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Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_10_2014 - 01.10.2014

Text:  Sabine Hurni

Alltag eines Diabetikers: Was es heisst, seinen Lebensstil der Krankheit anzupassen und wie die Naturheilkunde unterstützend und vorsorgend wirken kann.

Auch das noch!», dachte Rolf Hauser, als sein Hausarzt feststellte, dass seine Blutzuckerwerte weit über dem maximalen Richtwert lagen. Der kaufmännische Angestellte stand damals mitten im Berufsleben. Schon längere Zeit litt er unter Bluthochdruck, Herzrasen, Übergewicht und erhöhten Cholesterinwerten. Dass sich vor der Diagnose auch vermehrt eine innere Gereiztheit einstellte, schrieb er mehr dem Stress zu, als seinem Blutzuckerspiegel. Inzwischen weiss der 66-Jährige Typ-2-Diabetiker, dass er ungeduldiger auf seine Umgebung reagiert, wenn die Werte zu hoch sind. «Meine Frau schickt mich in solchen Momenten zum Messgerät», erzählt Hauser und fügt hinzu: «Sie hat meistens recht.»

Das «Diabetes»-Tagebuch

Seit sechs Jahren lebt Rolf Hauser mit der Stoffwechselkrankheit Diabetes. Inzwischen ist er ein regelrechter Fachmann in Sachen Zucker, weiss was ihm gut tut und was er besser unterlassen soll. Isst er stärkehaltige Mahlzeiten mit Teigwaren oder Kartoffeln oder Süssigkeiten, steigt sein Blutzuckerspiegel. Dasselbe passiert, wenn er Alkohol und Limonaden trinkt. Früher konnte sein Körper den Blutzucker selber wieder senken. Doch heute braucht Hauser blutzuckersenkende Tabletten und spritzt sich zusätzlich Insulin. Jeden Morgen misst der Frühaufsteher seinen Blutzucker und schreibt das Resultat in sein «Diabetes-Tagebuch». Auch die Blutdruckmessungen und die Gewichtskontrolle schreibt er hinein. Sein Arzt und die Diabetesberaterin bei der Diabetesgesellschaft möchten bei jeder Kontrolle einen Blick auf diese Protokolle werfen. Sie geben den Fachleuten Auskunft darüber, ob der Patient richtig «eingestellt» ist oder ob die Dosierung der Tabletten oder des Insulins nicht mehr stimmt.

Angst vor Folgeschäden

«Manchmal erliege ich den kleinen Sünden des Alltags», gesteht der Diabetiker. Dazu gehören die Hörnli, die ihm so schmecken, das Rahmschnitzel mit Nüdeli und süsse Desserts. Unbarmherzig schnellen die Werte am Folgetag in die Höhe. Das ärgere ihn, gibt er zu. Schliesslich hat sich Hauser das Einhalten der erlaubten Blutzuckerwerte zum obersten Gebot gemacht. In seiner freien Zeit sammelt er Informationen über seine Krankheit. Er liest Zeitschriften, besucht Vorträge und studiert Fachbücher. Das ist sein Weg, sich mit möglichen Folgeerkrankungen wie gestörten Nervenleitungen, Durchblutungsstörungen, Erektionsstörungen, Libidoschwäche, Nierenproblemen oder schlechter Wundheilung auseinanderzusetzen. Er möchte alles wissen – nur so vergeht seine Sorge um die Zukunft. «Von der Angstmacherei lasse ich mich nicht verunsichern», meint er. Vielmehr wolle er die Risiken selber abwägen können. Er weiss, wie er seinen Alltag gestalten muss, damit die Werte niedrig bleiben und die Gefahr der Folgeerkrankungen sinkt. Dies nicht zuletzt dank der fachlichen Unterstützung seiner Ärzte und der kantonalen Diabetesgesellschaft.

