… Ingwer, das Multitalent

Winterzeit ist Ingwerzeit. Die Ingwerwurzel (Zingiber officinale) ist eine alte Arzneipflanze, die schon im Altertum über arabische Händler und portugiesische Seeleute nach Europa gelangte. Seit einigen Jahren erleben wir hierzulande einen wahren Ingwer-Hype. Besonders in den Wintermonaten ist der scharfe Wurzelstock nicht aus dem Alltag wegzudenken, denn als Tee oder Gewürz bringt er Wärme in den Körper und lindert Erkältungskrankheiten. Ursprünglich kommt der Ingwer aus Südostasien, wo er bis heute in zahlreichen Gebieten kultiviert wird.

Als frische oder getrocknete Heil- und Gewürzpflanze verwendet man den unterirdischen Teil der Pflanze, das Rhizom. Die Wirkung der beiden Verwendungsformen ist jedoch nicht ganz identisch: Grundsätzlich wirkt die frische Wurzel etwas stärker und erhitzender als das Pulver. Frischer Ingwer hat eher austrocknende Eigenschaften, weshalb er ideal ist, um verschleimte Atemwege bei Husten und Schnupfen zu lösen und den Stoffwechsel bei Übergewicht anzuregen. Das Pulver hingegen wirkt auf den Körper befeuchtender und reizt die Schleimhäute weniger. Wer also Magen-Darm-Probleme behandeln möchte oder allgemein eher zu Trockenheit im Körper neigt, ist mit dem Pulver auf der sicheren Seite. Am besten hat man beide Varianten zu Hause vorrätig. Der frische Ingwer enthält um die 400 Inhaltsstoffe, wie eine Studie aus Texas ergab. Der scharfe Geschmack ist sechs verschiedenen Scharfstoffen zuzuschreiben, allen voran dem Gingerol und dem Shogaol. Sie sind für die breite Wirkung des Ingwers zuständig. Beim Trocknen und Kochen zersetzt sich das Gingerol, weshalb der getrocknete Ingwer etwas milder ist. Generell wirkt Ingwer entzündungshemmend, antibakteriell, antiviral und antioxidativ. Er erweitert die Blutgefässe, stärkt das Herz und fördert die Durchblutung. Er hilft, Übelkeit zu lindern, sei es jene am Anfang der Schwangerschaft, jene bei Reisekrankheit oder jene, die als Begleiterscheinung einer Chemotherapie entstehen kann. Zudem verwendet man Ingwer seit jeher zur Behandlung leichter krampfartiger Magen-Darm-Beschwerden, Blähungen und Flatulenz. Seine scharfe Wirkung hilft dabei, die Fettverbrennung beim Abnehmen anzukurbeln, die Blutfettwerte nach unten zu korrigieren, allgemein den Stoffwechsel anzuregen und die Verdauungsleistung zu verstärken. Ingwer hat sogar eine schmerzstillende Eigenschaft und lindert Schwellungen und Entzündungen bei rheumatischen Erkrankungen.

Der Ingwer, den wir in der Schweiz kaufen können, stammt mehrheitlich aus China oder Peru. Da selbst der Bio-Ingwer aus China oft, wenn auch nicht so stark wie der herkömmliche, mit Pestiziden belastet ist, greift man lieber zur etwas teureren Ware aus Peru. Inzwischen gibt es vereinzelt sogar Schweizer Ingwer in der Auslage. Auch wenn dieser etwas teurer ist, lohnt es sich, die pestizidärmste Variante zu wählen, denn schälen sollte man die Ingwerwurzel auf keinen Fall. Die wirksamen Inhaltsstoffe, die Scharfstoffe, befinden sich direkt unter der Schale. Raffelt man sie weg, nimmt die Wirkung des Ingwers ab. Wenn Sie Lust haben, können Sie versuchen, die Pflanze selbst zu züchten. Einfach eine Wurzel nicht zu tief in einen Topf Erde legen und regelmässig giessen. Bald spriessen die ersten Triebe und ein halbes Jahr später können Sie den Ingwer ernten.

Ob regelmässig zum Kochen verwendet, als fertige Zubereitung in Form von Kapseln oder als Teeabkochung – der Verwendung von Ingwer sind keine Grenzen gesetzt. Bei Erkältung und Husten empfehle ich jeweils das Ingwerwasser. Hierzu füllen Sie einen Liter Wasser in einen Kochtopf, geben ca. ein daumenbreites Stück Ingwer, in Scheiben geschnitten, dazu und lassen das Wasser 10 Minuten köcheln. In eine Thermosflasche füllen und in kleinen Schlucken trinken. Wer unter Appetitlosigkeit und träger Verdauung leidet, darf sich eine Scheibe Ingwer abschneiden, etwas Salz darüber streuen und als kleinen Aperitif vor der Mahlzeit kauen. Bei Übelkeit während Schwangerschaft, Reise oder Chemo knabbert man über den Tag verteilt Ingwerscheiben und als Rezept gegen Kältegefühl gibt man drei Teelöffel Ingwerpulver in einen Teebeutel, verschliesst ihn gut und gibt ihn ins einlaufende Badewasser. Für ein Fussbad reicht ein Teelöffel Pulver. Wer an hohen Blutfettwerten leidet, kocht regelmässig mit Ingwer oder trinkt täglich vor den Mahlzeiten eine Tasse Ingwerwasser. In alten Rezepten wird Ingwer auch äusserlich verwendet. Zum Beispiel ein stark aufgebrühter Ingwerteeaufguss als Kompresse bei Gelenkschmerzen und Rheuma. Oder auch verrührt mit heissem Wasser als Pastenumschlag gegen schmerzende Gelenke.

Die Liste könnte beliebig verlängert werden. Es gibt sogar Studien, die darauf hinweisen, dass Ingwer in der Krebsprävention und in der Krebstherapie als Zellschutz helfen kann. Ich kann Sie deshalb nur ermuntern: Greifen Sie täglich zu Ingwer. Er passt wunderbar zu gekochten Karotten, harmoniert mit Knoblauch, Kurkuma und Zimt, und bereichert einfach jedes Gericht, ohne dessen Eigengeschmack zu stark zu verändern. Seien Sie mutig und kreativ – beim Kochen kann man keine Fehler machen, nur Erfahrungen.

Zurück zum Blog