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Heilen mit Diplom

Kategorie: Gesundheit

Text:  Regula Heinzelmann

Im Bereich der Naturmedizin hat man die Wahl zwischen diversen Ausbildungen, die mit einer Höheren Fachprüfung abgeschlossen werden. Damit kann man selbstständig eine Praxis führen und die Behandlungen werden normalerweise von den Krankenkassen anerkannt. Doch welche Ausbildung passt zu wem?

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2015, nach einem 15-jährigen Reglementierungsprozess, hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) die Prüfungsordnung zur Höheren Fachprüfung für Naturheilpraktiker genehmigt. Das war ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Stärkung der nichtärztlichen Alternativmedizin. Erarbeitet wurden das eidgenössische Berufsbild und die Höhere Fachprüfung von der Organisation der Arbeitswelt Alternativmedizin Schweiz OdA AM, einem Zusammenschluss von Berufs- und Schulverbänden sowie anderen Organisationen der Alternativmedizin. Heute ist OdA AM der Dachverband von elf Berufsverbänden in der Alternativmedizin.

Bei der Ausbildung zum Naturheilpraktiker kann man zwischen vier spezifischen Fachrichtungen wählen: Ayurveda-Medizin, Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin TCM und Traditionelle Europäische Naturheilkunde TEN. Abgeschlossen wird die Ausbildung mit einer Höheren Fachprüfung. Diese können auch Leute absolvieren, die bereits praktizieren. Mit der Fachprüfung kann man eine eigene Praxis betreiben oder als Angestellte in Kliniken, Ambulatorien, Kompetenz- oder Reha-Zentren arbeiten.

Von Heileurythmie bis Biodynamik
Ein weiterer Titel, den man mit der Höheren Fachprüfung erwerben kann, ist «KomplementärTherapeut/in mit eidgenössischem Diplom». Gemäss OdA KT sind verschiedene Methoden der Komplementärtherapie anerkannt und in die Prüfungsordnung aufgenommen, so zum Beispiel Ayurveda, Akupunktur, Heileurythmie, Reflexzonentherapie, Bewegungs- und Körpertherapie und Biodynamik.

Die formale Ausbildung KomplementärTherapie mit ihrer kompetenzorientierten Schulabschlussprüfung gemäss Berufsbild KT erfolgt im Rahmen von OdA KT-akkreditierten Ausbildungen; die Schulen findet man auf der Webseite www.oda-kt.ch. Diese spezifische Ausbildung ist eine Zulassungsbedingung zur Höheren Fachprüfung für KomplementärTherapeutInnen.

Praktizierende, die keine entsprechende Ausbildung absolviert haben, aber über andere Ausbildungen im Rahmen der Komplementärmedizin verfügen, können mit einem sogenannten «Gleichwertigkeitsverfahren Branchenzertifikat OdA KT» nachweisen, dass ihre Bildung einer OdA KT-akkreditierten Ausbildung in KomplementärTherapie entspricht. Die Anmeldung zum Gleichwertigkeitsverfahren Branchenzertifikat setzt eine Ausbildung in einer anerkannten Methode voraus.

Recht und Kosten 
Bei vielen Instituten muss man sich direkt erkundigen, was eine Ausbildung kostet. Nicht alle Schulen informieren auf der Website über Kosten und Zeitaufwand. 
Die Swiss Prävensana Akademie tut dies:

● Dipl. Naturheilpraktiker/-in (3 Jahre) Zeitaufwand: 1880 Std.; Kosten: Fr. 42 000.– 
● Dipl. Naturheilpraktiker/-in (4 Jahre) Zeitaufwand: 2090 Std.; Kosten: Fr. 48 500.–

Die Preise beziehen sich häufig auf bestimmte Kurseinheiten; Folgekurse werden teilweise extra berechnet. Die Gesamtkosten sollten überall ähnlich sein (siehe Interview). Wo sie höher sind, sollte die Schule eine einleuchtende Begründung dafür liefern.

