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Die Wurst ins Paradies

Kategorie: Essen
 Ausgabe 01 - 2011 - 01.01.2011

Text:  Susanne Hochuli

Susanne Hochuli denkt oft an Cervelats. Ihr Chauffeur verführt sie aber mit einer spanischen Wurst und Knoblauch.

Wissen Sie», sagte ich nach einem Apéro riche, über dessen Tücken ich mich an dieser Stelle bereits einmal geäussert habe, – «wissen Sie», sagte ich zu meinem Chauffeur, «manchmal habe ich Lust auf einen Cervelat und ein Stück Brot.» Jetzt habe mich verraten. Gleich doppelt: Erstens, ich habe einen Chauffeur. Zweitens, ich ziehe den Cervelat dem Apéro riche vor.

Zu meiner Rechtfertigung: Ich fahre nur selten im Staatswagen. Und wenn, dann am liebsten mit Herrn Stricker. Alle Aargauer Staatswagen-Chauffeure sind mir lieb. Doch mit Herrn Stricker lässt es sich so wunderbar über Cervelats, Zwiebeln, Geranien, Zitronenbäume, das Räuchern von Speck und über meinen Hund reden.

Mein Hund ist ein sogenannter Departementsvorsteherinnenhund (DvH), obwohl ihm die typische Eigenschaft der Vorstehhunde, nämlich dem Jäger das Wild anzuzeigen ohne es zu jagen, völlig fremd ist. Mira jagt lieber selber und guckt dabei so lieb in die Welt, dass es ihr nicht schwerfällt, von Herrn Stricker den Cervelat zu bekommen, über den er mit mir jeweils nur redet. Ich habe mich schon wieder verraten: Hin und wieder fährt auch der DvH im Staatswagen. Nach der gemeinsamen Fahrt sitze ich irgendwo an einer Sitzung, an einem Apéro riche oder einem Staatsdinner. Mira darf derweil mit Herrn Stricker spazieren gehen. Und eine Wurst gibt es auch. Das Leben meint es nicht mit allen gleich gut.

Bin ich undankbar? Ich darf im Staatswagen fahren. Ich könnte an jedem Anlass so viel trinken, wie ich wollte – nur geht das nicht, weil ich nicht so trinkfest bin, wie man das in der Politik zu sein hätte. Ich darf an den nobelsten Orten essen. Und auf der Rückfahrt sage ich dann zu meinem Chauffeur: «Manchmal habe ich einfach Lust auf einen Cervelat.» «Oder wie wärs mit Gehacktem und Hörnli?», antwortet Herr Stricker. «Oder Omelette gefüllt mit Gehacktem», erwidere ich. Kürzlich hätte er einen Kohlrabi ausgehöhlt, mit Gehacktem gefüllt und das Ganze mit Käse überbacken. «Ossobuco», fabuliere ich. «Rösti mit Zwiebeln», entgegnet Herr Stricker. «Älplermagronen mit Zwiebelschweize », schwärme ich.

«Die beste Zwiebel kommt aus Figueres in Spanien», sagt Herr Stricker. Sie sei zwar nicht so berühmt wie Salvador Dali, der bekannteste Bürger aus Figueres, aber hervorragend im Geschmack, leicht süsslich, nicht zu scharf, speziell in der Form. «Ich schenke Ihnen eine dieser Zwiebel und eine spanische Wurst dazu. Essen Sie beides mit Bauernbrot.» Das werde ich tun: Einen Abend mit spanischer Wurst, Zwiebel, Bauernbrot und Wein – das tönt nach Himmel auf Erden. Aber für Herrn Stricker ist es noch nicht Himmel genug: «Sie brauchen auch Knoblauch aus der Umgebung von Figueres.» Ich lache: «Dann ist es wohl besser, ich geniesse das Paradies alleine.»

Und das habe ich gemacht: Allein mit Wurst, Zwiebel, Knoblauch, Brot und Wein, einer Kerze und Blues-Musik sass ich an einem Abend zu Tisch. Der Hund lag zu meinen Füssen und ich wusste: Das Leben meint es gut mit mir.

Zur Person
Susanne Hochuli, erste grüne Regierungsrätin im Aargau, ist Mutter einer 16-jährigen Tochter und wohnt auf ihrem Biobauernhof in Reitnau, der vom besten Bauern der Welt bewirtschaftet wird

Foto: greckor / flickr / cc

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