Wo sind all die Haare hin?

Beim Bürsten bleibt mehr im Kamm hängen, im Waschbecken sammeln sich die Haare – und plötzlich fällt es auf: Es wird weniger auf dem Kopf. Haarausfall ist meist ein Hinweis des Körpers, dass er aus dem Gleichgewicht geraten ist. Unter anderem können Hormonumstellungen, Stress oder Nährstoffmangel Haarwurzeln angreifen und zu Haarausfall führen. Stärken Sie Ihre Haare frühzeitig mit spezifischen Heilpflanzen, lokalen Pflegeanwendungen und einer ausgewogenen Ernährung.

Laura Columberg

Wie zeigen sich Ihre Haare aktuell? Wirken sie kräftig und voll oder bemerken Sie zunehmend Haare in der Bürste, im Waschbecken oder auf dem Kopfkissen? Haarausfall betrifft Frauen wie Männer, und beginnt oft unauffällig. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass ein gewisser Haarverlust völlig normal ist. Im Durchschnitt verliert ein Mensch täglich zwischen 50 und 100 Haare. Dieser natürliche Prozess gehört zum Haarzyklus, der zwischen zwei und sieben Jahren andauert. Dabei fallen alte Haare aus und neue wachsen nach.

Auch die Jahreszeiten können einen Einfluss auf den Haarzyklus haben. Viele Menschen beobachten insbesondere im Herbst oder im Frühjahr einen vermehrten Haarausfall. Dieses Phänomen ist tatsächlich bekannt: Ähnlich wie bei Tieren unterliegt auch das menschliche Haarwachstum saisonalen Schwankungen. So treten im Spätsommer vermehrt Haare in die sogenannte Ruhephase (Telogenphase) ein und fallen einige Wochen später aus.

Ein möglicher Erklärungsansatz liegt darin, dass das Haar im Sommer eine schützende Funktion für die Kopfhaut übernimmt und in dieser Zeit dichter ist. Mit dem Wechsel in die dunkleren und kälteren Monate werden vermehrt ältere Haare abgestossen. Dabei handelt es sich um einen natürlichen, vorübergehenden Prozess, der sich innerhalb von zwei bis drei Monaten von selbst reguliert und keinen Grund zur Sorge darstellt. Wenn der Haarausfall jedoch über das normale Mass hinausgeht – also deutlich mehr als 100 Haare pro Tag verloren gehen, lichte Stellen auf der Kopfhaut oder kreisrunde Löcher erkennbar werden, spricht man von behandlungsbedürftigem Haarausfall.

Häufige Formen des Haarausfalls (Alopezie)

  • Erblich bedingter Haarausfall (Androgenetische Alopezie): Häufigste Form bei Männern, sichtbar durch Geheimratsecken und Ausdünnung am Hinterkopf. Bei Frauen seltener, diffuse Ausdünnung im Scheitelbereich. Entwickelt sich langsam über Jahre. Mögliche Ursache: genetisch bedingte Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber Dihydrotestosteron (männliches Sexualhormon).
  • Diffuser Haarausfall: Gleichmässige Ausdünnung über die gesamte Kopfhaut. Vermehrter Haarverlust beim Waschen oder Kämmen. Mögliche Ursachen: Infekte, Stress, hormonelle Veränderungen, Nährstoffmangel oder Medikamente.
  • Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata): Plötzlich auftretende, klar abgegrenzte kahle Stellen. Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem Haarfollikel angreift. Mögliche Ursachen: genetische Faktoren, Stress.
  • Mechanisch bedingter Haarausfall (Traktionsalopezie): Durch mechanische Belastung, straffe Frisuren wie Pferdeschwanz und Dutt. Typisch Haarverlust an Stirn und Schläfen. Frauen häufiger betroffen.
  • Vernarbender Haarausfall: Seltene, meist irreversible Form. Haarfollikel werden durch Entzündungen zerstört und durch Narbengewebe ersetzt. Haare wachsen nicht mehr nach. Kopfhaut wirkt glatt, glänzend, oft Juckreiz oder Schmerzen. Mögliche Ursachen: Hauterkrankungen, Infektionen, Verletzungen.

Es gibt viele verschiedene Formen von Haarausfall. Hier werden aus Platzgründen einige der häufigsten Formen genannt. Lassen Sie sich bei Verdacht auf Haarausfall von einer gesundheitlichen Fachperson umfassend beraten.

Tipps und Tricks für gesundes Haar

Aus naturheilkundlicher Sicht wird Haarausfall nicht isoliert betrachtet, sondern als Zeichen dafür, dass der Körper aus dem Gleichgewicht geraten ist. Daher lohnt sich nebst der lokalen Behandlung auch die innerliche Stärkung. Besonders häufig stehen hormonelle Veränderungen, chronischer Stress, Immunschwäche oder eine unzureichende Nährstoffversorgung im Zentrum, die die Durchblutung der Kopfhaut reduzieren, wodurch die Haarwurzel schlechter versorgt wird.

