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Schlechte Luft

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 08 - 2012 - 01.08.2012

Text:  Heinz Knieriemen

Wie kommt es, dass mit Lariam noch immer ein höchst gefährliches Malaria-Medikament auf dem Markt ist – und warum zeigt die Malaria-Kampagne der WHO bei den Ärmsten der Armen keine Wirkung? Heinz Knieriemen stellt Fragen.

Seit Jahren gibt die deutsche Bundeswehr das umstrittene Malaria-Medikament Lariam an die in Afghanistan stationierten Soldaten ab, obwohl gravierende Nebenwirkungen zu erwarten sind. Fachleute in den USA und in Europa gehen davon aus, dass das Medikament aufgrund der potenziellen Gefahren für die Gesundheit gar nicht mehr auf dem Markt sein dürfte.

Die dilettantische Vorgehensweise im Militär hat auch wieder die Diskussion über die Malariaprophylaxe bei Reisen angeheizt. Schon ein Blick auf den Beipackzettel des weitverbreiteten Medikaments Lariam mit dem Wirkstoff Mefloquin lässt wenig Erbauliches erahnen.

Zu den Nebenwirkungen von Lariam, gehören Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Empfindungsstörungen, Müdigkeit, depressive Verstimmungen, diverse Hautreaktionen, Herz-Kreislauf Störungen und Muskelschmerzen. Zudem treten Wechselwirkungen mit vielen Medikamenten auf, darunter jene zur Behandlung von Epilepsie und psychischen Störungen, Herzerkrankungen oder gegen Diabetes.

Mord als Nebenwirkung

Nicht gerade eine gute Voraussetzung für Soldaten, die sich im Kampfeinsatz befinden. Und so nehmen die Klagen über gravierende Gesundheitsstörungen auch kein Ende. Im Fall des amerikanischen Soldaten Robert Bales, der im März dieses Jahres in Afghanistan 17 Zivilisten tötete, besteht der Verdacht, dass die Tat im Zusammenhang mit einer Lariam-Einnahme steht. Das Dilemma: Auch die medikamentösen Alternativen wie Malarone, Paludrine, Quensil, Resochin und Riamed weisen ähnliche Nebenwirkungen auf oder gelten als wirkungslos, was natürlich nicht nur das Militär betrifft.

Die Zahl der jährlichen Neuinfektionen mit Malaria wird weltweit auf bis 400 Millionen geschätzt, die der Todesopfer liegt zwischen 1 und 2 Millionen pro Jahr, die Hälfte davon sind Kinder. In Europa selber gilt Malaria allenfalls noch als eine Krankheit von Reisenden oder eben Soldaten im Militäreinsatz.

Das war nicht immer so. In Italien grassierte das Fieber, wie die Krankheit ursprünglich genannt wurde, Jahrhunderte lang und raffte viele Menschen dahin. Verantwortlich gemacht wurde dafür «mal aria», die «schlechte Luft», ein Begriff, den der Schriftsteller Horace Walpole 1740 als die heutige Krankheitsbezeichnung Malaria einführte.

Ausrottungsstrategie ohne Erfolg

Doch die WHO mit ihren unsäglichen Ausrottungsstrategien, die auch bei der Bekämpfung der Masern gescheitert sind, wollte mehr erzwingen. Noch vor 50 Jahren war die Weltgesundheitsorganisation überzeugt davon, die Malaria ausrotten zu können. Die globale Kampagne musste 1969 abgebrochen werden, nachdem die gravierenden Nebenwirkungen des als Pestizid eingesetzten DDT zur Mückenausrottung bekannt geworden waren. Inzwischen sind die Ziele denn auch bescheidener geworden. Bis 2015 soll lediglich der Trend zu immer mehr Malariakranken und -toten gebrochen werden.

DDT übrigens ist die Abkürzung für Dichlor-Diphenyl-Trichloraethan. Bei der Bekämpfung der Malaria ist DDT zunächst scheinbar erfolgreich gegen die Anopheles-Mücken zum Einsatz gekommen. Infolge der Breitbandwirkung des Pestizids wurden jedoch auch die Nutzinsekten getötet, sodass sich nach Beendigung des Gifteinsatzes die Anopheles-Mücken verstärkt ausbreiten konnten. Infolge der langen Abbauzeit (Halbwertszeit: über 20 Jahre) kam es zudem in den Nahrungsketten zu einer Anreicherung, da DDT in Fetten gut löslich ist. Es wurde so auch für grössere Tiere und den Menschen gefährlich. In Deutschland und der Schweiz wurde 1971 ein Herstellungs- und Ausfuhrverbot für DDT erlassen.

Geblieben ist der von bescheidenen Erfolgen begleitete Kampf gegen eine bedrängende Krankheit. Und selbst wenn Arzneimittel wie Lariam wirkungsvoll und im verantwortbaren Rahmen nebenwirkungsfrei wären, drängt sich gebieterisch die Frage auf, warum weltweit immer noch jährlich über eine Million Kinder der Seuche zum Opfer fallen, ohne dass erkennbare Fortschritte zu verzeichnen sind – oder kommen die Medikamente am Ende nicht dort an, wo sie dringend gebraucht werden?

Zur Person
Seit über 20 Jahren setzt sich Heinz Knieriemen für «natürlich» kritisch mit den Methoden und den Auswirkungen der Schulmedizin und der Labor wissenschaft auseinander. Im AT Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente oder Inhaltsstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika.

Foto: africamediaonline.com, euthman / flickr / cc, US Army Africa / flickr / cc

 

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