Die Diabetes-Typen
Typ 1: Hier handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Diese entsteht, wenn die Betazellen der Bauchspeicheldrüse, welche das für die Regulierung des Blutzuckers notwendige Insulin herstellen, vom Immunsystem des Körpers zerstört werden. Tritt häufiger bei Kindern und jungen Erwachsenen auf, kann aber Personen in jedem Lebensalter treffen. Menschen mit Diabetes Typ 1 sind lebenslang auf die Gabe von Insulin angewiesen, Heilungsmöglichkeiten bestehen bisher noch nicht.
Typ 2: Hier produziert die Bauchspeicheldrüse zwar weiterhin Insulin, jedoch nicht genügend oder der Körper kann es nicht mehr wirksam verwenden, um Blutzucker in Energie umzuwandeln (Insulinresistenz). Die Entwicklung des Typ-2-Diabetes wird begünstigt durch Erbfaktoren, Übergewicht und Bewegungsmangel. Er tritt in den meisten Fällen erst ab einem Lebensalter von über 40 Jahren auf, man findet ihn aber auch zunehmend bei jüngeren Menschen mit starkem Übergewicht.
Quelle: Schweizerische Diabetes-Gesellschaft

Ernährungsgewohnheiten überprüfen

Gewohnheiten zu ändern ist kein einfaches Unterfangen. Abwarten bis der Druck gross genug ist und der Arzt einen erhöhten Blutzuckerspiegel feststellt, ist aber die schlechtere Lösung. Wie so oft ist auch bei der Zuckerkrankheit das Vorbeugen sinnvoller als die Therapie. Nahrungsmittel wie Teigwaren, Alkohol, Süssgetränke oder Schokolade werden im Körper zu Glukose abgebaut, lassen somit den Blutzuckerspiegel ansteigen und können dank dem Bauchspeicheldrüsenenzym Insulin in Energie oder Fett umgewandelt werden. Wer nicht körperlich arbeitet, wandelt die Kohlenhydrate grösstenteils in Fett um. Was nicht nur zu Übergewicht führt, sondern auch zu Fettablagerungen im Herz-Kreislauf-System. Deshalb können die Ernährungsfachleute nicht oft genug betonen, wie wichtig eine zucker- und stärkearme Ernährung mit fünf Portionen Gemüse und Früchte ist. Bei der Prävention von stoffwechselstörungsbedingten Krankheiten wie Diabetes sind pflanzliche Kost und Bewegung enorm wichtig.

Seit sechs Jahren stehen beim Ehepaar Hauser deshalb täglich Gemüse, Salat und Obst auf dem Tisch. «Wir haben uns vor ein paar Jahren einen Steamer angeschafft», erzählt der Diabetiker. Seine Frau wäge die Kohlenhydrate nicht ab, doch sie schaue gut darauf, dass er sich gesund ernähre. Neben der disziplinierten Ernährung ist für Rolf Hauser auch der Sport zu einem zentralen Element in seinem Leben geworden. Solange es nicht eisig kalt oder rutschig ist, nimmt er sich täglich eine bis zwei Stunden Zeit dafür. Er fährt Velo, spaziert oder geht schwimmen. Das war früher anders. Im Berufsleben sass Hauser vorwiegend im Büro und fand wenig Zeit für den körperlichen Ausgleich. Viel lieber verbrachte er seine Freizeit mit Musikhören, ab und zu unternahm er eine Bergtour oder gemütliche Spaziergänge. «Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich das heute anders machen», meint er etwas nachdenklich. Jetzt wo der Diabetiker in Rente ist, hat er auch mehr Zeit für den Sport. Sogar sein Köpergewicht, sein hartnäckigstes Problem, konnte er dank der täglichen Bewegung reduzieren. Hartes Training am eigenen Limit vermeidet er aber tunlichst. Viel lieber fordert er sich gerade so fest heraus, dass er ordentlich ins Schwitzen kommt und sein Puls steigt. Denn für ihn ist klar: «Bewegung muss auch mit Vergnügen verbunden sein.»

