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Winzlinge im Anflug

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_12/01_14/15 - 01.12.2014

Text:  Sabine Hurni

Der Frühling ist noch weit weg. Doch wer unter Heuschnupfen und anderen allergischen Reaktionen leidet, sollte jetzt beginnen, sein Immunsystem zu stärken.

Diesmal machen wir es wie die Warenhäuser, die schon im Herbst den Weihnachtsschmuck präsentieren: Wir schreiben über den Frühling. Aus gutem Grund. Als Folge der Klimaveränderung beginnt der Pollenflug von Haselsträuchern, Birken und Eschen – und somit die Zeit der allergischen Reaktionen – heute zwei bis drei Wochen früher als noch vor 20 Jahren. Bereits Ende Januar können die ersten Nasen jucken und bei den Betroffenen die Vorfreude auf den Frühling dämpfen. Die Pollen sind aber nur der kleinere Teil der leidigen Geschichte. Eine viel zentralere Rolle in der Entstehung von Heuschnupfen spielt das Immunsystem. Damit das Immunsystem in der Pollensaison nicht überreagiert, braucht es bereits vor der Pollensaison die nötige Unterstützung.

Wie das Immunsystem reagiert

Eine Aufgabe des Immunsystems ist das Unschädlichmachen von körperfremden Eiweissen. Diese Eiweisse sind in Parasiten, Bakterien, Viren sowie in Pollen und Milbenkot enthalten. Das Abwehrsystem erkennt die fremden Substanzen und produziert eine Armee von Antikörpern. Diese verbinden sich mit den körperfremden Eiweissen und zersetzen sie in einzelne Aminosäuren, damit der Körper sie anderweitig nutzen kann. Bis heute rätselt die Wissenschaft, weshalb das Immunsystem bei einigen Menschen unverhältismässig heftig auf die eiweisshaltigen Pollen reagiert; die Abwehrreaktion wird zur eigentlichen Krankheit. Sie äussert sich mit Niessattacken, Juckreiz, Atembeschwerden oder tränenden Augen.

Allergische Reaktionen auf Pollen, Schimmelporen, Nahrungsmittel oder Insektengift gehören zum Allergietyp 1. Nach dem ersten Kontakt mit dem körperfremden Eiweiss bildet der Körper IgE-Antikörper, die sich an die Oberfläche von Mastzellen heften. In diesen Mastzellen ist Histamin gespeichert. Beim erneuten Kontakt mit demselben Eiweiss produziert der Körper eine Abwehrfront mit mehr Antikörpern als nötig sind. Nun kommt es zu einer Reaktion zwischen den Antikörpern und den Allergenen. Die Mastzellen schütten Histamin aus, was zur Folge hat, dass sich innert kurzer Zeit die Atemmuskulatur zusammenzieht und Kurzatmigkeit hervorgerufen wird. Gleichzeitig wird die Durchlässigkeit der Schleimhäute erhöht. Das wiederum hat Schnupfen zur Folge. Auch die Nervenreize kann das Histamin verändern. Das zeigt sich mit Schmerz und Juckreiz. In der Regel sind diese Histaminreaktionen örtlich auf die Atemorgane und die Augen begrenzt. So zum Beispiel beim Heuschnupfen, einer allergischen Bindehautentzündung am Auge, einem Nesselausschlag oder bei allergischem Asthma. Der Allergietyp 1 ist der häufigste von insgesamt fünf Allergietypen.

