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Ausbildung in der Naturheilkunde

Kategorie: Gesundheit

Text:  Fabrice Müller

Naturheilpraktiker und Komplementärtherapeuten übernehmen künftig eine noch wichtigere Rolle im Gesundheitssystem, ist Laurent Berset, Generalsekretär der Schweizerischen Stiftung für Komplementärmedizin ASCA, überzeugt. Ein Gespräch über Chancen und Herausforderungen für Patienten und Therapeuten.

@ iStock.com

Herr Berset, welches ist Ihre Lieblingsmethode in der Komplementärmedizin?

Ich gehe schon seit Jahren regelmässig in die Massage. Sie hilft mir, wenn mein Rücken wieder mal verspannt ist und schmerzt. Ansonsten setze ich – je nach Symptom – gerne auf verschiedene Methoden der Komplementärmedizin.

Vor zehn Jahren haben Volk und Stände der Volksinitiative «Ja zur Komplementärmedizin!» zugestimmt. Sie sieht unter anderem die Förderung der komplementärmedizinischen Berufe im Gesundheitssystem sowie deren Integration in der Forschung vor. Wie beliebt und verbreitet sind die Methoden der Komplementärmedizin in der Schweizer Bevölkerung heute?

Wir haben 2013 eine schweizweite Umfrage zur Verbreitung der Komplementärmedizin durchgeführt. Darin gaben 60 Prozent der Bevölkerung an, regelmässig die Behandlungen der Komplementärmedizin zu nutzen. Ich rechne damit, dass sich der Anteil inzwischen noch vergrössert hat.

Wie attraktiv ist die Komplementärmedizin als Berufsfeld?

Die Berufe in der Komplementärmedizin sind im ständigen Wandel. Seit 2015 kennen wir bekanntlich die eidgenössische Anerkennung der beiden Berufe Naturheilpraktiker/-in und Komplementärtherapeut/-in. Jedes Jahr anerkennen wir als Stiftung zwischen zwei und vier neue Methoden aus der Komplementärmedizin. Kürzlich haben wir zum Beispiel die hawaiianische LomiLomi-Massage definitiv aufgenommen. So gibt es mittlerweile über 150 verschiedene Methoden, die von uns anerkannt werden. In diesem Sinne bietet die Komplementärmedizin ein vielfältiges und attraktives Berufsfeld, das vonseiten der Patientinnen und Patienten auf grosse Nachfrage stösst.

Welche Bedeutung hat die Anerkennung einer Methode durch die ASCA?

Wir haben das Ziel, die Inhalte und den Ausbildungsstandard einer Methode zu definieren. Die ASCA-Anerkennung ist in erster Linie ein Qualitätslabel nicht nur für die Krankenversicherer, sondern vor allem auch für die Patienten. Wer eine neue Therapieform sucht, sollte sich nach dem ASCA-Label richten. Dieses stellt sicher, dass die Therapeutin oder der Therapeut in der entsprechenden Methode gut ausgebildet ist und über ein schulmedizinisches Grundwissen verfügt. Ein Akupunkteur ohne ASCA-Label beispielsweise könnte bereits nach einer zweitägigen Ausbildung Behandlungen anbieten. Unsere Ausbildungsanforderungen hingegen verlangen mehr als tausend Unterrichtsstunden und schreiben eine jährliche Weiterbildung vor. In diesem Rahmen spielt die Stiftung ASCA eine wichtige Rolle für die öffentliche Gesundheit ebenso wie für den Ausbildungsbereich. Die ASCAakkreditierten Schulen, von denen es hierzulande mehr als 350 gibt, müssen sich an diese Anforderungen halten, damit ihre Studierenden nach Ausbildungsabschluss von uns anerkannt werden.

Welche Kriterien müssen die Methoden erfüllen, um von der ASCA zugelassen zu werden?

