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Guter Start ins Leben

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 02 - 2010 - 01.02.2010

Text:  Stella Cornelius-Koch

Die Gesundheit eines Kindes lässt sich schon im Babyalter stark beeinflussen. Entscheidungen für oder gegen das Stillen, zum Impfen oder zum Umgang mit Fieber können wichtige Weichen stellen.

Das Baby ist da. Dieses Wunderwesen in seiner Kleinheit und Einzigartigkeit bringt für die Eltern einen völlig neuen Lebensabschnitt. «Die meisten Eltern haben bei der Entscheidung für ein Kind keinen Begriff davon, was es konkret heisst, dann wirklich ein Kind zu haben», sagt Susann Brun, Hebamme vom Geburtshaus Delphys in Zürich. Die Lebensumstellung ist gross, gerade auch in der ersten Zeit mit dem neuen Erdenbewohner. Es bedeutet, sich 24 Stunden, sieben Tage die Woche, Tag und Nacht und am Wochenende um das Kind zu kümmern. Brun betreut Mütter zu Hause im Wochenbett nach einer Geburtshaus- oder Klinikgeburt. Sie betont, das A und O für Mutter und Kind nach der Entbindung seien Ruhe, Zeit und Geduld.

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«Je weniger Medikamente oder technische Hilfsmittel während der Geburt eingesetzt wurden, desto weniger Komplikationen treten nach der Geburt für Mutter und Kind in der Regel auf», resümiert Brun ihre Erfahrungen. Oberflächliche Verletzungen wie Abschürfungen oder Blutergüsse, die durch eine Saugglocke oder Geburtszange entstehen können, behandelt sie mit Arnika- oder Ringelblumensalbe.

Stillen: Dem Kind Zeit lassen

Viele naturheilkundliche Arzneimittel für Neugeborene sollten vorzugsweise von der Mutter eingenommen werden. Sie werden dann mit der Muttermilch weitergegeben – ähnlich dem Nikotin, das eine Stillende beim Rauchen aufnimmt. Besteht der Eindruck einer starken geburtsbedingten Traumatisierung des Kindes, setzt die Hebamme gerne homöopathische Präparate oder auch die Notfalltropfen von Edward Bach ein. Grundsätzlich sollten Eltern aber wissen, dass Neugeborene die Belastungen einer normalen Geburt aushalten können, ohne dadurch krank zu werden.

Weiterer Beratungsbedarf besteht beim Stillen. «Die Bereitschaft zum Stillen ist bei vielen Frauen hoch. Doch das Vertrauen, dass es klappt, ist oft weniger gross», sagt Brun. Auch hier ist Geduld ein wichtiger Faktor. Die Stillenden brauchen manchmal 10 bis 14 Tage, bis sie sich den Anforderungen des Kindes und des Stillens voll angepasst haben. Zudem muss eine Mutter auch ihrem Kind Zeit lassen, den Saugreflex voll zu entfalten und sich an das Stillen zu gewöhnen. Da es keine Grossfamilien mehr gibt, in denen das Wissen durch Vorbild oder Mithelfen weitergegeben werden kann, springt heute die Hebamme ein. Sie schafft Vertrauen, beruhigt oder berät – beispielsweise, wenn die Brustwarzen der Mutter nach dem Stillen empfindlich sind oder schmerzen.

Wadenwickel gegen Fieber
Durch Wadenwickel mit körperwarmen Umschlägen wird bei Kindern mit über 40 Grad Fieber die Temperaturregulation im Körper reflektorisch verändert und das hohe Fieber gesenkt. Wadenwickel wie auch Auflagen und Kompressen sind gute naturheilkundliche Möglichkeiten, schnell und wirksam einzugreifen oder den Krankheitsprozess lindernd zu unterstützen. Für Wickel werden Leinentücher und Wolldecken benötigt. Die Anleitung dazu findet sich in verschiedenen Fachbüchern oder Anleitungen. Das Dabeibleiben und Beobachten des Kindes ist unbedingt nötig. Hinweis: Fieberkrämpfe sind unschädlich, führen nicht zu späteren Krampferkrankungen und brauchen nicht behandelt zu werden.