Ein Vertrag über Weiterbildung gilt laut Bundesgericht als gemischter Vertrag, auf den hauptsächlich die Regeln des Auftragsrechts (OR Art. 394 ff.) anzuwenden sind. Nach OR Art. 404 können beide Parteien einen Auftrag kündigen, sofern sie dies nicht zur Unzeit machen. Dieses Recht kann vertraglich nicht eingeschränkt werden. Wer eine Ausbildung vorzeitig abbricht, muss mindestens die bezogenen Leistungen bezahlen. Bei einer Weiterbildung gilt laut Bundesgericht die Auflösung des Auftragsverhältnisses durch den Teilnehmer mitten im Semester grundsätzlich als unzeitig, wenn der Veranstalter keinen Anlass zum Abbruch gegeben hat. Das bezahlte Schulgeld könne man in diesem Fall als wirksame Konventionalstrafe betrachten. Der Beauftragte, also der Weiterbildungsanbieter, haftet für die gleiche Sorgfalt wie der Arbeitnehmer im Arbeitsverhältnis (OR Art. 398).

Finanzielle Unterstützung vom Bund 
Seit Januar 2018 kann der Bund Absolvierende von Kursen, die sich auf eine eidgenössische Prüfung vorbereiten, finanziell unterstützen. Diese Finanzierung wird über ein Onlineportal abgewickelt. Bundesbeiträge können für alle vorbereitenden Kurse beantragt werden, die im Jahr des Kursbeginns auf der Meldeliste stehen.

Gefördert werden im Bereich Naturheilpraxis folgende Ausbildungen:

● Naturheilpraktiker mit eidg. Diplom, Traditionelle Europäische Naturheilkunde TEN
● Naturheilpraktiker mit eidg. Diplom, Homöopathie 
● Naturheilpraktiker mit eidg. Diplom, Traditionelle Chinesische Medizin TCM 
● Naturheilpraktiker mit eidg. Diplom, Ayurveda-Medizin 
 Medizinischer Masseur mit eidgenössischem Fachausweis 
● KomplementärTherapeut mit eidgenössischem Diplom

Man kann sich bei der Schule erkundigen, ob sie die Bundesbeiträge für Ausbildungen mit eidg. Diplom vorfinanzieren (so wie z. B. die Heilpraktikerschule Luzern) und wenn ja, zu welchen Bedingungen.

Anerkennung der Krankenkassen 
Wichtig für Therapeuten aller Art ist die Anerkennung durch die Krankenkassen. Es ist sehr zu empfehlen, bei der Wahl der Ausbildung darauf zu achten. Dabei hilft die Organisation EMR weiter, eine Abteilung der Eskamed AG, eine privatrechtliche Aktiengesellschaft. EMR vergibt ein Qualitätslabel an Therapeuten der Erfahrungsmedizin, die sämtliche Bedingungen des EMR-Reglements erfüllen.

Nach Verordnung des Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) über Leistungen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung Art. 4b werden folgende Angebote von der obligatorischen Versicherung anerkannt:

● Akupunktur 
Weiterbildung, die dem Fähigkeitsprogramm Akupunktur – Chinesische Arzneitherapie – TCM (ASA) des Schweizerischen Instituts für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF) vom 1. Juli 2015 entspricht. 

● Anthroposophische Medizin 
Weiterbildung, die dem Fähigkeitsprogramm anthroposophisch erweiterte Medizin (VAOAS) des SIWF vom 1. Januar 1999, revidiert am 16. Juni 2016, entspricht. 

● Arzneimitteltherapie der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) 
Weiterbildung, die dem Fähigkeitsprogramm Akupunktur – Chinesische Arzneitherapie – TCM (ASA) des SIWF vom 1. Juli 2015 entspricht. 

 Klassische Homöopathie 
Weiterbildung, die dem Fähigkeitsprogramm Homöopathie (SVHA) des SIWF vom 1. Januar 1999, revidiert am 10. September 2015, entspricht. 

● Phytotherapie 
Weiterbildung, die dem Fähigkeitsprogramm Phytotherapie SMGP des SIWF vom 1. Juli 2011, revidiert am 5. November 2015, entspricht.

Bei den Zusatzversicherungen hängt es vom Reglement und der Art der Zusatzversicherung ab, welche Therapien übernommen werden; es gibt auch Angebote mit Schwerpunkt Naturmedizin. Normalerweise übernimmt eine Kasse eine Behandlung dann, wenn sie medizinisch notwendig ist und von Ärzten, Naturheilpraktikern oder Komplementärtherapeuten durchgeführt wird, die von der Kasse anerkannt werden.