Wir erwarten eine Definition der Methode mit Beschreibungen der Ausbildungsinhalte, -konzepte und -philosophie. Dabei setzen wir hohe Massstäbe bei der Ausbildung, die über eine gewisse Mindestdauer und besondere Qualitätsmerkmale verfügen muss. Ausserdem braucht es eine Mindestanzahl an Therapeutinnen und Therapeuten, die diese Methode überhaupt in der Schweiz praktizieren, und mindestens ein Ausbildungszentrum. Weiter muss sich die neue Methode genügend von bereits existierenden Therapien abgrenzen. Wenn diese formellen Kriterien erfüllt sind, muss die Wirksamkeit noch anhand von Fallstudien nachgewiesen werden. Dieses ganze Verfahren kann Jahre dauern.

Seit dem Ja zur Komplementärmedizin hat sich gerade auch im Ausbildungs- und Berufsbereich vieles getan. Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Meilensteine?

Die eidgenössische Anerkennung der Berufsbilder Komplementärtherapeut/-in und Naturheilpraktiker/-in und die daraus folgenden ersten eidgenössischen Diplome der Komplementärmedizin seit 2015 waren ein grosser Schritt. Von den rund 150 verschiedenen Therapien bzw. Ausbildungen sind derzeit ca. 25 Abschlüsse eidgenössisch anerkannt. Diese decken allerdings nicht die grosse Nachfrage vonseiten der Patienten ab. Hier besteht sicher noch ein weiter Weg. Schliesslich waren die Integration der komplementärmedizinischen Methoden Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin, Phytotherapie, Neuraltherapie und Anthroposophische Medizin in der Grundversicherung ebenfalls wichtige Schritte.

Der Weg zur Anerkennung der Komplementärmedizin und ihrer Berufe war lang und steinig. Welches waren bzw. sind die grössten Herausforderungen und Hindernisse?

Obwohl die Komplementärmedizin schon lange sehr beliebt ist, waren viele Ärzte skeptisch und kritisch gegenüber diesen «neuen» Therapien, und zum Teil sind sie das heute noch. Mittlerweile fürchtet der Patient jedoch nicht mehr oder viel weniger als früher, seinem Arzt mitzuteilen, dass er sich auch mit Komplementärmedizin behandeln lässt. Auf dem Weg zu den eidgenössischen Diplomen war es schwierig, einen Konsens unter den verschiedenen Berufsverbänden und Therapierichtungen zu finden.

Welche Rolle spielt dabei der Kantönligeist? Hier soll es ja aufgrund der unterschiedlichen kantonalen Gesundheitsgesetze gewisse Probleme bei der Harmonisierung von Zulassungsbestimmungen geben.

Ja, das stimmt. Die beiden Organisationen der Arbeitswelt (OdA) der Berufe Komplementärtherapeut/-in und Naturheilpraktiker/-in beispielsweise führen mit den Gesundheitsdirektionen der 26 Kantone Verhandlungen, damit die vom Bund anerkannten Berufe auch von den Kantonen die Berufsbewilligung erhalten. Jeder Kanton verfügt über seine eigenen Gesundheitsgesetze und entscheidet selber, ob und wie er die Berufe zulassen will. In den Gesundheitsgesetzen gilt folgendes Prinzip: Solange die Therapie nicht verboten ist oder eine Bewilligung nicht verlangt wird, kann sie frei ausgeübt werden. Bis heute konnten die ASCA-Therapeuten normalerweise ohne Hindernisse ihre Tätigkeit ausüben. Gewisse Kantone stützten sich sogar auf die ASCA-Anerkennung, um eine Bewilligung zu erteilen. Durch die Gesetzesänderungen könnte der Marktzugang neuer oder bereits tätiger Therapeuten ohne eidgenössisches Diplom erschwert werden. Hier braucht es aufseiten der Kantone noch gewisse gesetzliche Anpassungen, um den Marktzugang der Therapeuten zu ermöglichen. Wir achten darauf, dass gut ausgebildeten Berufsleuten mit langjähriger Erfahrung der Marktzugang dadurch nicht erschwert oder gar verschlossen wird.