Weitere Tipps von AHA-Swiss, Allergiezentrum Schweiz
1. Allergene meiden. Den Pollen kann man nur beschränkt ausweichen. Linderung kann aber ein Ausflug in eine pollenärmere Gegend versprechen. Meteo Schweiz und AHA bieten unter www.pollenundallergie.ch eine Pollenprognose und entsprechende SMS-Dienste an.
2. Dann in die Ferien fahren, wenn die Pollenbelastung hierzulande besonders hoch ist. Ideal ist eine Reise ans Meer oder ins Hochgebirge.
3. Erst nach 22 Uhr oder nach einem längeren Regen lüften. Dann ist die Pollenkonzentration besonders klein.
4. Pollenschutzgitter am Fenster montieren.
5. Beim Autofahren Fenster und Lüftung dichtmachen. Bei den meisten Modellen ist heutzutage ein Pollenfilter in die Lüftungsanlage eingebaut.
6. Jeden Abend Haare waschen. Vorher aber nicht bürsten. Die Strassenkleidung sollte man aus dem Schlafzimmer verbannen und Brillenträger müssen das Brillengestell und die Gläser regelmässig reinigen.
7. Täglich Staubsaugen und Abstauben, um die Pollen von Teppichen und Möbeln zu entfernen.
8. Ein «gelangweiltes» Immunsystem sucht sich andere Betätigungsfelder. Kinder sollen nicht keimfrei aufwachsen, sondern dürfen beim Spielen ruhig dreckig werden.
9. Stress reduzieren. Stress ist ein Magnesiumräuber sondergleichen.

Staubwolken voller Allergene

Die Pollen, die hierzulande so vielen Menschen den Frühling oder Sommer vermiesen, stammen aus sechs verschiedenen Pflanzenfamilien: Gräser, Birken, Hasel, Erlen, Eschen und Beifuss. Bei den oben genannten Gewächsen werden die Pollen nicht durch Insekten, sondern über den Wind verbreitet. Die Pflanzen müssen deshalb Unmengen von Blütenstaub bereitstellen, damit die Pollen die zu befruchtende, weibliche Pflanze erreichen können. Ganze Staubwolken wirbeln während der Blütezeit durch die Luft.

In höheren Lagen, wo die Temperaturen tiefer sind, ist die Anzahl Pollen pro Pflanze geringer. Das macht für Allergiker den Aufenthalt in den Bergen etwas angenehmer. Die Grenze hat sich aber – ebenfalls als Folge der Klimaveränderung – bereits etwas nach oben verschoben.

Über die Ursachen, weshalb immer mehr Leute an Heuschnupfen leiden, kursieren mehrere Theorien. Die Impfkritiker tippen auf die hohe Durchimpfungsrate. Andere sehen die (falsche) Ernährung als Grund oder einen stressreichen Alltag. Forscher der technischen Universität München haben in Experimenten herausgefunden, dass Pollenkörner und andere eiweisshaltige Partikel durch Stickoxide und Ozon in der Luft derart verändert werden, dass sie leichter Allergien hervorrufen können. Liegen die Ozonwerte aufgrund des verkehrsbedingten Sommersmogs hoch, reagieren viele Betroffene auch stärker auf den Pollenflug. Eine weitere Beobachtung kommt von der Seite des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie. Weil das Klima die Pflanzen und deren Pollenproduktion beeinflusst, wird vermutet, dass die Pflanzen bei wärmeren Temperaturen mehr Pollen produzieren.

