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Liebe und der Himmel auf Erden

Kategorie: Gesundheit, Leben
 Ausgabe_03_20 - 26.03.2020

Text:  Leila Dregger

«Liebe ist das Erleben des anderen in der eigenen Seele», schrieb Rudolf Steiner. Für mich ist dies eine der schönsten Aussagen, die ich über die Liebe gehört habe.

@ iStock.com

Ja, dafür leben wir! Diese völlige Öffnung für einen anderen Menschen – um die zu finden, reisen wir um die ganze Welt. Aber was geschieht da? Wann erleben wir einen anderen Menschen tatsächlich in unserer Seele? 

Es sind oft stille Momente, fernab des Alltags, wo wir solches erleben, zum Beispiel unter dem Sternenhimmel oder auf einem Berggipfel. Die geliebte Person muss dafür nicht unbedingt anwesend sein. Allein der Gedanke an sie, an ihre Stimme, ihren Gang, ihren Blick «erinnert» uns, dringt in unser Inneres, erzeugt ein Glühen, eine Süsse, ein Verlangen der Seele. Ich habe einen bärenstarken Kerl erlebt, der schluchzend sein Auto rechts ran fuhr, weil ihn die Stimme einer Sängerin im Radio so tief berührt hatte.

Das ist Liebe? Oh ja! Das ist ein Aspekt der Liebe. Wir haben in solch einem Moment die Schönheit eines anderen Menschen wirklich gesehen. Und vor dieser Schönheit stehen wir oft hilflos da. Wir möchten ihr irgendwie dienen, ihr nah sein. Denn wir haben in ihr den Himmel entdeckt. Den Himmel auf Erden. Und dann ist dieser Himmel wieder weg. Ganz plötzlich hat uns die Erde wieder. Wir sind wieder «vernünftig» und sagen: Ich war blind vor Liebe. Ich habe gar nicht gesehen, wer dieser Mensch wirklich ist. Wie langweilig, alltäglich, normal. Ich habe projiziert, aber jetzt bin ich wieder vernünftig.

All denen, die so denken, möchte ich zurufen: Nein, ihr wart nicht blind! Ihr wart zum ersten Mal sehend. Mit den Augen der Liebe habt ihr beim anderen die Wahrheit gesehen. Alle anderen sind blind, aber nicht die Liebenden. Mit den Augen der Liebe sehen wir den Menschen wirklich – jenseits von all den Kompromissen, Enttäuschungen oder sonstigen Verkrümmungen, die wir alle in diesem unperfekten Leben durchlaufen haben. Mit den Augen der Liebe sehen wir an- und ineinander einen Himmel, den es tatsächlich gibt. Doch wir haben nicht gelernt, in diesem Himmel zu leben. Wir haben nicht gelernt, ihn auf die Erde zu holen.

Himmlische Momente der Liebe sind ein Geschenk. Auch in den allerbesten Beziehungen sind sie nicht von Dauer. Und dann kommt unsere eigentliche Aufgabe: Dem, was wir mit den Augen der Liebe gesehen haben, treu zu bleiben. Auch wenn der oder die Geliebte mit mir streitet, vorwurfsvoll, alltäglich, gewöhnlich oder dumm ist. Es gilt: die eigentliche Schönheit, die wir einmal im Anderen gesehen haben, im eigenen Inneren zu bewahren und immer wieder zu erinnern und wecken. Das ist für mich die zweite Stufe der Liebe. Sie besteht in den tausend kleinen, täglichen Entscheidungen, in Gesprächen, in der Versöhnung, im Neuanfang und darin, etwas von Herzen für den anderen zu tun, ohne jegliche Erwartung.

Die Sehnsucht nach den Himmelsmomenten aber bleibt. Was können wir dafür tun? Mein Vorschlag: Üben wir es. Heute. Und morgen. So viel und so oft wir können. Wo immer wir können, mit jedem, der uns vor die Nase kommt. Es kann die Busfahrerin sein, die wir nicht mehr nur als Ausübende einer Funktion wahrnehmen, sondern als Frau, als liebenswürdiger Mensch. Oder die Kollegen, den Kellner, die Frau, die mir gerade den Parkplatz vor der Nase weggeschnappt hat. Oder auch der langjährige Partner. Jeder einzelne Mensch trägt diese Schönheit in sich, die nur mit den Augen der Liebe sichtbar wird. Entdecken Sie diese Schönheit! Wenn es beim Kellner nicht gelingt, versuchen Sie es bei der Busfahrerin. Und stellen Sie sich für einen Moment vor, wie die Welt aussehen würde, wenn sich alle Menschen gegenseitig so wahrnehmen. Arbeiten wir daran! Damit wir endlich den Himmel auf Erden verwirklichen.



Leila Dregger
ist Journalistin und Buchautorin (u.a. «Frau-Sein allein genügt nicht», Edition Zeitpunkt). Sie begeistert sich für gemeinschaftliche Lebensformen und lebt seit 16 Jahren in Tamera, Portugal, wo sie beim Verlag Meiga und der Globalen Liebesschule mitarbeitet.

Fotos: iStock.com | ZVG

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