Bockshornklee hilft

Auch ein paar Körnchen Bitterstoffe helfen dabei, das Gewicht und den Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Die Rede ist vom Bockshornklee. Bockshornklee (Trigonella Foenum-greacum), auch griechisches Heu genannt, gehört zur Familie der Hülsenfrüchte. Er wird in der Küche als Samen, Blätter oder in Form von gekeimten Sprossen verwendet. All diese Pflanzenteile enthalten Bitterstoffe und werden vorwiegend für asiatische Speisenverwendet. Bockshornklee ist oft in Currymischungen enthalten. Besonders heilsam sind die gelbbraunen, harten Samen. Diese bestehen zu einem grossen Teil aus Schleimstoffen. Zudem enthalten sie viele Bitterstoffe und ätherisches Öl. Aufgrund des bitteren Geschmacks wirkt Bockshornklee appetitanregend. Das heisst, die Magensäfte werden aktiviert und die Nahrung kann besser verdaut werden. Die Bitterstoffe regen zudem die Bauchspeicheldrüsentätigkeit an und fördern so die Regulierung des Blutzuckers. Bockshornkleesamen werden in der Pflanzenheilkunde bei leichtem Diabetes oder als Begleittherapie bei schwerem Diabetes verwendet. Sie führen nachweislich zu einer Senkung des Blutzuckers und des LDL-Cholesterins. Die übliche Dosis sind ungefähr 25 Gramm Samenpulver pro Tag. Das entspricht fünf Samen, die morgens mit etwas Wasser entweder im Mörser vorsichtig verkleinert oder als ganze Samen heruntergeschluckt werden.

Weitere Tipps, um Diabetes vorzubeugen
• Früh reagieren: Die Vorstufe von Diabetes bildet das metabolische Syndrom. Bluthochdruck, Übergewicht, Insulinresistenz und erhöhte Blutfettwerte gehören dazu. Bei diesen Erkrankungen sollte – ergänzend zu medizinischen oder naturheilkundlichen Massnahmen – die Zufuhr von Kohlenhydraten, insbesondere von Weizen reduziert werden.
• Kein Weizen: Der moderne Weizen lässt den Blutzucker stärker in die Höhe schiessen als Gerste, Hirse, Reis und Dinkel. Bei Übergewicht und einer Veranlagung zu Diabetes, sollte Weizen deshalb weitgehend durch Dinkel ersetzt werden. Sowohl beim Brot als auch bei den Teigwaren und beim Gebäck.
• Nährstoffe aufnehmen: Chrom, Zink, Mangan, Magnesium und die B-Vitamine regulieren den Zuckerstoffwechsel. Bei übermässigem Verzehr von kohlenhydrat- und zuckerhaltigen Speisen verbraucht der Körper diese Nährstoffe schnell. Um den erhöhten Bedarf abzudecken, sollten entweder der Konsum reduziert oder aber die Nährstoffe mit Nahrungsergänzungen zugeführt werden.

Auch zur Prävention

Wer übergewichtig ist oder zu Übergewicht und Diabetes neigt, soll vorbeugend jeden Morgen ein paar Bockshornkleesamen schlucken. Äusserlich kann ein Bockshornkleesamenwickel übrigens bei Nasennebenhöhlenentzündungen, Rheuma oder Atemwegsbeschwerden helfen. Auch bei Hauterkrankungen können Auflagen entzündungshemmend wirken. Zu diesem Zweck werden 50 Gramm Samen gemahlen und mit 250 Milliliter Wasser zu einem Brei verkocht. Die einjährige Pflanze wird bis zu 60 Zentimeter hoch und stammt ursprünglich aus Persien. Heute ist sie in Nordafrika, Frankreich, Spanien und im Nahen Osten verbreitet. Bockshornklee kann aber auch in der Schweiz angebaut werden. Die Pflanze duftet stark und wird bis zu 60 Zentimeter hoch. Sie hat eine kräftige Pfahlwurzel und blüht von Mai bis Juni. Bockshornklee ist übrigens eng verwandt mit dem Schabzigerklee (Trigonella caerulea), dem Gewürz im Glarner Schabziger.

Fotos: fotolia.com, istock.com

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