Naturnah und alltagsfern: Ferien auf dem Campingplatz

Die Einen wissen seit Jahrzehnten um die entschleunigende Wirkung. Andere sind durch die Pandemie darauf gekommen. Fest steht: Ferien auf dem Campingplatz erleben gerade eine Blütezeit – auch, weil die Betreiber mit der Zeit gegangen sind.

Anita Suter

 

Alles campt. Zwischen 2016 und 2022 sind die Übernachtungen auf Schweizer Campingplätzen um sagenhafte 74 Prozent angestiegen. Spitzenreiter war das Jahr 2021. Über eine Million Übernachtungen hat allein der TCS als grösster Campingplatzbetreiber des Landes im zweiten «Corona-Jahr» auf seinen 24 (heute 25) Plätzen verbucht. Der Trend hält an. Auch jetzt, wo Reiseeinschränkungen nur noch als schwammige Erinnerung im Gedächtnis haften, die Reisewege in die weite Welt längst wieder offen sind. «Die Schweiz ist und bleibt mit ihrer üppigen Natur ein perfektes Ferienland», hält Oliver Grützner, Leiter Tourismus und Freizeit TCS fest.

Nach einer Wanderung die Füsse in den plätschernden Bergbach zu strecken, einen Spaziergang im schattigen Wald zu unternehmen oder zur Erfrischung in den See zu springen – all das klingt zu Zeiten, in denen die Temperaturen in den südlichen Ferienländern immer öfters weit über das Angenehme hinausklettern, noch attraktiver. All das lässt sich allerdings auch in Form von Tagesausflügen oder bei einem komfortablen Hotelaufenthalt erkunden. Weshalb sich also mit Zeltstangen und unbequemen Mätteli herumschlagen?

 

Der «Alltagshetze» entrinnen

«Mittendrin statt nur dabei», lautet die Antwort. Wer in der Natur lebt und schläft, kommt ihr ungeheuer nahe. Der Tagesrhythmus orientiert sich immer mehr an jenem der Sonne, zum Aufwachen gibt es Vogelgezwitscher statt Handywecker, zum Einschlafen musizieren die Grillen statt die Nachbarn.

Ferien auf dem Campingplatz sind ein weg vom urbanen Alltag und ein hin zum Freiluftdasein – ohne dabei auf die Annehmlichkeiten einer eigenen Unterkunft verzichten zu müssen. Kommt hinzu: Campingferien sind längst nicht mehr nur Zelt und Mätteli.

Dass der TCS heuer sein 75-jähriges Jubiläum als Campingplatzbetreiber feiert, zeigt: Neu ist unser Verlangen nach ebendieser Art von Auszeit nicht. «Der Wunsch, der Alltagshetze zu entrinnen, lässt sich in einem Satze ausdrücken: zurück zur Natur!», steht im Vorwort des ersten TCS-Campingführers von 1950 geschrieben. Was schon vor einem Dreiviertel Jahrhundert (und somit in einer Zeit vor Handy- und Computerbildschirmen) für einen Campingaufenthalt sprach, tut es auch heute noch. Nicht zuletzt angesichts eines steigenden ökologischen Bewusstseins was Fern- und vor allem Flugreisen betrifft. Dabei haben just diese dem Campingtrend einst einen Dämpfer verpasst.

 

Pauschalreisen und Billigflüge statt Camping

Auf einen fulminanten Start nach der Gründung – die Anzahl der TCS-Campingplätze, Club-Mitglieder und Logiernächte stiegen in den ersten Jahren rasant – folgte Mitte der 60er-Jahre erstmals eine Baisse. Ein Grund war das Aufkommen von Wohnmobilen, wofür die auf «Zeltler» ausgerichteten Plätze schlicht nicht ausgelegt waren. Und als mit den 80er-Jahren ferne Destinationen und Städtetrips dank Pauschalreisen und Billigflügen immer verfügbarer und erschwinglicher wurden, hatten Campingplatzanbieter das Nachsehen.

 

Gerüstet für Vanlife und Glamping

Nun ist Camping wieder in. Dazu beigetragen haben auch die Bemühungen der Platzbetreiber, sich den wandelnden Bedürfnissen ihrer Klientel anzupassen. Beim TCS etwa gehören Stellplätze mit Strom und Wasser für Campervans längst genauso zum Standard wie Wifi und ein überarbeitetes kulinarisches Angebot.

«Wir stellen auch fest, dass unsere Glamping-Unterkünfte ein neues Publikum anziehen», sagt Oliver Grützner. Camping mit Glamour-Faktor gibt es mittlerweile in den unterschiedlichsten Ausführungen, vom Wohnfass bis zum Edelzelt mit Terrasse. Sie eignen sich für Gäste, die ohne eigenes Zelt oder Camping-Fahrzeug anreisen und nicht auf Komfort verzichten möchten. «Beliebt sind etwa unsere AirLodges in Sion oder die Geopods in Scuol» erzählt Grützner. Beide bieten vom bequemen Bett aus freien Blick in den Sternenhimmel. Worin genau das individuelle Campingplatz-Glück liegt, bleibt Jeder und Jedem selbst überlassen. Es gibt Ganzjahrescampings, speziell familien- oder haustierfreundliche Plätze, solche am See, solche in den Bergen, mit oder ohne Animation. Und auf der Alp Nagens, oberhalb von Laax, da steht über die Sommermonate hinweg sogar ein ganzes Pop-Up-Glamping-Dorf – Speichersee zum Baden und grandioses Bergpanorama inklusive.

www.tcs-camping.ch

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