Entspanntes Eintauchen
Seit der Antike geniessen die Menschen das Baden im Thermalwasser. Kein Wunder, schliesslich wirkt der Besuch in der Therme nicht nur entspannend, sondern tut auch der Gesundheit gut.
Blanca Bürgisser

Besonders in der römischen Antike stand der Besuch von Badeanlagen hoch im Kurs. Die Römer*innen haben die Badestätten zwar nicht erfunden, doch der Bau von Aquädukten und die damit verbundene Verfügbarkeit von frischem und sauberem Wasser trugen dazu bei, dass die Anzahl Thermen stark anstieg.
Ein weiterer Faktor dafür war die Erfindung der Bodenheizung, die warmes Wasser erstmals auch ausserhalb natürlicher Thermalquellen ermöglichte. Während wir heute Thermen zur Erholung aufsuchen, ging es den Römer*innen mehr um die Sauberkeit. Denn die meisten von ihnen konnten sich kein eigenes Bad leisten. Da fast alle am Ende des Tages die Badeanlagen aufsuchten, entwickelten sich diese auch zu sozialen Treffpunkten.
Natürliche Wärme
Doch nicht jede Bade- und Wellnessanlage ist eine Therme. Als Thermalquellen gelten nur Quellen, bei denen Wasser austritt, das wesentlich wärmer ist als das Grundwasser. In der Schweiz hat das Grundwasser je nach Ort eine Temperatur von 5 bis 15 Grad, um als Thermalquelle zu gelten, muss das austretende Wasser deshalb eine Temperatur von mindestens 20 Grad aufweisen. Das Wasser wird erhitzt, wenn es durch sehr tiefe Gesteinsschichten fliesst.
Ihre wohltuende Wirkung verdanken Thermalbäder jedoch nicht nur der Wärme, sondern auch dem hohen Mineralgehalt. Die Mineralien löst das Wasser beim Fliessen durch die tiefen Erdschichten aus dem Gestein. Das mineralreichste Wasser der Schweiz fliesst aus den 18 heissen Quellen in Baden im Kanton Aargau. Es ist reich an Eisen, Jod, Schwefel, Zink und Magnesium.
Schadstoffe Ade
Eine Studie unter der Leitung von Babak Bahadori, Facharzt für Innere Medizin am Landesklinikum St. Pölten, hat gezeigt, dass während des Bades in einer Therme der Kortisol-Pegel sinkt und die Menschen danach entspannter sind.
Ausserdem steigt durch das warme Wasser die Körpertemperatur um rund zwei Grad an, wodurch der Stoffwechsel angeregt wird. Dies sorgt dafür, dass die Nieren mehr Harn produzieren, wodurch mehr Schadstoffe aus dem Körper gespült werden. Thermalwasser soll zudem bei rheumatischen Erkrankungen Linderung bieten, denn durch die Wärme entspannen sich die Gelenke. Die Wärme lockert auch die Muskeln, wodurch sich Verspannungen lösen können. Aufgrund der Hitze sollte man nicht zu lange im heissen Wasser bleiben. Es empfehlen sich rund 20 Minuten am Stück.
Verschiedene Wasser
Doch nicht jede Therme ist gleich. Je nach enthaltenen Mineralien unterscheidet sich die Wirkung:
- Sole-Thermen: Dank des Salzgehalts von mindestens 1,5 Prozent und des damit verbundenen Auftriebs soll Solewasser die Gelenke entlasten und bei Rheuma sowie anderen Gelenkerkrankungen helfen. Zudem kann das Bad bei Atemwegserkrankungen helfen, da die feinen Salzpartikel in die Bronchien eindringen und dort entzündungshemmend, antibakteriell und schleimlösend wirken.
- Schwefel-Thermen: Dank der entzündungshemmenden Wirkung von Schwefel kann ein Schwefelbad bei Hautleiden wie Akne, Neurodermitis oder Psoriasis unterstützen. Zusätzlich soll es Linderung bei rheumatischen Beschwerden schaffen.
Vier Schweizer Thermalbäder

47, Baden
Den Namen verdankt die Therme dem 47 Grad heissen Wasser, das aus der Badner Quelle fliesst. Dank der Wärme kann das Wasser in Innen- und Aussenpools genossen werden. Nach dem Besuch lohnt sich ein Spaziergang durch Baden, wo das schwefelhaltige Wasser sogar gekostet werden kann.

7132, Vals
Die Therme 7132 ist nicht nur wunderbar zum Entspannen, sie ist auch optisch ein Hingucker: Architekt Peter Zumthor hat sie aus 60 000 Platten Valser Quarzit erbaut. Das 32 Grad warme Wasser stammt übrigens aus derselben Quelle wie das Valser Wasser.

Leukerbad
Leukerbad bietet gleich drei öffentliche Thermen. Das natürliche Quellwasser entsteht durch versickertes Bergwasser. Bis dieses Wasser wieder an die Oberfläche gelangt, dauert es etwa 40 Jahre.
Tamina Therme, Bad Ragaz
Seit über 700 Jahren ist das Wasser aus der Tamina Quelle das Fundament einer heilenden Badetradition. Das Thermalbad liegt eingebettet in das Grand Resort Bad Ragaz und entspricht dem Resort in der eleganten Architektur mit luftig hohen Decken, weiss lackiertem Fichtenholz sowie 115 anmutenden Säulen. Das Bad kann auch ohne Hotelaufenthalt besucht werden.
