Sabine Hurni über Hibiskus

 

Wenn die Temperaturen ansteigen, sollten wir es den Pharaon*innen im alten Ägypten gleichtun: Sie tranken warmen Hibiskustee, um die Körperwärme zu reduzieren und die Verdauung zu unterstützen. Offenbar waren Hibiskusblüten damals ein beliebtes Sommergetränk, das auch als zeremonielle Opfergabe verwendet wurde. Hierzulande denken wir gar nicht so oft an diesen erfrischenden und schmackhaften Tee, den viele Leute als Früchtetee einordnen, obwohl er eigentlich ein Kräutertee ist, gewonnen aus dem fleischigen Blütenboden der afrikanischen Hibiskusart Hibiscus sabdariffa.

 

«Hibiskus ist kein Früchtetee, sondern ein Kräutertee mit erstaunlicher Wirkung.»

 

Hibiskus ist eng verwandt mit der Malve und dem Eibisch. Die Pflanzen gehören zur Familie der Malvengewächse. In der Volksmedizin wird der Hibiskus, oder auch Karkadeh, der afrikanische Name für die Blüten, wegen des Gehalts an sekundären Pflanzenstoffen wie Chlorogensäure, Querzetin, organischen Fruchtsäuren und Anthocyanen zur Stärkung des Immunsystems und zur Harmonisierung eines zu hohen Blutdrucks eingesetzt. Man schreibt die Wirkung auf den Blutdruck vor allem den roten Farbstoffen, den Anthocyanen, zu. Diese wirken antioxidativ, entzündungshemmend und leicht blutdrucksenkend. Darüber hinaus hilft der Hibiskus auch mit, die Blutgefässe elastisch zu halten. Für den Blutdruck wie auch für die Elastizität der Blutgefässe trinkt man den Tee dreimal pro Tag. Bereitet man hingegen einen starken Hibiskustee zu, indem 30 Gramm Blüten in einem Liter Wasser 10 Minuten köcheln, kann dies einen positiven Effekt auf die Stimmung haben. Laut einer Studie verbesserte sich die Stimmung der Probegruppe innert 7 Tagen. Sie hatten weniger Zukunftsängste, fühlten sich entspannter und hatten seltener Herzklopfen. Der mässige Genuss von Hibiskustee hat keinen negativen Effekt auf die Gesundheit, sollte jedoch vorsichtshalber in der Schwangerschaft und Stillzeit eher gemieden werden, weil er die Menstruation stimuliert. Untersuchungen dazu gibt es aber nicht. Dabei sollte man aber beachten, dass es sich beim Hibiskus um einen Heiltee handelt, den man im Sommer durchaus täglich, jedoch nicht dauerhaft in grossen Mengen trinken sollte. Besser ist es, den Tee als schmackhafte Ergänzung zu Wasser zu betrachten.


Nicht nur seine Farbe, auch sein Geschmack macht den Hibiskus zu einem idealen Sommergetränk: Er ist fruchtig im Geschmack, leicht herb und angenehm säuerlich. In Nordafrika und im Nahen Osten wird Karkadeh seit langer Zeit als kühlendes Erfrischungsgetränk geschätzt. In Ägypten ist es der wohl am häufigsten getrunkene Tee, der lauwarm oder auch heiss genossen für die nötige Abkühlung sorgt und den Flüssigkeitsbedarf deckt. Hierzulande tun wir uns noch schwer, es den Menschen aus heissen Klimazonen gleichzutun und im Hochsommer heissen oder zumindest lauwarmen Tee aus kühlenden Kräutern zu trinken. Denn mit frischer Minze, einem Spritzer Zitronensaft oder einigen Beeren verfeinert, wird er zu einem ebenso schönen wie wohltuenden Sommertrunk für heisse Tage. Nicht zuletzt deshalb, weil Hibiskus in der östlichen, wie auch in der westlichen Naturheilkunde als ein Heilmittel mit kühlenden Eigenschaften gilt. Gute Qualität erkennt man daran, dass die getrockneten Blütenkelche tiefrot bis burgunderfarben sind. Wirken sie verblasst, waren sie vermutlich zu lange oder falsch gelagert. Die frischen Blüten weisen zudem einen fruchtigen Duft auf und haben ein leicht florales Aroma. Auch dies ein Anzeichen für gute Qualität und Frische.


Generell sind Lebensmittel in intensiver Farbe besonders wertvoll für unseren Körper. Denken wir nur an das tiefe Gelb des Kukumapulvers, an die Holunderbeeren mit ihrem fast schwarzen Saft und an die Waldheidelbeeren, die beim Naschen eine verräterisch schwarze Zunge hinterlassen. Intensive Farben deuten auf einen hohen Gehalt an Pflanzenfarbstoffen hin, wie die Anthocyane, die Polyphenole oder Cyanoide. Je farbiger ein Gemüse, eine Frucht oder eine Blüte, desto besser schützen sie unsere Zellen. Der Sommer bietet eine ganze Fülle an farbenfrohen Gemüse- und Beerensorten, die allesamt reich an antioxidativ wirkenden Pflanzenstoffen sind. So zum Beispiel die Brombeeren, Johannisbeeren, Peperoni, Kirschen, Auberginen und roten Zwiebeln. Die Farben dienen den Pflanzen als Sonnenschutz und sind imstande, UV-Strahlung zu absorbieren. Dieser Effekt lässt die Pflanze stressfrei an der prallen Sonne wachsen und gedeihen. Wenn nun also im Sommer diese Vielfalt an Beeren und Gemüse verfügbar ist, kann ich Sie nur ermuntern: Greifen Sie zu! Je farbenfroher die Speisen und Getränke sind, desto besser.

 

 

Sabine Hurni

Sabine Hurni ist Fachfrau für Ernährung, Naturheilkunde und Spiritualität. In der Kolumne «Sabine Hurni über…» befasst sie sich mit Ernährung als Medizin und Gesundheit auf allen Ebenen. In ihrer Praxis begleitet und berät sie Menschen ganzheitlich. www.sabinehurni.ch

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