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Über die Kraft und Schönheit der Mandel

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_04_2016 - 01.04.2016

Text:  Sabine Hurni

Ob als Öl zur Pflege der Haut, als Snack oder Backzutat: Mandeln lassen sich auf viele Arten verwenden und sorgen für Gesundheit und Wohlbefinden – nicht zuletzt auch, weil das giftige Amygdalin herausgezüchtet wurde.

Die Landschaft ist noch karg, wenn sich die ersten rosaroten Mandelblüten öffnen. In Spanien und Griechenland ist die prachtvolle Zeit der Mandelblüte bereits vorbei. Im deutschen Weinbaugebiet Pfalz oder vereinzelt auch bei uns im Wallis, erfreuen die blühenden Mandelbäume bis Anfang April die Herzen der Betrachter. Für die Entwicklung der Blüten benötigt der Mandelbaum kaum Sonnenwärme. Dem Baum reicht die Wärme, welche sich durch intensive Stoffwechselprozesse im Inneren des Mandelbaumes bilden. Während der darauffolgenden Reifezeit von einem halben Jahr nimmt die Mandel viel Sonne auf und speichert diese Energie im reichhaltigen Kern.

Die Mandel bildet weder Duft, Saft, noch Aroma, sondern nutzt die Kräfte für das Wesentliche, die Samenbildung. In der Antike galt die Mandel wegen ihres gut geschützten Kerns als Symbol der Fruchtbarkeit und der Schwangerschaft. Mandeln wurden an Hochzeiten ausgestreut wie heute Reis und Feuersteine. Der Brauch, mit weissem oder rosa Zuckerguss überzogene Mandeln oder mandelförmige Zuckermandeln an Hochzeiten zu verschenken, hat in Italien auch heute noch Tradition. Fünf Stück bekommt jeder Gast. Sie stehen für die Wünsche des Brautpaares – für Gesundheit, Wohlstand, ein langes Leben, Glück und Fruchtbarkeit. Das Überziehen der leicht bitteren Mandel mit Zucker steht ausserdem für das Eheversprechen «in guten wie in schlechten Zeiten».

Aus der Süssmandel (Prunus dulcis) ist das bittere und giftige Amygdalin, welches Blausäure bilden kann, weitgehend herausgezüchtet worden. Trotzdem kann es manchmal vorkommen, dass vereinzelte Mandeln noch etwas bitter schmecken und Kleinstmengen an Amygdalin enthalten. Das ist aber nicht weiter schlimm und erst recht kein Grund, um auf die schmackhaften Mandelkerne zu verzichten. Mandeln eignen sich wunderbar als Wanderproviant und Zwischenverpflegung. Sie liefern viel Eiweiss und sind eine gute Kalzium- und Magnesiumquelle, also auch eine ideale Kraftnahrung beim Sport. Die Hälfte der Mandel besteht aus pflanzlichen Fetten. Der Rest des Kernes enthält Eiweiss, Ballaststoffe, Wasser, Kalzium, Magnesium, Vitamin E und das B-Vitamin Niacin. Das alles macht die Mandel zu einem sehr gesunden Lebensmittel. Bereits eine Handvoll Mandeln täglich wirkt Herz-Kreislauf-Erkrankungen entgegen. Sie können den Cholesterinwert wie auch den Blutdruck senken und enthalten reichlich Folsäure, die für Frauen vor und in der Schwangerschaft wichtig ist.

Die Bäume stammen ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, Pakistan, Iran sowie aus Kalifornien. Es überrascht deshalb nicht, dass Mandeln in der nahöstlichen Küche zum Eindicken von Saucen, geröstet zu Schmorgerichten oder als süsse Nachspeisen, oft aromatisiert mit Rosenwasser, verwendet werden. Das wohl berühmteste Mandelprodukt ist Marzipan. Es handelt sich dabei um eine intensiv geknetete Mischung aus gemahlenen geschälten Mandeln, Puderzucker und Aromastoffen, vor allem Rosenwasser. Verwendet werden vorwiegend Süssmandeln, manchmal gespickt mit ganz kleinen Mengen an Bittermandeln oder einem Hauch Bittermandelessenz.

Auch die Kosmetikindustrie schätzt die Mandel als Rohmaterial zur Herstellung von Mandelöl. Aus geschälten, zerkleinerten Mandeln wird durch Kaltpressung ein pflegendes Öl. Neben all den exotischen Konkurrenten wie Argan-, Sesam-, Avocadokern-, Macadamiaöl oder Jojobawachs gerät das Mandelöl manchmal in Vergessenheit. Das Schattendasein wird dem Öl jedoch nicht gerecht. Mandelöl ist ein sehr mildes, verträgliches Öl. Es pflegt rissige, trockene und spröde Haut. Besonders wertvoll ist das Mandelöl in der Säuglingspflege oder zur Pflege sehr empfindlicher Haut wie etwa im Intimbereich.

Mandelöl enthält einen grossen Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren (Ölsäure). Diese können die Hornschicht der Oberhaut sehr gut durchqueren und auf diese Weise wertvolle Stoffe in die tieferen Hautschichten einschleusen. Die zweitwichtigste ölige Substanz im Mandelkernöl ist die Linolsäure. Sie spendet der Haut Feuchtigkeit, schützt vor UV-Strahlung, macht die Haut widerstandsfähiger gegen Infektionen und wirkt Hautreizungen entgegen. Weitere Bestandteile des Mandelöls sind Palmitinsäure sowie die Vitamine A, B1, B2, B6 und Vitamin E. Vitamin A ist ein Antioxidans, das Zellschäden verhindert und repariert, Vitamin E wirkt ebenfalls antioxidativ und unterstützt die Speicherung von Feuchtigkeit. Die B-Vitamine haben selber keine grosse Bedeutung, erleichtern aber die Aufnahme der anderen Vitamine. Weniger bekannt ist die innere Anwendung von Mandelkernöl. Wer abends einen Teelöffel reines Mandelöl mit etwas warmem Wasser mischt und trinkt, pflegt nicht nur den Darm, er sorgt mit dem Hausmittel auch für einen positiven Einfluss auf den Cholesterinspiegel und befeuchtet den Körper.

Zur Person
Sabine Hurni ist dipl. Drogistin HF und Naturheilpraktikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Ayurveda-Kochkurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Functional Food auseinander.

Fotos: fotolila.com, Alex Spichale

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