Für gesundes Haar sind folgende Nährstoffe wertvoll, da sie direkt an der Bildung und Erhaltung der Haarstruktur beteiligt sind: Biotin (Vitamin B7) spielt eine zentrale Rolle beim Zellstoffwechsel in den Haarfollikeln und kommt reichlich in Eiern, Nüssen und Vollkornprodukten vor. Eisen unterstützt die Sauerstoffversorgung der Haarwurzel. Gute Eisenquellen sind rotes Fleisch, Hülsenfrüchte, Goldhirse, Randen und grünes Blattgemüse. Zink ist am Aufbau von Keratin beteiligt, dem Hauptbestandteil des Haares, und steckt unter anderem in Kürbiskernen, Käse und Vollkornprodukten. Vitamin E wirkt als Antioxidans, schützt die Haarfollikel vor oxidativem Stress und ist in Sonnenblumenkernen, Mandeln und Avocados enthalten. Zudem tragen Omega-3-Fettsäuren, wie sie in fettem Fisch oder Leinsamen vorkommen, zur Gesundheit von Kopfhaut und Haarfollikeln bei. Reicht die Versorgung dieser Nährstoffe über die Ernährung nicht mehr aus oder wird ein Mangel diagnostiziert, kann Supplementierung sinnvoll sein. Im Fachhandel finden sich diverse Produkte in Tabletten- oder Kapselform, die ergänzend eingenommen werden können. Sinnvoll ist eine Mindesteinnahmedauer von drei bis sechs Monaten, um Veränderungen feststellen zu können.

Heilpflanzen für die Haare

Auch Heilpflanzen können das Haarwachstum unterstützen, indem sie die Durchblutung der Kopfhaut fördern, Entzündungen reduzieren oder die Haarfollikel stärken. Brennnessel (Urtica dioica) enthält Mineralstoffe wie Eisen und Kieselsäure, die die Haarwurzel nähren und die Kollagenbildung fördern, während Rosmarin (Rosmarinus officinalis) durch seine anregende Wirkung auf die Kopfhautdurchblutung und die enthaltenen ätherischen Öle, das Haarwachstum stimulieren kann. Sägepalme (Serenoa repens) wird vor allem bei hormonell bedingtem Haarausfall eingesetzt, da sie die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron hemmen. Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum) liefert Proteine, die die Haarstruktur stärken und die Kopfhaut pflegen.

Zusätzlich werden Schachtelhalm (Equisetum arvense) und Klettenwurzel (Arctium lappa) geschätzt: Schachtelhalm ist reich an Kieselsäure, die die Haarfestigkeit erhöhen kann, während Klettenwurzel durch enthaltene Bitterstoffe und Gerbstoffe das Haarwachstum unterstützen und Kopfhautprobleme reduzieren kann. Die Anwendung genannter Heilpflanzen kann lokal in Form von Einreibungen auf der Kopfhaut, aber vor allem innerlich erfolgen. Eine Fachperson in der Drogerie, Apotheke oder Naturheilpraxis kann Sie individuell beraten und Ihnen zum Beispiel eine Tinkturenmischung oder einen spagyrischen Spray zusammenstellen und Hinweise zur Dosierung geben.

Sanfte Pflege

Zusätzlich lohnt sich eine schonende Haarpflege. Beim Bürsten sollte man sanft und moderat vorgehen: Beginnen Sie an den Spitzen und arbeiten sich langsam in Richtung Ansatz vor, um Haarverlust durch mechanische Überbelastung zu vermeiden. Für Geschmeidigkeit können Sie ein Haaröl in die Spitzen einmassieren. Zudem empfiehlt sich das Bürsten bei trockenem Haar – da nasses deutlich bruchanfälliger ist. Wählen Sie Naturborsten zum Beispiel Wildschweinborsten, da diese schonender sind. Auch die Kopfhautpflege spielt eine wichtige Rolle: Regelmässige, sanfte Massagen fördern die Durchblutung der Haarfollikel und können so das Haarwachstum unterstützen. Dabei genügen 1–2 Minuten täglich, bei Bedarf lassen sich pflegende Öle wie Arganöl, Kokosöl oder Rosmarinöl einbeziehen. Es geht aber auch gut ganz ohne Öl, mit kreisenden Bewegungen der Fingerkuppen. Haarausfall beruht meist auf tieferliegenden Gründen und sollte achtsam und frühzeitig beachtet werden. Die lokale Behandlung reicht oft nicht aus, wenn ursprünglich verursachende Themen bestehend bleiben. Achten Sie Ihre Haare und tun Sie ihnen ab und an etwas Gutes. Schon Rapunzel wusste: Wer sanft bürstet, hat länger Freude an seiner Mähne. In diesem Sinne: auf gesunde Haare!

Laura Columberg

Dipl. Naturheilpraktikerin TEN mit eigener Praxis auf dem Bözberg/AG. Spezialisiert auf Frauen- und Kinderheilkunde. www.praxiscolumberg.ch

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