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Unser kleiner Spleen

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 08 - 2011 - 01.08.2011

Text:  Heinz Knieriemen

Wer keinen Spleen hat, ist arm dran, denn er reinigt unser Blut und ist ein wichtiger Bestandteil unseres Immunsystems. Verwirrt? Spleen ist der englische Ausdruck für Milz – und diese wiederum ist ein Organ, über das kaum jemand etwas weiss.

Unser Herz kann entflammen, vor Freude hüpfen und in die Hose rutschen. Wir können jemanden auf Herz und Nieren prüfen, eine Laus kann uns über die Leber laufen und die Galle kann überkochen. Wir verstehen unsere inneren Organe nicht nur als Teil unseres Körpers, sondern sie spiegeln auch unsere gefühlsmässig-emotionalen Bereiche. Zur Milz dagegen fällt dem Volksmund – zumindest im deutschsprachigen Bereich – nichts ein. Sie zeigt scheinbar keinerlei Regung und bleibt ein weitgehend unbekanntes Organ.

Organe und Emotionen

Wir wissen, dass die inneren Organe wie Leber, Nieren und auch die Milz sehr stark mit emotionalen Aspekten behaftet sind. Spleen lautet im Englischen der Ausdruck für die Milz – und als spleenig galten ursprünglich Leute mit einer Milzstauung, eben extravagant, verspielt-verrückt, auf eine liebenswerte Art anders. Mit der Verwendung des Ausdrucks Spleen im deutschen Sprachraum verlor der Begriff seine Konturen. Für den Duden bedeutet er einen fantasievollen Einfall, eine verrückte Angewohnheit, eine seltsame Eigenart oder Verschrobenheit. Auf die Milz deutet nichts mehr hin.

Hallo Seitenstechen

Doch wenden wir uns nun der Milz und ihren vielfältigen Funktionen im menschlichen Körper zu. Die Milz ist ein weiches, längliches, drüsenähnliches Organ im linken oberen Teil der Bauchhöhle. Sie berührt die Bauchspeicheldrüse sowie die linke Niere und ist mit Faserbändern in der Bauchhöhle befestigt. Im Normalfall wiegt die Milz gegen 200 Gramm. Doch verschiedene Krankheiten können bewirken, dass sie stark anschwillt und mehr als das doppelte an Gewicht zunimmt. Eine solche Vergrösserung kann die Darmbewegungen beeinträchtigen und Schmerzen auslösen. Einen anderen, in der Regel harmlosen Schmerz haben die meisten Menschen schon erfahren: das Seitenstechen. Bei grösserer Anstrengung kommt es zu einem Blutstau, an dem Milz und Leber beteiligt sind, und der die typischen, meist rasch wieder abklingenden Symptome auslöst.

Die Milz wird von der Milzschlagader mit Blut versorgt. Das venöse Blut aus der Milz gelangt über die Pfortader in die Leber. Die Milz unterscheidet sich von den Lymphknoten, den Tonsillen (Mandeln) und dem lymphatischen Gewebe des Darms in ihrer einzigartigen Stellung vor allem dadurch, dass sie neben der Funktion im Immunsystem besonders enge Beziehungen zu den Blutgefässen hat. Sie entfernt verbrauchte rote Blutzellen und Krankheitserreger aus dem Blut, gewinnt das Eisen aus dem Hämoglobin der roten Blutzellen zur Wiederverwertung zurück und beseitigt Abfälle wie den Gallenfarbstoff Bilirubin, der im Stuhlgang dann als braune Färbung sichtbar wird.

Die Milz ist jedoch vor allem ein lymphatisches Organ und daher eng mit unserem Abwehrsystem verbunden, wobei viele ihrer Funktionen noch nicht geklärt sind. Sicher ist: Die Milz speichert Thrombozyten und Lymphozyten, produziert Makrophagen und baut überalterte Blutzellen und Gerinnungsprodukte ab. Thrombozyten, die Blutplättchen, spielen eine entscheidende Rolle bei der Blutgerinnung. Sie werden in der Milz gespeichert und von dort bei Bedarf, zum Beispiel bei einer starken Blutung, ausgeschüttet. Die Milz ist zudem in der Lage, kleine Blutgerinnsel zu erkennen und abzubauen.

Brutstätte für weisse Blutkörperchen

Etwa ein Drittel der weissen Blutkörperchen oder Blutzellen sind Lymphozyten, die im lymphatischen System, der Thymusdrüse und in der Milz gebildet werden. Sie spielen bei vielen Abwehrvorgängen eine wichtige Rolle und werden allgemein als der effektivste Bestandteil des Immunsystems betrachtet. Die weissen Blutkörperchen werden in ihrer Wandlungsfähigkeit in vielfältigen Formen als Leukozyten, Makrophagen (Fresszellen) oder als Lymphozyten tätig. Die Leukozyten sind eigenbeweglich. Sie wandern zum Ort des Krankheitsgeschehens und sind in der Lage, kleine Fremdkörper, Krankheitserreger oder Zelltrümmer in sich aufzunehmen und zu verdauen. In dieser Funktion werden die weissen Blutkörperchen Fresszellen genannt. Ein Beispiel für die Arbeit der Fresszellen ist der Eiter, der aus Leukozyten besteht, die bei Entzündungen ins Gewebe auswandern, die geschädigten Zellen aufnehmen und dabei selbst absterben. Es ist schon imponierend, was die Milz für unser Wohlbefinden alles leistet. Sie ist ein toller Spleen.

Zur Person
Seit über 20 Jahren setzt sich Heinz Knieriemen für «natürlich leben» kritisch mit den Methoden und den Auswirkungen der Schulmedizin und der Laborwissenschaft auseinander. Im AT Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente oder Inhaltsstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika.

Foto: fotolia.com

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