Weitere Tipps zur Stärkung des Immunsystems:
• Verdauung: Die Erfahrung zeigt, dass viele Allergiker eine träge Verdauung oder Verdauungsprobleme haben. Im Zusammenhang mit Heuschnupfen können Verstopfung, Blähungen und Durchfall auftreten. Ein Aufbau der Darmflora lohnt sich. Entsprechende Produkte bekommt man im Fachhandel.
• Mineralstoffe: Magnesium kann die allergischen Symptome spürbar vermindern. Gemäss orthomolekularer Medizin erhöht ein Magnesiummangel die Empfindlichkeit gegenüber Allergien. Kalzium kann die Mastzellen stabilisieren, sodass sie weniger Histamin ausschütten. Es empfiehlt sich, beide Mineralstoffe gleichzeitig einzunehmen.
• Vitamine: Vitamin C stärkt nicht nur das Immunsystem, sondern verringert auch die Ausschüttung des für die Beschwerden verantwortlichen Botenstoffs Histamin. Weitere Unterstützung des Immunsystems bieten Vitamin E und sämtliche B-Vitamine; sie können die Funktion des Immunsystems ins Gleichgewicht bringen.
• Emotionen: Auf Psychosomatik spezialisierte Kreise vermuten, dass eine Angst vor unkontrollierbaren Gefühlen hinter einer Allergie stecken kann. Der gegen aussen sanftmütige Mensch trägt seine Schlachten im Inneren aus.
• Ernährung: Mehr Früchte und Gemüse, sehr wenig Brot- und Getreideprodukte und ebenso wenig Milchprodukte essen. Es lohnt sich, von Januar bis März komplett auf Weizen und Kuhmilchprodukte zu verzichten. Beides sind Lebensmittelgruppen, die den Körper stark verschleimen und so die Reaktion auf die Pollen verstärken können.

Schwarzkümmelöl gegen Heuschnupfen

Genauso unklar, weshalb gewisse Naturstoffe plötzlich als Allergen wirken können, ist auch die Frage, warum 1,2 Millionen Schweizer auf Pollen reagieren und die restlichen 6,8 Millionen den Frühling und den Sommer unbeschwert geniessen können. Unklar ist, warum 1,2 Millionen Schweizer auf Pollen reagieren und die restlichen 6,8 Millionen den Frühling und den Sommer unbeschwert geniessen können.

Wer die Ursache angehen möchte, braucht Geduld. Neben homöopathischen, energetischen und schulmedizinischen Methoden muss vor allem auch das Immunsystem trainiert werden. Zum Beispiel mit Schwarzkümmelöl. Natürliches Schwarzkümmelöl enthält rund 20 Prozent hochwertiges pflanzliches Eiweiss sowie etwa 35 Prozent Pflanzenfette. Diese setzen sich aus duftenden, ätherischen Ölen und aus fetten Ölen zusammen. In den fetten Ölen befinden sich ungefähr 60 Prozent mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Diese Wirkstoffzusammensetzung macht den Schwarzkümmel (Nigella Sativa L.) zu einem entzündungshemmenden, immunstärkenden und antihistaminen Heilmittel. Allerdings tritt die Wirkung nicht von heute auf morgen ein. Damit das Immunsystem trainiert werden kann, sollte man Schwarzkümmelölkapseln drei bis sechs Monate lang einnehmen. Nicht erst, wenn die Pollen schon fliegen, sondern zwei Monate vorher. Die ideale Dosierung zur Heuschnupfenprävention beträgt dreimal täglich zwei Kapseln. Diese Menge entspricht etwa einem Teelöffel des flüssigen Öles.

Aus Südeuropa

Der echte Schwarzkümmel ist ein Gewürz, das in seiner Form und Farbe den Zwiebelsamen ähnelt. Zerstossen wird das Gewürz als Pfefferersatz zum Kochen verwendet oder dem Brotteig beigemischt. Der echte Schwarzkümmel gehört zur Familie der Hahnenfussgewächse (Ranunculaceae). Die Pflanze ist weder mit dem Kümmel noch mit dem Kreuzkümmel verwandt. Es handelt sich um eine einjährige, krautige Pflanze. Sie wird bis zu 20 Zentimeter hoch. Die oberirdischen Pflanzenteile sind leicht behaart, der Stängel ist gestreift und die Laubblätter sind leicht gefiedert. In den weissen Blüten entwickeln sich die Samenkapseln mit den schwarzen Samen. Ursprünglich kommt der Schwarzkümmel aus Südeuropa, Nordafrika und Westasien. Deshalb werden die Samen in der arabischen und islamischen Volksmedizin gegen unzählige Beschwerden genutzt. In unsern Breiten kann der Schwarzkümmel als Gartenpflanze kultiviert werden.

Fotos: istockphoto.com, fotolia.com

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