ASCA

Die schweizerische Stiftung
für Komplementärmedizin ASCA mit Sitz in Genf wurde am 21. April 1991 von Fachspezialisten der Krankenversicherungen und Gesundheitspraktikern gegründet. Sie ist eine unabhängige, neutrale Non-ProfitOrganisation, die unter Bundesaufsicht (EDI) steht. Die Stiftung ASCA fördert die Berufsethik unter der Berücksichtigung der Interessen einzelner Gesundheitspraktiker.
www.asca.ch 

Noch offen ist ja auch die engere Zusammenarbeit der Komplementärmedizin mit der Forschung und den Spitälern, wie es im Verfassungsartikel vorgesehen ist. Wann darf hier mit Fortschritten gerechnet werden?

Einige Universitäten wie Lausanne, Bern, Zürich und neu auch Basel betreiben mittlerweile einen Lehrstuhl für Komplementärmedizin. Die ASCA führte diesen Oktober in Zusammenarbeit mit Swiss Medical Networks einen Kongress mit 50 Workshops für Ärzte und Fachpersonen aus dem Gesundheitswesen durch, die sich für Komplementärmedizin interessieren. Das Echo war erfreulich gross. Trotzdem darf dies natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Integration der Komplementärmedizin in der Forschung noch in den Kinderschuhen steckt. Es fehlt ihr der akademische Überbau. Die OdA-Alternativmedizin zum Beispiel lancierte ein Projekt zur Förderung der Interdisziplinarität zwischen Alternativ- und Schulmedizin. Auf der Ebene der Spitäler verläuft die Integration komplementärmedizinischer Leistungen zwar ebenfalls noch zaghaft, doch wir stellen ein steigendes Interesse an einer Zusammenarbeit fest.

Wie sehen Sie die Zukunft der Komplementärmedizin und ihrer Berufe?

Die Komplementärmedizin ist keine Modeerscheinung, sondern entspricht seit über 20 Jahren einem wachsenden Bedürfnis der Bevölkerung. In diesem Sinne bin ich überzeugt, dass die komplementärmedizinischen Berufe in Zukunft zu einem noch wichtigeren Bestandteil des Gesundheitssystems werden.

Eidgenössisch anerkannt

Folgende zwei Berufsbilder der Komplementärmedizin schliessen mit einer höheren Fachprüfung ab, deren Diplome eidgenössisch anerkannt sind:

Naturheilpraktiker/-in
Der Beruf
der Naturheilpraktikerin und des Naturheilpraktikers hat in der Schweiz eine lange Tradition und ist ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsversorgung. Heute sind rund 2500 Naturheilpraktiker und Naturheilpraktikerinnen in allen Kantonen tätig. Die Naturheilpraktikerin mit eidgenössischem Diplom ist eine Fachperson des Gesundheitswesens, die basierend auf einem alternativmedizinischen Gesamtsystem Menschen bei gesundheitlichen Störungen behandelt, berät, begleitet und unterstützt.
www.oda-am.ch 

Komplementär Therapeut/-in
Die eidgenössisch
diplomierte KomplementärTherapeutin unterstützt methodenspezifisch über interaktive, körperund prozesszentrierte Arbeitsweisen die Selbstregulierungskräfte beim Menschen, fördert gezielt seine Selbstwahrnehmung und verhilft ihm zu nachhaltig wirksamen, ressourcen- und kompetenzorientierten Genesungsprozessen. Der KomplementärTherapeut fördert ganzheitlich die Genesung von Menschen mit Beschwerden, Befindlichkeits- und Leistungsbeeinträchtigungen und Erkrankungen sowie die Genesung von Menschen in der Rehabilitation.
www.oda-kt.ch 

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