Sieg über die Vergänglichkeit

Aktualisiert: 27. Dez. 2021

Kategorie: Heilpflanze


Die Eibe ist eine allwissende Beschützerin und eine Begleiterin für sämtliche Übergänge im Leben. Sie nimmt uns die Angst vor dem Tod und hilft uns, in der dunkelsten Nacht des Jahres, kurz vor Weihnachten, tief in unser inneres Licht zu tauchen.



Brauchst du Entspannung? Dann geh, und ruh dich unter einer alten Eibe (Taxus baccata) aus. Schon nach wenigen Stunden im Dunstkreis der Eiben tauchst du in andere Bewusstseinsebenen. Der Blick wird unscharf und die Zweige verweben sich zu flirrenden Mustern. Das durchscheinende Licht wandelt sich zu Lichtpunkten, die sich in der Unendlichkeit der Weite verlieren. Plötzlich wird die alltägliche Welt unbedeutend, fast, als würde sich ein sanfter Schleier über dich legen.


Wieso ich Ihnen das erzähle? Weil das Jahresrad bald auf seinem tiefsten Punkt steht: Wir nähern uns dem 21. Dezember, der dunkelsten Nacht des Jahres. Bald beginnt sich das Jahr von Neuem zu drehen, denn selbst wenn es draussen dunkel und kalt ist, sind tief in der Erde unsichtbare Kräfte am Werk. Doch lassen wir sie noch ein wenig im Untergrund und tauchen erst mal ein in die stillen, heiligen Nächte, um bei Feuer und Kerzenschein, tief in uns hineinzulauschen. Die Weihnachtszeit ist weit mehr als ein Zusammenkommen mit den Nächsten. Mindestens genauso wichtig ist das Erleben des Mysteriums der Wiedergeburt. Wenn wir uns Zeit nehmen für die Stille, erleben wir in der meditativen Innenschau auch die Wiedergeburt des eigenen, inneren Lichtes. Alle Menschen sind Kinder des Lichtes. Die Weihnachtszeit hilft uns, dieses innere Leuchten wiederzuentdecken und zu wecken; es zu fühlen und eine Ahnung davon zu bekommen, wie wir dieses Licht auf die Erde tragen können.


Das Licht ins neue Jahr tragen

Die geweihten heiligen Weihnachts- und Rauhnächte öffnen unsere Sinneswahrnehmungen für höchst sensitive Schwingungen. Es ist eine Zeitspanne des Orakelns; eine Chance nach innen zu lauschen, zu träumen und die Stimme des inneren Kindes wahrzunehmen. Selten lässt es sich so gut Pläne schmieden wie an den Tagen zwischen den Jahren. Wir können uns neu ausrichten, neues säen und im wahrsten Sinn des Wortes zur Besinnung kommen. Unendlich viele Samen in uns möchten Wachsen und Erblühen! Jetzt ist die Zeit, dies zu erkennen und entsprechend zu handeln. Machen wir uns also bereit für das Erleben des wichtigsten Momentes im Jahreskreis. Tauchen wir ein in die Nacht der Nächte, in die Mutternacht zur Wintersonnenwende. Es ist die stillste Nacht des Jahres. Tief verborgen im dunklen Reich der Erde wird der Samen des Lichts von der Muttergöttin erschaffen. Es ist dieser wachsende Lebensfunke, den es in Demut zu erleben gilt. Diesem zarten Lichtsamen müssen wir Sorge tragen. Wir müssen ihn schützen und pflegen, denn er ist klein und verletzlich. Heissen wir diese neue Kraft in uns also willkommen, um sie ins kommende Jahr tragen zu können. Auf diese Weise kann der Lichtfunke heranreifen, sich im Frühling voller Tatendrang entfalten und stetig anschwellen, bis sich im Sommer aus dem Funken ein starkes Feuer entwickelt hat – und wir im Herbst ernten können, was wir nun säen.