Gefragt: Bruno Mosconi

Für eine Ausbildung zum Naturheilpraktiker mit eidg. Diplom braucht es einen Abschluss auf Niveau Sek II. Was angehende Naturheilpraktiker sonst noch mitbringen müssen und worauf sie bei der Wahl der Ausbildung und Schule achten sollten, erklärt Bruno Mosconi von der Paramed Akademie für Komplementärmedizin.

Herr Mosconi, nach welchen Kriterien sollten Interessierte die Ausbildung bzw. die Schule auswählen?

Zu Beginn steht die Klarheit über das eigene Bedürfnis. Welche Ziele verfolge ich? Welchen Stellenwert soll die abgeschlossene Ausbildung in meinem Leben haben? Will ich damit meinen Lebensunterhalt verdienen oder unterstützt sie mich in einem breiteren Aktionsfeld? Darüber muss man sich zuerst klar werden. Danach stehen viele Schulen zur Auswahl, die dem persönlichen Bedürfnis entsprechen können. Auf jeden Fall ist darauf zu achten, dass die Schulen die notwendigen Anerkennungen haben, um die heutigen Anforderungen erfüllen zu können. Zertifizierungen bei der OdA AM oder OdA KT, bei EMR und ASCA sind Pflicht. Der persönliche Eindruck rundet die Wahl ab. Es lohnt sich sehr, die Schulen anlässlich der Infoabende oder bei einem persönlichen Beratungsgespräch vor Ort kennenzulernen und sich über die wichtigen Details der Ausbildung – wie Planbarkeit, die lange Ausbildungszeit oder die genauen Kosten – verbindlich informieren zu lassen.

In der Verordnung des EDI über Leistungen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung sind diese festgelegt. Wie steht es aber mit den Leistungen der freiwilligen Krankenversicherungen? Für welche Behandlungen wird normalerweise bezahlt?

Jede Krankenversicherung hat eigene Reglemente bezüglich Rückerstattung von komplementärmedizinischen Leistungen. Diese werden aus unterschiedlichen Zusatzversicherungen erbracht und sind somit sehr individuell festgelegt. Leistungen von anerkannten und registrierten Naturheilpraktikern und Therapeuten werden gemäss dem vorgesehenen Leistungsumfang der jeweiligen Zusatzversicherung übernommen.

Was halten Sie von den Listen über Krankenkassenanerkennung des ErfahrungsMedizinischenRegisters EMR?

Diese Instrumente haben viel dazu beigetragen, dass der Markt «Komplementärmedizin» über geordnete und professionelle Richtlinien verfügt. Die Listen sind das Resultat von gründlichen Abklärungen über Ausbildung und Fähigkeiten der jeweiligen Therapeuten. Für Versicherte, Patienten und Krankenversicherungen sind diese Richtlinien sehr wertvoll.

Gibt es fragwürdige Ausbildungsangebote in der Schweiz, und wenn ja, wie erkennt man diese?

Obwohl in der Schweiz die aktiven Schulen über einen hohen Standard verfügen und die meisten dieser Institute alle notwendigen Zertifikate erlangt haben, gibt es trotzdem einzelne Punkte, bei denen sich eine genaue Prüfung lohnt. Grosse Aufmerksamkeit bedarf es bei den Kosten. Eine seriöse Ausbildung hat eine entsprechende Laufzeit und einen entsprechenden Preis. (Anm. der Red.: um die 50 000 Franken). Die meisten Anbieter liegen denn auch mehr oder weniger im gleichen Bereich. Wichtig zu klären ist, ob es sich dabei um einen eindeutigen Gesamtpreis handelt oder ob verschiedenste Zusatzkosten auf einen attraktiven Basispreis aufgerechnet werden. Und Vorsicht bei Dumpingpreisen! Da stimmt meistens etwas nicht. Auch die wichtige Frage, wie die anspruchsvollen Praktikumseinheiten bewältigt werden können und wie einen die Schule dabei unterstützen kann, muss fundiert geklärt werden. In diesen Bereichen gibt es gravierende Unterschiede.

* Bruno Mosconi ist Mitglied des Verwaltungsrates der Paramed Akademie AG in Baar. Diese bietet Lehrgänge für die Ausbildung zum Naturheilpraktiker an.

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