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Wann beginnt Demenz

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_12_19 - 06.08.2019

Text:  Sabine Hurni

Wie heisst schon wieder der Vater von Maria?!» «Leon, glaube ich. Und seine Mutter heisst Erika, oder?»

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Solche Wiederauffrischungsgespräche führen wir in der Regel auf dem Weg zu einem Fest oder Anlass. Dort merken wir meistens: den anderen geht es genauso. Gerade mit Namen haben viele ihre liebe Mühe. Oft hilft es, wenn man beim sich Vorstellen dem Gegenüber in die Augen schaut, den Namen wiederholt und ihn sich wenn nötig buchstabieren lässt. Ein guter Trick sind Eselsbrücken als Gedächtnisstütze.

Das Vergessen von Namen ist indes kein Grund zur Sorge. Namen sind evolutionstechnisch schlicht nicht wichtig. Es handelt sich dabei vielmehr um eine abstrakte Erfindung der Zivilisation. Und doch hinterlässt das Vergessen von Namen bei älteren Erwachsenen eine diffuse Angst. Denn für die meisten Menschen gibt es nichts Schlimmeres als die Vorstellung, das Gedächtnis zu verlieren – und dadurch die Kontrolle über das eigene Leben. Die Angst, nicht mehr selbstständig leben zu können, wiegt oft schwerer als das Vergessen selber. Es scheint mir deshalb wichtig, dass Freunde und Angehörige eines Menschen, der an Demenz zu erkranken beginnt, nicht in diesen Kreislauf der Angst einsteigen. Viel wichtiger ist es, dem Betroffenen unterstützend zur Seite zu stehen. Ihn auch mal ablenken, mit ihm das Hier und Jetzt geniessen und zwischendurch verrückte Dinge tun. Was ja generell gut tut, auch den Gesunden.

Über hundert Formen von Demenz unterscheidet man. Eine davon ist die Alzheimer-Krankheit (Morbus Alzheimer). Lange war man überzeugt, dass die Ursache der Alzheimer-Krankheit auf Eiweissablagerungen in den Blutgefässen des Gehirns beruht; inzwischen stellten die Forscher bei Obduktionen fest, dass auch kerngesunde, geistig fitte Senioren solche Ablagerungen haben. Eine neuere These beruht auf einem Energiemangel des Gehirns, der viel mit der Zuckerkrankheit Diabetes gemein hat. Das würde bedeuten, dass am Anfang einer Demenzerkrankung eine Entgleisung des Zucker- und Insulinstoffwechsels im Gehirn steht.

Beim Konsum von Zucker und kohlenhydratreichen Nahrungsmitteln schnellt der Blutzucker in die Höhe. Mit Hilfe von Insulin verwandelt sich die Glukose in Energie, die der Körper zum Überleben braucht. Dadurch sinkt gleichzeitig der Blutzuckerspiegel. Fehlt das Insulin, bleibt die Glukose im Blut und kann nicht in Energie umgewandelt werden. So ist das bei Diabetikern, die Insulin spritzen müssen. Nun wurde festgestellt, dass bei Demenz-Patienten aus noch ungeklärten Gründen die Umwandlung von Zucker in Energie im Gehirn nicht gewährleistet ist. Dadurch erhalten die Nervenzellen der Hirnregion zu wenig Energie.

Aus diesem Dilemma führen zwei Wege: Entweder man führt dem Gehirn über einen Nasenspray Insulin zu; oder man versorgt das Gehirn mit der dem Zucker verwandten Galaktose. Im Gegensatz zur Glukose gelangt die reine Galaktose ohne den Botenstoff Insulin ins Innere der Hirnzellen. Dort wird sie mithilfe von Enzymen in Glukose umgewandelt, sodass sie für die Energiegewinnung und die Nervenleitung wieder zur Verfügung steht. Die Erfahrung und kleinere Studien haben gezeigt, dass der Verlauf von Demenzerkrankungen durch eine Langzeittherapie mit Galaktose zum Teil gestoppt oder gar verbessert werden konnte. Dazu nimmt man bei ersten Anzeichen einer beginnenden Demenzerkrankung dreimal täglich rund vier Gramm D-Galaktose ein. Die Einnahme sollte 90 Minuten vor oder nach einer Mahlzeit erfolgen, da sich der Insulinspiegel zu diesen Zeiten im Ruhezustand befindet, was die Wirkung verbessert.

Was wir aber nicht vergessen sollten, ist die Tatsache, dass nicht alles, was nach einer Demenz aussieht, auch wirklich eine Demenz-Erkrankung ist. Auch toxische Schädigungen durch Schwermetallbelastungen oder zahlreiche andere Erkrankungen können sich durch Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit, Halluzinationen und Konzentrationsschwierigkeiten äussern. Sehr häufig stecken sogar Nebenwirkungen von Arzneimitteln dahinter, wie Cornelia Stolze in ihren zwei empfehlenswerten Büchern «Verdacht Demenz» und «Vergiss Alzheimer» erläutert. Laut Stolze gibt es mehr als 130 Medikamente, die demenzähnliche Symptome hervorrufen können. Darunter herkömmliche Blutdrucksenker, Magensäureblocker, Schmerzmittel, Cholesterinsenker und Schlafmittel. Diese Tatsache wird von den Ärzten leider häufig übersehen.

Das Beste, was Sie für Ihr Hirn tun können, ist also, wenn irgendwie möglich, auf die langfristige Einnahme von Medikamenten zu verzichten oder zumindest die Dosis ihrem Alter, Gewicht und Geschlecht anzupassen. Es kann doch nicht sein, dass eine zierliche Frau die gleiche Dosis eines Cholesterinsenkers einnimmt wie ihr doppelt so schwerer Mann!

Für das Gehirn auch sehr wichtig ist, dass Sie soziale Kontakte pflegen und sich geistig fordern, genügend bewegen und gesund ernähren. Gutes Hirnfutter sind Vitamin B12 und die Omega-3-Fettsäuren mit einem hohen Anteil an DHA, wie sie in Lein-, Fisch- oder Rapsöl vorkommen. Das Vitamin B12 ist verantwortlich für die Nervenreizübertragung und kommt in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Eiern und Käse vor. Damit diese Lebensmittel gut verdaut und die Nährstoffe optimal aufgenommen werden können, ist es wichtig, sie über Mittag in Form einer warmen Mahlzeit einzunehmen. Die Omega-3-Fettsäuren wirken auf die Zellwände und sorgen dafür, dass diese elastisch und durchlässig bleiben für den Austausch aller wichtigen Nährstoffe. Generell wird die mediterrane Kost mit viel (bitterem) Gemüse, wenig Fleisch, pflanzlichen Eiweissen und qualitativ gutem Olivenöl empfohlen. Gegessen wird am besten in guter Gesellschaft. Soziale Kontakte sind gut für das Gehirn, weil man Gespräche führt, gemeinsam lacht, seine eigenen Sorgen vorübergehend vergisst und Unerwartetes erlebt.

Und eines ist sicher: Den Namen eines Menschen, mit dem man sich ausgetauscht oder von Herzen gelacht hat, vergisst man meist nicht mehr so schnell.

Hoffnung | Durch eine Langzeittherapie mit Galaktose kann der Verlauf von Demenzerkrankungen gestoppt werden.



* Sabine Hurni
ist dipl. Drogistin HF und Naturheilpraktikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Lu-Jong-Kurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Functional Food auseinander.

 Fotos: iStock.com | sebastiano bucca

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