Vegetarische Beikost

Susann Brun streicht die Wichtigkeit des Stillens in ihren Beratungsgesprächen heraus: «Es ist für das gesunde Aufwachsen des Säuglings unverzichtbar.» Die Muttermilch enthält neben der optimalen Nährstoffzusammensetzung viele wichtige Antikörper zum Schutz vor Infektionen. Wissenschaftlich ist nachgewiesen, dass gestillte Kinder im späteren Leben zum Beispiel weniger Allergien bekommen als ungestillte. Die körperliche Nähe während des Stillens ist zudem bedeutsam für die emotionale und psychosoziale Entwicklung des Kindes. Die Stillberatungsorganisation «La Leche League Schweiz» empfiehlt mindestens sechs Monate zu stillen. Auch danach sollte neben einer angemessenen Beikost bis zum zweiten Lebensjahr weiter gestillt werden. Die Beikost sollte idealerweise ausschliesslich aus vegetarischer Nahrung bestehen. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Beifütterung mit tierischen Eiweissen, vor allem aus Kuhmilch und angeblich angepassten Kuhmilchprodukten (adaptierte Säuglingsnahrung), vermieden werden sollte.

Heilsames Fieber

Nach der Geburt setzt sich der kindliche Organismus zunehmend mit seiner Umwelt auseinander. Und diese wird – von der Anzahl der Lebewesen her – von Bakterien und Viren dominiert. Die Schleimhäute des Verdauungstraktes oder die Haut sind ein häufiger Übungsplatz, auf dem das kindliche Immunsystem mithilfe der jeweiligen Erreger seine Fähigkeiten mehr und mehr trainiert – und deshalb irgendwann nicht mehr auf die Antikörper der Mutter angewiesen ist.

Die mütterlichen Antikörper in der Muttermilch schützen gestillte Babys anfangs zwar vor vielen Infektionserregern. Gewisse Infekte, wie zum Beispiel durch Schnupfenviren verursachte, müssen sie aber dennoch durchmachen. Eines der häufigsten Symptome solcher Infekte ist Fieber. «Bei Infektionskrankheiten mit bis auf 40 Grad Celsius und höher ansteigendem Fieber sind Eltern oft verunsichert oder überfordert», sagt Susann Brun. Sie müssten zunächst die Erfahrung machen, dass das Fieber manchmal genauso schnell wieder absinken könne.

«Leider greifen viele Eltern zu schnell zu Fieberzäpfchen oder lassen sich von Ärzten Antibiotika verschreiben», bedauert auch Friedemann Garvelmann. Der Heilpraktiker aus Küssaberg-Kardelburg versucht Eltern von der Wichtigkeit des Fiebers zu überzeugen: «Fieber ist natürlicher Teil der Auseinandersetzung des Körpers mit Mikroorganismen, wird dieser Teil des Heilungsvorganges unterdrückt, kann auch die Heilung selbst verhindert beziehungsweise verlangsamt werden.»



Keine Eile beim Impfen

Nach seiner Auffassung und Erfahrung sind die ersten zwei Jahre grundlegend für die gesundheitliche Entwicklung des Kindes. Deshalb setzt er sich für jede natürliche Form der Fieberunterstützung ein. «Wissen ist wichtig», sagt er. «Wenn Eltern den Sinn natürlicher Abläufe verstehen, können sie die Erkrankungen der Kinder mit den damit verbundenen Schwierigkeiten besser mittragen. Sie brauchen dann das Fieber nicht mehr als Bedrohung zu empfinden, die schnell unter Kontrolle gebracht werden muss.»

Ebenso häufig diskutiert Garvelmann mit den Eltern das Impfen. Auch bei diesem Thema sollten sich diese ausführlich informieren. Mehrfachimpfungen in Kombination mit einer möglichen schwächlichkränklichen kindlichen Konstitution vergleicht der Heilpraktiker damit, eine brennende Zigarette in einen trockenen Wald zu werfen: «Es kann zu einem Waldbrand in Form einer Allergie oder chronischen Erkrankung kommen.» Für ihn steht fest, dass Eltern sich die ersten zwei Jahre Zeit lassen können und dann überlegen, welchen Gefahren die Kinder wirklich ausgesetzt sein werden.

Literatur
• Susanne Alber-Jansohn und Friedemann Garvelmann: «Naturheilkunde für Kinder. Ein Praxisbuch für Eltern, Therapeuten und Ärzte», AT Verlag 2009, Fr. 39.90. (Das Buch finden Sie unter den Leserangeboten zum Vorzugspreis.)
Mehr zum Thema Babys und Kinder bietet Ihnen die Webseite der Zeitschrift «Wir Eltern» unter www.wireltern.ch

Fotos: fotolia.com

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