kräfte vieler Pflanzen spiegeln sich bis heute in deren Beinamen wider: «Allerfrauenheil» (Frauenmantel), «Bauchwehkraut» (Schafgarbe), «Brutblatt» (Bryophyllum), «Gebärmutterwurz » (Liebstöckel), «Kindsmacher» (stinkender Storchschnabel), «Krampfkraut» (Gänsefingerkraut), «Mutterkraut » (echte Kamille) oder «Weibernessel» (weisse Taubnessel) sind nur einige Beispiele. Blättert man in den Kräuterbüchern des 16. und 17. Jahrhunderts, dann stösst man auf Hinweise wie «leget das Grimmen der Beermutter» (wirkt krampflösend), «befördert die ehelichen Werke» (weckt die Liebeslust), «befürdert die verstandene Weiberzeit» (regt den Blutfluss an) oder «fürdert die Geburt und treibet das Bälgle» (erregt die Wehen und treibt die Nachgeburt aus).

Es scheint beinahe so, als ob all diese Blumen, Kräuter und Wurzeln nur gewachsen seien, um die Bedürfnisse der Frauen zu erfüllen. Aber es gibt auch typische Männerkräuter und -pflanzen, welche meist potenzerhaltende oder vitalisierende Kräfte in sich bergen. Zum Beispiel Brennnessel, «Herkulessamen» (Kürbiskerne) oder Pastinak. Davon abgesehen heilen oder lindern all diese Kräuter auch viele weitere Leiden. So fördert die Brennnessel auch die Ausscheidung von Harnsäure, das Gänsefingerkraut lindert die Bauchkoliken der Kinder und die Schafgarbe bewährt sich zur Blutreinigung sowie zur Darmsanierung, um nur einige Beispiele zu nennen.

Thymianöl gegen Keime

Mit dem Aufkeimen der Pharmazie im 19. Jahrhundert dachte man, chemisch definierte Substanzen wie etwa Antibiotika oder Hormonpräparate seien den Heilpflanzen überlegen, unter anderem wegen der leichteren Dosierbarkeit. Auch wollte man sich von der (allmächtigen) Natur emanzipieren; es entstanden viele neue Arzneien, die sich dennoch vom pflanzlichen Vorbild ableiten. So lieferte das Salicin aus der Silberweidenrinde den Vorläufer für die schmerzlindernde und fiebersenkende Acetylsalicylsäure, bekannter als Aspirin, und die ersten hormonellen Verhütungsmittel basierten auf chemischen Abwandlungen der Inhaltsstoffe der Yamswurz.

Doch je mehr Erfahrung man mit Hormonpräparaten oder Antibiotika sammelte, umso deutlicher zeichneten sich deren Nebenwirkungen ab: Durch den häufigen Einsatz von Antibiotika zum Beispiel sind resistente Bakterienstämme wie der sogenannte «Killerkeim» Staphylokokkus aureus entstanden.

Zu den meistverordneten Arzneipflanzen in der modernen Frauenarztpraxis gehören jedoch Extrakte aus Mönchspfefferfrüchten und Silberkerzenwurzel. Erstere regulieren die Gelbkörperhormone in der zweiten Zyklushälfte, lindern prämenstruelle Beschwerden und sind bei unerfülltem Kinderwunsch hilfreich. Dagegen kommt die Silberkerze mehr ab den Wechseljahren zum Einsatz, weil sie Hitzewallungen lindert, ohne dabei die Östrogene im Blut zu erhöhen. Im Gegensatz zu schulmedizinischen Östrogenpräparaten setzen die Inhaltsstoffe der Silberkerze nicht an den körpereigenen Östrogenrezeptoren an, sondern regulieren die hormonelle Balance über die Hirnanhangsdrüse. Aus diesem Grund können sogar Frauen mit familiärer Brustkrebsbelastung die Silberkerze anwenden, ohne eine Wachstumsstimulation von unerkannten Krebszellen befürchten zu müssen.

Das Buch «Lexikon der Frauenheilkunde» von Margret Madejsky ist als Leserangebot zum Vorzugspreis erhältlich.

Sanft und zuverlässig

Egal ob Ausfluss, Blasenentzündung, übermässige Blutungen, krampfartige Regelbeschwerden, Brustspannen oder Stimmungsschwankungen vor der Regel, Myome, Unfruchtbarkeit oder Wechseljahrbeschwerden, fragt man kräuterkundige Apothekerinnen, Hebammen, Frauenärztinnen oder Naturheilpraktikerinnen, dann heisst es: Heilpflanzen wirken sanft und zuverlässig. Längst sind die Hauptinhaltsstoffe vieler Frauenkräuter identifiziert und deren Wirksamkeit durch Studien belegt. Die Pflanzenforschung konnte das Erfahrungswissen der Hebammen und Kräuterweiber vielfach bestätigen. Inzwischen sind die meisten der traditionell gebrauchten Frauenheilpflanzen so gründlich erforscht, dass mit entsprechender Kenntnis über deren Inhaltsstoffe und Heileigenschaften eine gezielte Nutzung möglich ist. Somit behält einmal mehr der berühmte Arzt, Alchimist und Medizinreformator Paracelsus recht, der einst bemerkte: «Alle Wiesen und Matten, alle Berge und Hügel sind Apotheken.» 

Die Autorin
Margret Madejsky (1966) ist Heilpraktikerin, Buchautorin und Seminarleiterin mit dem Schwerpunkt Naturheilkunde für Frauen. Sie ist Mitbegründerin von Natura Naturans (www.natura-naturans.de), der Arbeitsgemeinschaft für Traditionelle abendländische Medizin und seit 1992 in eigener Praxis tätig.

Fotos: istockphoto.com, fotolia.com

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