Sabine Hurni über Düfte und Aromen

Kein anderer Monat ist so sehr von Düften geprägt wie der Dezember. Es beginnt mit dem Duft nach Lebkuchen und frisch gebackenen Grittibänzen und geht vom lieblichen Wohlgeruch nach Weihnachtsguetzli über zum Glühwein in der Adventszeit und dem Duft des Weihnachtsmenüs, das bei vielen Familien immer dasselbe ist, bis hin zu den Räucherdüften in den Raunächten. Insgesamt dreimal war ich bisher im Dezember und über Weihnachten auf Reisen – in Südamerika, Indien und Malaysia – und jedes Mal empfand ich die Weihnachtszeit als unwirklich oder gar inexistent. Mir fehlte das Vertraute, die traditionellen Düfte, mit denen ich aufgewachsen bin.


Düfte wecken Erinnerungen und sind eng verknüpft mit der Gefühlsabteilung des Gehirns, dem limbischen System. Atmen wir einen Duft ein, erreichen die Aromen über die Riechschleimhaut der Nase und Millionen von Riechzellen unser Gehirn. Im limbischen System werden Atmung, Körpertemperatur, Verdauung, Gefühle und Erinnerungen gesteuert und schlussendlich auch Entscheidungen gefällt. Es ist die Schaltzentrale, die innert Sekunden entscheidet, ob wir jemanden mögen oder nicht. Weil ätherische Öle auf das limbische System einwirken, haben die natürlichen Düfte einen direkten Einfluss auf die Psyche und den Körper. Sie können Ängste lösen, Anspannungen lindern, die Konzentration steigern und uns im Alltag beflügeln. Düfte können aber auch Entzündungen lindern, Schleim lösen, Wunden schneller heilen lassen und Insekten vertreiben.

Es ist schade, dass die Aromatherapie ein Schattendasein fristet, denn es gibt so viele geniale und effiziente Anwendungen mit ätherischen Ölen, die weit über das Riechen hinausgehen. Das Schöne daran ist, dass sich auch Lai*innen schnell in dieses Thema einlesen können und nach und nach ihre Hausapotheke mit ätherischen Ölen bereichern können. Als erstes Öl würde ich das Lavendelöl empfehlen. Es wirkt Wunder bei Schnittwunden, Insektenstichen, kleinen Verbrennungen und Hautunreinheiten. Ein Tropfen aufs Kopfkissen verbessert die Schlafqualität, fünf Tropfen im Fussbad vertreiben Stress und vermischt mit Mandelöl ergibt sich ein ausgleichendes Körperöl, mit dem man die Herzgegend massieren kann bei Bluthochdruck und nervösen Herzbeschwerden.

Die Aromatherapie ist angesiedelt bei der Pflanzenheilkunde und gehört damit zu den Wurzeln der klassischen westlichen Medizin. Natürlich ist es schön und stimmungsvoll, wenn Sie in der dunklen Jahreszeit ein Duftlämpchen aufstellen und sich ein zartes Aroma in Ihren Räumen ausbreitet. Doch die natürlichen ätherischen Öle können weit mehr. Man darf sie auf der Haut anwenden, in ihnen baden und teilweise sogar einnehmen. Wenn das trübe Wetter auf die Stimmung drückt, kann zum Beispiel die Bergamotte für Leichtigkeit sorgen. Die Bergamotte ist eine Kreuzung aus Zitrone und Bitterorange. Ihr Duft wirkt antidepressiv, angstlösend und entspannend auf das Nervensystem. Der Earl-Grey-Tee verdankt sein Aroma der Bergamotte und auch die Parfümindustrie bedient sich immer wieder dieses frischen, erhellenden Duftes. Natürliches Bergamottöl lässt sich sogar in der Küche verwenden: Sie können einen Tropfen in den Biskuitteig geben oder einen Quarkkuchen aromatisieren, wenn Sie keine Zitronenschale zur Hand haben.

Die Geranie, die rosenartig süss duftet, verschafft als Raumduft eine harmonische Atmosphäre und unterstützt im Sitzungszimmer die Kommunikationsfähigkeit. Als Hautöl, vermischt mit einem Trägeröl, zum Beispiel Mandelöl, wirkt die Geranie hormonausgleichend bei Wechseljahrbeschwerden oder PMS. Hierzu trägt man das Massageöl auf den Unterbauch und den Nacken auf. Das Öl kann zudem entzündungshemmend wirken bei rheumatischen Gelenkproblemen und Arthritis. Des Weiteren wirkt es pilzhemmend und regenerativ auf die Leberzellen. Pur darf man die Geranie bei Akne auftragen.

Das Schöne bei der Wahl des richtigen Öles ist, dass man der Nase nach gehen kann. Falls Sie bereits ein Buch zur Aromatherapie zu Hause haben, suchen Sie sich zu Ihrem Thema ein paar Öle heraus und schnuppern Sie im Fachgeschäft daran. Entscheiden Sie sich für jenes, in das Sie am liebsten hineinliegen möchten. Wenn Sie hingegen einen Duft als unangenehm empfinden, ist er nicht der richtige für Sie. Und so wenden Sie die Düfte an:

  • Fussbad: Eine Handvoll Meersalz mit dem Öl beträufeln und dann ins warme Wasser geben.
  • Für unterwegs: Ein Tropfen auf ein Taschentuch geben und immer wieder vor die Nase halten.
  • Einreibungen: Zwei bis drei Tropfen in eine Bodylotion mischen. Auf die schmerzende Körperstelle reiben.
  • Körperöl: Auf 50 ml Mandelöl je nach gewünschter Intensität 10 bis 20 Tropfen ätherisches Öl geben.

Selbst wenn Sie einen Duft für die Anwendung in der Duftlampe auswählen, lohnt es sich, ein 100 Prozent natürliches ätherisches Öl zu wählen, das es im Fachhandel und in Aromaläden zu kaufen gibt. Denn wer weiss, vielleicht passt der Duft genau zu einem körperlichen Thema, das Sie umtreibt. Es gibt keine Zufälle bei der Wahl von Düften. Was Sie im Raum mögen, hilft oft auch als Einreibung, Fussbad oder Hautöl

Sabine Hurni
arbeitet als Naturheilpraktikerin und Lebensberaterin in Baden, wo sie auch Ayurveda-Kochkurse, Lu Jong und Meditationskurse anbietet.

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