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Über essbare Kosmetik

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_10/17 - 01.10.2017

Text:  Sabine Hurni

Öle als Körper- und Gesichtspflege galten lange als unpraktisch und zu stark fettend. Jetzt aber erobern natürliche Pflanzenöle die Kosmetikindustrie.

@ Alex Spichale, istockphoto.com

«Auf mein Gesicht kommen nur Pflegeprodukte, die ich auch essen könnte», erklärte mir kürzlich eine Freundin. Hand aufs Herz: Um diese Ideologie konsequent umzusetzen, müsste ich den Inhalt meines Badezimmerschränkleins fast vollständig entsorgen. Und dies, obwohl ich ziemlich konsequent auf Naturkosmetik setze. Viel zu suspekt klingen einige Inhaltstoffe in den Pflegecremes, um mit gutem Gefühl einen Löffel davon in den Mund zu schieben. Ganz so dramatisch hat meine Freundin es natürlich nicht gemeint. Doch der Trend geht in diese Richtung.

Naturkosmetik ist zwar schön und gut. Um aber wirklich ehrliche und transparente Kosmetikprodukte anzuwenden, ist weniger mehr. Es verwundert deshalb nicht, dass reine Pflanzenöle den Kosmetikmarkt erobern. Vom Gesichts- über das Körper- bis hin zum Abschmink- oder Haaröl kann man sich von Kopf bis Fuss mit reinen Ölen pflegen. Nicht nur Naturkosmetikhersteller setzen auf den neuen Trend. Selbst namhafte Kosmetiklinien lassen das Öl wieder Öl sein, ohne es mit Wasser zusammen zu einer Creme oder Lotion zu emulgieren. Denn ein Öl emulgiert auf feuchter Haut von alleine.

Doch Öl ist nicht gleich Öl. Während sich gewisse Öle, wie zum Beispiel das Olivenöl, auf der Haut schlecht verteilen lassen und einen glänzenden Ölfilm hinterlassen, gibt es andere, die gut einziehen und Feuchtigkeit spenden. Grund für die unterschiedliche Wirkung ist die Zusammensetzung der Öle, die aus verschiedenen Fettsäuren sowie aus Fettbegleitstoffen wie Squalen oder Phytosterol bestehen. Diese Fettbegleitstoffe bleiben allerdings nur bei schonender Herstellung erhalten.

Ein Olivenöl zum Beispiel besteht aus rund 80 Prozent Ölsäuren, welche sehr gut fetten. Zum Massieren, zur Herstellung von Seife oder als Einreibemittel bei Gelenkschmerzen ist ein solches Öl ideal. Zur kosmetischen Anwendung eignen sich hingegen Öle, die weniger fettend sind. Amarantöl zum Beispiel ist mehrheitlich aus Linolsäure oder Palmitinsäure aufgebaut und enthält zudem einen hohen Anteil an Fettbegleitstoffen, unter anderem Squalen und Phytosterole. Diese Inhaltstoffe machen das Öl weniger fettend, dafür feuchtigkeitsspendend und regenerierend. Auch Baobaböl aus den Fruchtkernen der rötlich braunen Früchte des Affenbrotbaumes enthält eher wenig Ölsäure und ist ein wunderbares Öl zur Pflege von trockener, feuchtigkeitsarmer Haut – besonders im Winter. Für die Pflege von Haaren und Haarspitzen eignet sich Brokkolisamenöl. Es glättet und pflegt die Haare ohne zu fetten. Sogar gegen fettige Haut und Akne können natürliche Pflanzenöle eingesetzt werden. Ideal ist in diesem Fall das Himbeersamenöl.

Der Exkurs zeigt, dass sich nicht nur Mandeln, Oliven, Sonnenblumenkerne und Rapssamen für die Ölproduktion eignen. Auch viele weniger bekannte Samen und Kerne lassen sich auspressen und zu wertvollen Ölen verarbeiten. Die Kosmetikhersteller mischen in der Regel verschiedene Öle, was einen Einfluss auf die Pflegewirkung und auf die Haltbarkeit hat. Während Basisöle wie Amarant-, Baobab-, Jojoba-, Argan-, Brokkolisamen- und Kirschkernöl sehr stabil sind, verderben Öle wie Johannisbeersamen-, Himbeersamen-, Nachkerzen-, Wildrosen- oder Sanddornfruchtfleischöl viel schneller. Sie müssen zwingend mit einem stabileren Basisöl gemischt werden, damit sie haltbar sind.

Aber es geht natürlich auch rudimentärer.
Zum Beispiel mit reinem Kokos-, Oliven- oder Sesamöl. Ein natives Kokosöl ist bei Zimmertemperatur fest, schmilzt aber sofort, wenn es mit der warmen Haut in Kontakt kommt. Es bewährt sich als Kälteschutz, bei trockener Haut zu Beginn der Heizperiode, trockenen Lippen oder generell bei geröteter, gereizter Haut, ja sogar bei Couprose, einer anlagebedingten Gefässerweiterung im Bereich des Gesichts. Es ist leichter, kühler und feuchtigkeitsspendender als Oliven- oder Sesamöl und deshalb ideal für Menschen, die den öligen Film auf der Haut als eher zu schwer und zu nährend empfinden. Sesam- und Olivenöl sind eher wärmende Öle, die bei Menschen gut ankommen, die schnell frieren, die Nerven stärken möchten und zu Muskelschmerzen neigen.

Man kann ein Öl als Schutzfilm benutzen indem man es auf die trockene Haut massiert, zehn Minuten einwirken lässt und danach duscht oder das Gesicht wäscht. Diese Selbstmassage eignet sich zur Reduktion von Stress, wenn die Nerven blank liegen oder die Gefühle durcheinander sind. Wem das zu umständlich ist, benutzt das Öl nach dem Duschen anstelle von Bodylotion. Oder zur Entfernung von wasserfestem Make-Up. Beziehungsweise nach dem Gesicht waschen anstelle einer Gesichtscreme oder ergänzend dazu. Damit die Öle gut emulgieren, sollte die Haut beim Auftragen noch feucht sein. So ist das Öl sehr ergiebig, zieht gut ein und hinterlässt ein wohliges Hautgefühl.

Und wenn wir schon dabei sind: Auch eine Seife ist nichts anderes als ein gehärtetes Öl. Vorausgesetzt man wählt das Produkt mit Bedacht. Es gibt kaum ein schonenderes Reinigungsprodukt als eine reine Olivenölseife. Sie besteht nur aus Olivenöl, etwas Natriumhydroxid für den Verseifungsprozess und ätherischen Ölen. Öle bilden seit eh und je die Basis für die Herstellung von Kosmetikprodukten aller Art. Und zwar mit einem Minimum an Inhaltstoffen. Insofern hatte meine Freundin schon recht: Was innerlich gut tut, schadet auch der Haut nicht. Da wir in der Küche vorwiegend Pflanzenöle benutzen und auf keinen Fall verarbeitete Erdölerzeugnisse wie Paraffin, Vaseline oder Mineralöl, kann auch in der Körperpflege getrost auf diese Bestandteile verzichtet werden. Vor allem bei der Lippenpflege. Denn was wir auf die Lippen schmieren, ist ziemlich schnell verschluckt.

Zur Person
Sabine Hernie ist dipl. Drogistin HF und Naturheilpraktikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Ayurveda-Kochkurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Functional Food auseinander.

Fotos: Alex Spichale, istockphoto.com

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