Blütenzauber über dem Vierwaldstättersee

Frühjahr ist Blütezeit. Umso mehr, wenn die Rede vom Bergfrühling ist. Auf dem Blumenpfad der Rigi zeigt sich das Geschehen nicht nur in voller Pracht, sondern auch noch sorgfältig beschildert. Das ist Freiwilligen wie Luzia Winter zu verdanken.

Anita Suter

Als wir uns an einem Nachmittag im späten April mit Luzia Winter von Pro Rigi treffen, ist deren Name noch etwas mehr Programm, als uns lieb ist. Kurz zuvor hat Frau Holle nochmal ihre Decken ausgeschüttelt. Anders als unten am Vierwaldstättersee, wo es schon ordentlich spriesst und blüht, finden sich hier in Rigi Kaltbad auf gut 1400 Metern Höhe Schneeteppiche statt Blütenzauber. «Aber in einem Monat wird hier vieles farbig leuchten», ist sich die gebürtige Weggiserin sicher. Sie muss es wissen; zeichnet sie sich doch seit 12 Jahren für den Blumenpfad Rigi mitverantwortlich.

800 Tafeln für 170 Blumenarten

Noch aber ist es nicht so weit. Darum sind auch die rund 800 Täfelchen, die Luzia Winter mit Hilfe ihres Mannes und einer weiteren Angehörigen des Vereins Pro Rigi jedes Jahr aufs Neue entlang des 4,4 Kilometer langen Blumenpfads aussteckt, noch im Winterschlaf. Alphabetisch geordnet warten sie im Gebäude der Seilbahnstation auf ihren Einsatz. Vom gewöhnlichen Hornklee über den zum verwechselnd ähnlichen schopfigen Hufeisenklee bis hin zur Rigi Rolle (auch als Europäische Trollblume bekannt): rund 170 verschiedene Blumen, die mit den Infotafeln gekennzeichnet werden, muss Luzia Winter dafür kennen. Nicht wenige davon sind ausser auf der Rigi kaum mehr irgendwo zu finden. Nein, eine Lieblingsblume könne sie nicht benennen, sagt sie nach kurzem Überlegen. Und fügt erklärend an: «Ich finde jede Blume spannend. Man muss sich einfach die Zeit nehmen und mal genau hinschauen. Es ist nämlich unglaublich, wie wundervoll sie konstruiert sind!»

Pflücken ist tabu

Von Mitte Mai bis Mitte August sei sie zwei- bis dreimal pro Woche unterwegs, um neu entfaltete Blüten zu markieren. «Ah, da kommt die Sumpfdotterblume», hält die versierte Pflanzen-Spotterin bei unserem noch winterlich angehauchten Spaziergang auf dem Blumenpfad inne. «Und das hier ist ein Spitzwegerich. Der hilft bei Blasen an den Füssen.» Durch ihre Leidenschaft für die hiesige Blumen- und Kräuterwelt hat sich die Blumenpfad- Verantwortliche viel Wissen angeeignet. Von der Idee, deshalb etwas zu pflücken und mitzunehmen distanziert sie sich umgehend. «Auf der Rigi herrscht allgemeiner Pflanzenschutz», erklärt sie. Und das gelte es auch an die Besucher*innen zu vermitteln, die ob der auf dem Berg herrschenden Blütenpracht versucht sein könnten, etwas davon mitzunehmen. «Natürlich meint man, die paar Blümchen, die man pflücke fallen ja nicht ins Gewicht», sagt Luzia Winter. «Aber was ist, wenn an einem schönen Sonntag 3000 Leute hier hochkommen und alle eine Blume mitnehmen.»

Im Namen von Pro Rigi leistet sie somit also auch Präventionsarbeit. «Ich habe das Gefühl, seit wir die Blumen mit Tafeln versehen, reissen die Leute viel weniger aus. Nur schon dafür lohnt es sich doch.» Der schönste Lohn für ihre Arbeit aber sei die Wertschätzung, die ihr entgegengebracht werde. Von Einheimischen wie von Auswärtigen. «Wenn ich mit den Tafeln unterwegs bin, werde ich oft darauf angesprochen», erzählt sie. Das seien jeweils schöne, mitunter auch lustige Begegnungen. «Ein Herr meinte einmal lachend, er habe sich all die Jahre gefragt, wie die Blumen jeweils genau bei der richtigen Tafel zu wachsen wüssten», lässt sie eine Anekdote aufleben. Man notiere: Die Tafel kommt zur Blume, und nicht etwa umgekehrt.

Rigi Blumenpfad

Ausgehend von Rigi Kaltbad (erreichbar per Zahnradbahn ab Vitznau und Goldau oder per Luftseilbahn ab Weggis) führt der Blumenpfad in zwei Richtungen; entweder auf dem Panoramaweg zum Felsenweg oder zum Aussichtspunkt Chänzeli und weiter nach Rigi Staffel.

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