Sabine Hurni über Johanniskrautöl bei Muskelschmerzen

Kategorie: Gesundheit


Es gibt diesen etwas zynischen Spruch, den ich schon unzählige Male gehört habe und nie so recht weiss, was ich darauf erwidern soll. Er geht so: «Wenn du über 50 Jahre alt bist und dir morgens beim Aufwachen nichts weh tut, dann weisst du, dass du gestorben bist.» Solche Sätze prophezeien genau das, was sich in Wahrheit niemand wünscht. Weder für sich noch für andere. Und doch entspricht es einer Tatsache, dass die Muskeln und Sehnen mit zunehmendem Alter weniger geschmeidig sind, mehr Erholungszeit benötigen und schneller irgendwo was zwickt.


Intensiv | Die Blüten des Echten Johanniskrauts färben beim Verreiben nicht nur die Hände rot-violett, sondern auch das Öl, in dem sie ausgezogen werden – deshalb der Name Rotöl. Dieses wirkt stimmungsaufhellend, entzündungshemmend, nervenstärkend, blutverbessernd und schmerzlindernd. Da es Wechselwirkungen und Medikamenten gibt, sollte man die Anwendung mitihrem Arzt oder Heilpraktiker besprechen.

Schmerz stört die Harmonie. Es tut dann gut, lautstark zu Jammern und zu Fluchen. Trotzdem sollte man ein schmerzendes Körperteil weder verfluchen und verurteilen noch ausschimpfen, sondern es eher wie ein krankes Kind voller Fürsorge und Anteilnahme hegen und pflegen. Es ist MEIN Knie, nicht DAS Knie, das schmerzt. Unsere Sprache macht diesen kleinen, aber feinen Unterschied auch bei Kindern und Haustieren: Wenn ich UNSER Baby oder MEIN Hund sage, hat das emotional eine Bedeutung; es sagt aus, in welcher Beziehung ich momentan zu diesem Lebewesen stehe.


Ist die Harmonie gestört, schaffen wir mit unseren Formulierungen offenbar automatisch Distanz. Das gilt für den Hund, der etwas ausgefressen hat, das Kind, das nicht so tut, wie die Eltern wollen und eben auch für das Knie, das schmerzt. Mein dringender Appell: Bleiben Sie in Beziehung zu ihrem Körperteil, gerade wenn es Probleme macht, und schenken Sie ihm die nötige Aufmerksamkeit. MEIN Knie, MEINE Schulter oder MEIN Nacken tragen keine Schuld. Im Gegenteil, sie zeigen nur auf, dass die Belastung zu gross war und ich mir generell zu viel aufgebürdet habe.


Schmerzt der Körper ab 50 tatsächlich immer irgendwo, gibt es zwei Dinge, die in keinem Haushalt fehlen dürfen: eine Trockenbürste und eine Flasche Johanniskrautöl. Durch das morgendliche Abbürsten des Körpers erhöht sich die Durchblutung. Der Kreislauf wird angeregt und die Körpersäfte kommen in Bewegung. Man muss dies nicht täglich machen, aber wenn ihr Körper nach der Joggingrunde schmerzt, ihr Nacken am Morgen hart ist oder die 1000 Höhenmeter bergab zu viel für ihr Knie waren, kann allein schon das grossflächige Abschrubben der betroffenen Körperteile Linderung verschaffen.

Das fast noch wichtigere Heilmittel für Muskeln, Knochen, Gewebe und Sehnen ist das Johanniskrautöl. Es wird aus den Blüten einer Pflanze gewonnen, die in den Sommermonaten mit Sonne und Wärme vollgetankt sind und als besondere Lichtbringer gelten. Das tiefrote Öl auf Olivenölbasis, auch Rotöl genannt, eignet sich hervorragend zur Linderung von Schmerzen der Gelenke, bei Rheuma, Ischias und Gicht. Es wirkt schmerzstillend, wärmend und entzündungshemmend und gilt als Heilmittel bei Problemen der Haut wie Neurodermitis, Wunden oder Verbrennungen. Und auch zur Narbenpflege hat es sich bewährt.