«Ich bin die Einweihung in die Weisheit des Lebens, das Begreifen des Mysteriums von Leben und Tod.»

Im Dialog mit der Eibe

Bei dieser Einkehr in die Stille, dem Gebären des persönlichen Lichtsamens für das neue Jahr, hilft uns die Eibe. Im meditativen Dialog spüre ich folgende Energie: «Ich bin die Einweihung in die Weisheit des Lebens, das Begreifen des Mysteriums von Leben und Tod. Ich bin das Tor zur Ewigkeit, die Erneuerung und die Auferstehung. Einige nennen mich Mutter Tod – doch fürchte dich nicht! Ich befreie dich von der

Furcht des Todes und helfe dir dabei, dass du dir selbst begegnen kannst. Meine Wesenskraft ist die Manifestation aller göttlichen Kräfte. In mir vereinen sich sämtliche Ströme des Lebens und des Seins. Tauche mit mir in Wirklichkeitsebenen, von denen wir noch nicht viel wissen. Diese verschiedenen Anderswelten wollen erfahren, erlebt und bereist werden. Von den höheren Sphären bis hin zu den unteren Welten, den Elemente und den Toren zur Heimat der Elfen und Zwerge. Dies wird deine innere Achse ausrichten, dich mit der Mutter, dem Vater und dem Wissen deiner Ahnen verbinden. Dadurch

kannst Du selbstbestimmend in der Kraft des Herzens erwachen. Die Schau nach innen macht dich frei und geduldig. Es sind oft auch die steinigen Lebensabschnitte, die eine Verzögerung mit sich bringen, weil sie dich blockieren.


Vermeide durch gerechtes Handeln alle Schwierigkeiten, die du kommen siehst. Aber bewerte nicht. Auch Schwierigkeiten sind nützlich. Bestimmte Unannehmlichkeiten wirst du überwinden müssen. Sie fördern das Reifen deiner Seele. Sei nachgiebig mit dir. Es braucht hier weder Hektik noch ein Streben nach einem erhofften Resultat. Nur so kannst du mit Ausdauer und Voraussicht handeln und die Geduld in dein Leben integrieren. Geduldig seien die, die im Leben wandeln».


Beschützerin bei Übergängen

Wer sich Zeit nimmt und vor einer alten Eibe steht, der kann sie spüren, die Ehrfurcht. Es ist, als würde sie alles durchdringen. Die Eibe scheint allwissend zu sein. Mit ihren vielen verschiedenen Wesenszüge ist sie der Baum der Übergänge und eine starke Beschützerin und Begleiterin für den Weg in die Tiefe. Wir nutzen die Blüten der Eibe zur Herstellung von Blütenessenzen. Die Essenz verwenden wir bei starren und unnachgiebigen Zuständen, die uns daran hindern, Probleme zu meistern. Sie hilft Menschen, die sich zu sehr um andere kümmern und dabei langsam ausbrennen. Auch Melancholie, Depressionen und das Gefühl von Einsamkeit oder Verlassenheit kann die Essenz in lichtvolle Energie wandeln. Insbesondere dann, wenn diese Hoffnungslosigkeit den Schlaf raubt und man verzweifelt ist, weil man anderen

nicht helfen kann, obwohl man es gerne tun würde. Eiben-Essenz fördert den Umgang mit Emotionen wie Freude, Trauer, Wut, Angst, Enttäuschung, Mitleid, Sympathie, Empathie, Neid, Stolz und Verliebtheit. Auch bei Hautkrankheiten und Magen-Darm-Beschwerden, bei Gicht, Rheuma, Herzkrankheiten, Leberkrankheiten, Nieren- und Blasenleiden kann sie unterstützend wirken.


