Artikel Gesundheit :: Natürlich Online Das Geheimnis der Heilung | Natürlich

Das Geheimnis der Heilung

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 09 - 2012 - 01.09.2012

Text:  Lioba Schneemann

Neuste Erkenntnisse zeigen, was Weise und Heiler schon immer wussten: Jeder Mensch trägt das Potenzial zur Heilung in sich. Wie sich moderne Medizin und altes Wissen zunehmend auf fruchtbare Weise ergänzen.

«Nicht in der Rückkehr zu den Zeiten des ausschliesslich magischen Denkens, aber auch nicht in dessen Zerstörung zugunsten eines unbarmherzigen Rationalismus liegt die Zukunft der Medizin, sondern in der Integration beider Formen der Wahrnehmung», schreibt denn auch der Wissenschaftsjournalist Joachim Faulstich in seinem Buch «Das Geheimnis der Heilung». So hat, um nur ein Beispiel unter vielen herauszugreifen, das führende Zentrum für Herzchirurgie, das Columbia Presbyterian Hospital in New York, eine sogenannte «Mind-Body-Abteilung» geschaffen, in der die Patienten vor und nach einer Herzoperation mit Meditation, Musiktherapie, Yoga und Tai Chi behandelt werden. Und sogar während einer Operation am offenen Herzen wird geistig-energetische Therapie angewendet.

Wenn Körper und Geist eins sind, folgert Faulstich, dann bedeutet eine Veränderung des Geistes unmittelbar eine Veränderung des Körpers. «Mit anderen Worten: Schon in der Absicht, im Willen, im tief empfundenen Wunsch und auch in der Hoffnung liegen machtvolle Quellen der Heilung», so Faulstich.

Heilender Placebo-Effekt

«Ein Heilungsprozess wird durch viele Faktoren ausgelöst. Die reine Gabe eines Medikamentes ist bei Weitem nicht ausreichend», sagt der deutsche Arzt Hans-Dieter Platsch anlässlich eines Vortrages über die heilende Essenz von Placebo. Viele Studien aus der Placebo-Forschung zeigten, dass der Patient selber einen grossen Einfluss auf seine Heilung habe. «Eine hohe therapeutische Wirksamkeit wird bereits dadurch erreicht, dass Patienten annehmen, sie bekämen ein echtes Medikament oder einen echten medizinischen Eingriff. Und Studien zeigen, dass 20 bis 80 Prozent aller Arzneimittelwirkungen sich allein auf den Placebo-Effekt zurückführen lassen», ergänzt der Mediziner, der im deutschen Bad Endorf das Institut für Integrale Medizin leitet. Heilwirkungen, ausgelöst durch den Glauben, ein echtes Medikament zu bekommen, seien aber für die Pharma-Industrie ein «unerwünschter Faktor» und würden in vielen Bereichen die Gabe eines echten Wirkstoffes ernsthaft infrage stellen.

Im Patienten selber liegt die Kraft zur Heilung. Die Heilkraft des Menschen zu aktivieren, ist die wahre Herausforderung, im Grunde das eigentlich Wesentliche eines Heilungsprozesses. Platsch kritisiert: «Ärzte, die mehr ihren Lehrbüchern, den zwangsläufig negativen Abläufen von Krankheitsbildern und den statistisch erwiesenen schlechten Prognosen von Krankheiten absoluten Glauben schenken als ihrer eigenen Intuition und der Heilkraft einer wirklichen Behandlung, schränken den Heilungsprozess erheblich ein.» Heilende Überzeugungen und Glaubenssätze, die der Mensch in Bezug auf seine Krankheit und sein Leiden hat, stossen Heilungsprozesse an. Ebenso können negative Erwartungen und krankmachende Vorstellungen und Haltungen, so ist der Mediziner überzeugt, das Gegenteil bewirken. «Diese tiefe Überzeugung und eine positive Einstellung – dies hilft mir und ich werde gesund – ist ein Weichensteller für den Behandlungsund Heilungserfolg.» Viele praktizierende Mediziner begegnen solchen Aussagen mit Skepsis. Dies bedeute unter Umständen noch mehr Überforderung für Kranke, derartige pauschalisierende Aussagen seien gefährlich, so der Tenor. Drehe man dies ins Gegenteil um, würde dies heissen, dass, wenn man es «richtig» mache, die Patientin/der Patient auch geheilt werde.

Der Arzt und Philosoph Paracelsus sagte: «Imagination ist die Sonne in der Seele des Menschen, die unsichtbare Werkstatt.» Heilungseffekte aus der Kraft des Bewusstseins heraus gelten jedoch in der Schulmedizin als null und nichtig, Spontanheilungen Schwerkranker, von denen immer wieder berichtet werden, als ausserordentliche Fälle. Und auch Arzt Jakob Bösch relativiert einfach klingende Aussagen: «Über diese Wirkung des Bewusstseins auf den Körper und den Geist anderer, gibt es zwar viele spannende Studien, aber keine allgemein gültigen Schlussfolgerungen. Der Einfluss des Bewusstseins auf den Körper wird natürlich breit diskutiert, sowohl in krankmachender wie in heilender Richtung. Aber auch hier fehlen die wirklich handfesten Beweise.» Weitgehend etablieren konnte sich aber zum Beispiel das Mentaltraining im Spitzensport. Eine vergleichbare Erfolgsquote kann die Medizin leider nicht aufweisen. Als Grund dafür nimmt Bösch an, dass im Spitzensport der «ganzheitlichste» Ansatz mit körperlichem und mentalem Training, Ernährung, Lebensführung vorherrsche. «Aber auch dort spielen Veranlagung und Talent eine sehr grosse Rolle. Diese Veranlagung können wir in der Medizin bisher nur begrenzt überwinden.»

Suche nach dem Sinn

Letztendlich ist es immer eine Summe von vielen Faktoren, die eine Heilung bewirken. Zweifelsohne kann aber jeder selber einen grossen Beitrag zu seinem Heil-Werden beitragen. Etwa, indem man sich dem Leben zuwendet und sich ganz bewusst von einen Heilungsprozess begrenzenden Überzeugungen löst. Um gesund zu werden, braucht es auch eine erhebliche Portion Eigenverantwortung und initiative.

Buchtipps
• Joachim Faulstich: «Das Geheimnis der Heilung. Wie altes Wissen die Medizin verändert.», Knaur 2010
• Jakob Bösch: «Spirituelles Heilen und Schulmedizin. Eine Wissenschaft am Neuanfang.», AT-Verlag 2007

Fotos: h.koppdelaney/ flickr / cc, fotolia.com

Tags (Stichworte):

Kategorie: Gesundheit

Stress lass nach! – Die vielen Wege zur Gelassenheit, Teil 2

«Musse ist der schönste Besitz von allen.» Dieses Zitat von Sokrates trifft...

Kategorie:

Kategorie: Gesundheit, Essen

Süsses Versprechen

Zucker versüsst uns den schönsten Tag im Leben und ist Tröster in traurigen...