Gerade im Winter und Frühjahr, wenn viele Beschwerden aufgrund von Kälte und Wind auftreten oder sich verstärken – wie zum Beispiel Rheuma – hilft ein Öl oft besser als eine Salbe oder ein Gel. Es gibt kaum eine andere Substanz, die so stark zu beruhigen vermag wie Öl. Babys schlafen besser nach einer Ölmassage, im Ayurveda dient das Einölen der Reduktion des Windelementes und auch in der Ernährung sorgen ölige Speisen in Stresssituationen für den nötigen Halt. Zum Beispiel Nüsse. So wirkt das schmierende, wärmende und besänftigende Johanniskrautöl allein schon aufgrund der öligen Konsistenz stresslindernd und wohltuend. Zudem enthält es wertvolle Inhaltstoffe, die den Körper positiv unterstützen. Johanniskraut-Präparate wirken bei starker Konzentration phototoxisch; d. h. sie sorgen für eine erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut. Deshalb sollte man während deren Einnahme oder direkt nach dem Einreiben von Johannsikrautöl auf intensives Sonnenbaden verzichten.

Mit Johannskrautöl kann man schmerzende Körperstellen mehrmals täglich oder zumindest morgens und abends massieren. Die Wirkung verstärkt sich, wenn das Öl über mehrere Stunden wie ein Wickel auf die Muskeln einwirkt. Eine solche Johanniskrautöl-Auflage wirkt schmerzlindernd, krampflösend, entzündungshemmend, wärmend und entspannend.

Und so geht’s: Man benötigt Johanniskrautöl, ein Baumwolltuch, einen Esslöffel, einen Plastikbeutel und ein bis zwei Wärmflaschen, zudem ein Rohwollkissen oder ein weiches Tuch aus Wolle oder Flanell. Falten Sie das Baumwolltuch mehrfach und geben Sie einen Esslöffel Johanniskrautöl darauf. Schieben Sie das ölgetränkte Tuch in den Plastikbeutel und erwärmen Sie es auf einer Wärmeflasche oder auf der Heizung. Legen Sie auch das Rohwollkissen zum Aufwärmen auf die Heizung. Dann holen Sie die Ölkompresse aus dem Plastikbeutel und legen sie direkt auf die betroffene Stelle. Mit dem Rohwollkissen oder einem weichen Tuch abdecken und fixieren, indem Sie ein enganliegendes Kleidungsstück darüber ziehen. Diesen Wickel kann man bei Bedarf einmal täglich über mehrere Tage hinweg für 30 Minuten bis einige Stunden auflegen. Danach entfernt man die Ölkompresse, lässt jedoch das Stück Rohwolle, bzw. das weiche Tuch auf der Haut, damit diese nicht auskühlt.

Johanniskrautöl selbst herstellen – im Sommer, etwa von Anfang Juni bis Anfang September, geht das ganz einfach: Sie benötigen für 500 ml Olivenöl rund 25 Gramm Johannisblüten. Der Volksglaube besagt, dass die am 24. Juni, dem Johannistag, in der Mittagssonne geernteten Blüten am heilkräftigsten sind; wenn Sie Lust haben, können Sie die Sammeltage auch auf die Mondphasen abstimmen. Hauptsache es ist schön sonnig und die Blüten sind trocken. Und selbstverständlich sammeln wir mit Achtung und nachhaltig, also niemals von zu vielen Pflanzen an einem Standort. Nach dem Sammeln können Sie die Blüten im Mörser leicht anquetschen, in ein Einmachglas geben und biologisches Olivenöl dazugeben. Das Glas stellt man dann für drei Wochen an die Sonne. Ab und zu schütteln und darauf achten, dass die Blüten immer mit Öl bedeckt sind. Danach kann man den öligen Blütenauszug abfiltern und das Rotöl in dunkle Flaschen abfüllen. Olivenöl ist ein sehr stabiles Öl; das selbst hergestellte Rotöl ist deshalb rund ein Jahr oder auch etwas länger haltbar.

Zwickt und zwackt es Sie schon jetzt? Dann müssen Sie natürlich nicht auf den Sommer warten. Drogerien und Apotheken verkaufen qualitativ hochwertiges Johanniskrautöl. Damit sind Sie bestens gerüstet, sodass ihre Muskeln und Sehnen bis ins hohe Alter geschmeidig, geschmiert und beweglich bleiben. Und was lernen wir daraus? Man muss dem Alter nicht mit Zynismus begegnen, sondern zur rechten Zeit die besten Hilfsmittel einsetzen! •



Sabine Hurni ist dipl. Drogistin HF und Naturheilpraktikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Lu-Jong-Kurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Functional Food auseinander.

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