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Über die Wurzeln der Gesundheit...

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_09_19  - 06.08.2019

Text:  Sabine Hurni

Die Naturheilkunde wird mehr und mehr durch die Brille der Schulmedizin betrachtet.

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Umfassende Ausbildungen machen aus angehenden Naturheilpraktikern halbe Ärzte und viele traditionelle alternative Heilmethoden werden nur noch ernst genommen, wenn ihre Wirksamkeit mittels Doppelblindstudien umfassend belegt ist. Alles andere wird als Wellness, Esoterik oder gar als Scharlatanerie abgetan. Als Folge davon bewegen wir uns hin zu einer Naturmedizin, deren Blick auf die Krankheit, die Fehlfunktionen und die Schmerzen gerichtet ist. Wo bleibt bei diesem System die Ganzheitlichkeit? Wo bleibt der Mensch mit seinen Selbstheilungskräften?

Wir haben die Verantwortung für unsere Gesundheit ausgelagert. In die Arztpraxis und in die Nahrungsergänzungsmittel- und Pharmaindustrie. Statt selber aktiv einen Beitrag zur eigenen Gesundheit zu leisten, schlucken viele lieber Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und exotischen Superfood. Dabei geht vergessen, dass in uns selbst die Kräfte schlummern, die es zu erwecken gilt.

Wir dürfen unseren Körper weder vernachlässigen noch verweichlichen. Der menschliche Organismus braucht Kälte- und Wärmereize, es tut ihm gut, wenn man ihn von Kopf bis Fuss dehnt und er dankt es mit Wohlbefinden, wenn er nicht ständig mit dem Verdauen von Nahrung beschäftigt ist. Die meisten Krankheiten werden verursacht durch Stress, zu viele tierische Eiweisse, zu viel Zucker und zu wenig Bewegung.

Selbstverantwortung | Die Heilung muss von innen kommen und vom Individuum selbst initiiert werden. Mit positiven Gedanken, gutem Essen, Bewegung und Entspannung kann man die in uns schlummernden Kräfte erwecken.

Sich um die Wurzeln der Gesundheit zu kümmern, ist äusserst wichtig. Zu den wichtigsten Grundpfeilern im menschlichen System gehören der Wasserhaushalt, die Tiefenentspannung, die Bewegung, die Ernährungsweise und das Fasten. Selbstverständlich können wir rund um diese Basis mit Nahrungsergänzungsmitteln, Heilpflanzen und Medikamenten arbeiten. Aber nicht umgekehrt! Die Heilung muss von innen kommen und vom Individuum selbst initiiert werden.

Wasser lässt sich erwärmen und sorgt so als Fussbad für warme Füsse, Entspannung, Schlafhilfe und Erdung. Kaltes Wasser wiederum, mit dem man sich im Anschluss an die warme Dusche abspritzt, aktiviert, durchblutet, belebt, beglückt und härtet den Körper ab. Bluthochdruck, Herzschwäche, Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen verbessern sich mit Armbädern: Man taucht dazu beide Arme bis über die Ellenbogen in kaltes Wasser, streift das Wasser danach ab, ohne den Arm mit einem Tuch zu trocknen. Jeder Brunnen eignet sich für dieses wohltuende Ritual.

Wasser ist auch innerlich ein wichtiges Heilmittel, insbesondere warmes Wasser. Wer morgens zwei Gläser davon trinkt, regt seinen Kreislauf an, aktiviert den Stoffwechsel und sorgt so für eine sanfte Reinigung des Körpers. Bei Gelenkschmerzen, Verspannungen, Schwindel und Karpaltunnelsyndrom wiederum helfen oft punktuelle Reize mit einem Schröpfglas, einer Trockenbürste oder Brennnesselzweigen, mit denen man die schmerzende Körperstelle auspeitscht oder einreibt. Letzteres ist vor allem bei Gicht und Arthrose sehr hilfreich. Das mag zwar als Rosskur daherkommen, doch bedenke man, dass auch viele Medikamente kein Zuckerschlecken sind und meist mit zahlreichen Nebenwirkungen einhergehen.

Entspannung zählt ebenso zu den Grundpfeilern der Gesundheit. Ausser Zeit kostet sie nichts: einfach hinlegen, Augen zu, tief ein- und ausatmen und sich von Kopf bis Fuss in eine Tiefenentspannung versetzen. Bereits zehn Minuten aktivieren die Selbstheilungskräfte und verlangsamen Atmung, Herzschlag sowie das Gedankenkarussell. Verblüffend: Operationen verlaufen komplikationsfreier, wenn sich der Patient ab einer Woche vor dem Eingriff täglich für 30 bis 40 Minuten in eine Tiefenentspannung begibt. Es lohnt sich also, die Fernsehzeit zu halbieren und sich stattdessen eine Yoga-Nidra-Meditations-App oder eine Tiefenentspannungs-App aufs Handy zu laden – oder über die Stereoanlage gleich die ganze Familie in eine Rundumentspannung zu versenken.

Wenn wir schon beim Yoga sind: Um sich gesund zu bewegen, braucht es weder Drill noch Leistungsdenken, sondern dehnende Bewegungen, die den Atem und die Tiefenmuskulatur beeinflussen. Es kommt nicht von ungefähr, dass Yoga des Öfteren als Geschenk Indiens an den Westen bezeichnet wird. Vergessen Sie dabei das leistungsorientierte Yoga, bei dem schlanke, durchtrainierte Menschen in hautengen Kleidern ihren Körper in Extrempositionen dehnen. Insbesondere für füllige Menschen, Senioren oder Schmerzpatienten gibt es keine bessere Bewegungsform als traditionelles Yoga. Schon eine Yoga-Stunde (oder ähnliches, auf Bewegung und Dehnung ausgerichtetes Training) ist bei körperlichen Schmerzen aller Art überaus hilfreich – sofern die Übungen sanft ausgeführt und den körperlichen Fähigkeiten angepasst sind.

Bleibt noch die fünfte Wurzel der Gesundheit – das Essen. Ob mediterrane Ernährung, ayurvedisches Essen, Säure-Basen-Ernährung oder Trennkost: Alle Ernährungsansätze haben einige gemeinsame Nenner. So empfehlen sie alle, möglichst wenig Zucker, Weissmehl, Alkohol und tierische Eiweisse zu sich zu nehmen. Stattdessen mehr Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte, Pflanzenöle und Nüsse. Zudem ist weniger oft mehr: Lassen Sie zwischendurch das Abendessen oder das Frühstück weg, machen sie einen Entlastungstag pro Woche, an dem Sie sich ausschliesslich von Säften, Tee oder Suppen ernähren. Am besten immer am selben Tag, damit sich der Körper besser auf diese wöchentliche Auszeit einstellen kann. Es ist leider so, dass wir uns in unserem Nahrungsmittelschlaraffenland krank essen. Tun Sie Ihrem Körper den Gefallen und lassen Sie bei jeder Mahlzeit einen Drittel des Magens leer. Die Kleider in der Waschmaschine mögen es auch nicht, wenn man die Trommel vollstopft und sich die Wäsche nicht mehr bewegen kann. Unser Körper ist weit mehr als die Summe aller Einzelteile. Erst wenn alle Aspekte im Lot sind, können wir wirklich ein rundum glückliches und zufriedenes Leben führen und mit Kopf, Herz und Hand Verantwortung für uns selber tragen.



* Sabine Hurni
ist dipl. Drogistin HF und Naturheilpraktikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Lu-Jong-Kurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Functional Food auseinander.

Fotos: sebastiano bucca | iStock.com
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