Die Nadeln und Rinde sowie das Holz kann man als Amulett tragen oder getrocknet für Räucherung verwenden. Beides fördert die geistige Ausdauer, stärkt die Willenskraft, die spirituelle Kreativität und die Visionssuche. Das Räuchern fördert die Kommunikation zwischen den verschiedenen Ebenen und der Realität der Welten. Es stärkt die Erinnerung und das Anknüpfen an das alte Wissen unserer Ahnen. Zudem hilft es, unerwünschte Einflüsse zu entlarven und zu bannen. Sanfte Räucherungen des Holzes

lösen zähen Schleim in den Atemwegen bei Schnupfen und Katarrh. Ein Wanderstab aus Eibenholz dient dem Schutz und Wohlergehen der Gesundheit und kleine, mit Eibenholzspähnen gefüllte Kissen, dienen für Körperauflagen bei Krämpfen, Blasenleiden und zur Herzstärkung. Zudem nutzen wir die Eibe für Trauminitiationen, um visionäre Träume zu fördern.



Ahnenbaum | Die Kelten und Germanen verehrten die Eibe. Sie gilt als Totenbaum und Vertreiberin von Dämonen. Eine mögliche Anwendung des Giftgewächs ist das Räuchern. Es fördert das Loslassen. Sterbenden erleichtert es das Loslösen aus dieser Welt. Auch bei schamanischen Reisen kann geräucherte Eibe in andere Welten verhelfen. Eibe soll sparsam und drinnen nur bei geöffnetem Fenster geräuchert werden.


«Auch Schwierigkeiten sind nützlich. Sie fördern das Reifen der Seele.»

Vorsicht, giftig!

Da die Eibe sehr giftig ist, vor allem die Nadeln und die recht grossen, harten Samenkerne enthalten grössere Mengen des Alkaloids Taxin, darf man sie nicht innerlich einnehmen. Bereits ein Auszug von 50 bis 100 Gramm Eibennadeln kann für einen Erwachsenen tödlich sein! Das einzig geniessbare an der Eibe ist das süsse Fruchtfleisch, der sogenannte Samenmantel, der roten, schleimigen Früchte. Diese schmecken sehr lecker und man darf sie sich im Herbst reichlich zu Gemüte führen. Aber Vorsicht! Es sollte kein Samen zerkaut oder heruntergeschluckt werden. Die Früchte kann man mit der Zunge am Gaumen zerquetschen, so löst sich das Fruchtfleisch gut vom Kern, den man dann ausspuckt. Bei Kindern ist das Risiko, dass sie den Kern schlucken zu gross; man sollte sie deshalb vor der Eibe inklusive den Beeren warnen.


Auch beim Räuchern von Nadeln, Holz und Samenkernen sollte man Vorsicht walten lassen und sich langsam an das Ritual herantasten. In Innenräumen während des Räuchervorgangs unbedingt lüften! Beim Tragen des Holzes auf der nackten Haut in Form eines Amulettes besteht

keine Vergiftungsgefahr. Im Gegenteil: Ein Eiben-Amulett schüzt das Herz und hält unholde Energien fern.


 


Anwendungsmöglichkeiten der Eibe


• In der Homöopathie wird Taxus als Essenz aus den frischen Nadeln bei rheumatischen

Erkrankungen sowie bei Nieren- und Blasenleiden eingesetzt.


• Hildegard von Bingen empfahl das Räuchern von Eibenholz wenn «jemand in seiner Nase und

in seiner Brust ein Gebrechen hat». Doch auch beim Räuchern ist Vorsicht angesagt (siehe

Abschnitt «Vorsicht, giftig!»).


• Taxol, ein Wirkstoff der Eibe, ist Bestandteil vieler Krebstherapien. Besonders wirksam soll er

bei Brust-, Lungen- und Eierstockkrebs sein. Taxol kann mittlerweile vollsynthetisch

hergestellt werden.


• Aus Eibenholz kann man sich ein Schutzamulett schnitzen, denn «vor Eiben kann kein Zauber

bleiben». Das wussten schon die Kelten und Germanen, die die Eibe verehrten und aus ihrem

Holz Kultgegenstände fertigten.




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