Wie Landschaften unsere Gesundheit stärken

Ein Spaziergang im Wald, eine Wanderung in den Bergen oder ein ruhiger 
Moment am See: Viele Menschen erleben die Natur als wohltuend und entspannend. Was lange eher als persönliches Gefühl galt, wird heute auch wissenschaftlich bestätigt. Natur kann Körper und Psyche stärken, Stress reduzieren und das Wohlbefinden verbessern.

Text und Bild: Martina Föhn, ZHAW


Gärtnerische Aktivitäten werden in der Gartentherapie eingesetzt, um die physische, psychische und soziale Gesundheit zu begünstigen.


Gleichzeitig entfernen sich viele Menschen immer mehr von natürlichen Lebensräumen. Die Städte wachsen, der Alltag findet oft in Innenräumen statt, und viele verbringen einen grossen Teil ihrer Zeit vor Bildschirmen. Forschende sprechen inzwischen von einer «Natur-Defizit-Störung». Gemeint ist damit nicht eine Krankheit, sondern die Beobachtung, dass fehlender Naturkontakt mit Stress, Erschöpfung, Konzentrationsproblemen und psychischen Belastungen zusammenhängen kann. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Natur unsere Gesundheit beeinflusst – und welche Landschaften besonders guttun.


Forschung zu Landschaft und Gesundheit

Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil untersuchte mit Unterstützung durch das Bundesamt für Umwelt (BAFU) von 2021 bis 2025, welche Landschaften und Aktivitäten besonders gesundheitsfördernd sind. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Naturnahe Landschaften wirken sich positiv auf die Gesundheit aus. Besonders Wälder, Gewässerlandschaften und Bergregionen fördern körperliches und psychisches Wohlbefinden. Sie helfen Menschen, Stress abzubauen, zur Ruhe zu kommen und neue Energie zu tanken.


Bewegung in der Natur stärkt Körper und Seele

Nicht nur die Landschaft selbst wirkt positiv. Auch die Aktivitäten, die Menschen in der Natur ausüben, fördern die Gesundheit.


Wandern – gesund für Körper und Psyche

Wandern zählt zu den gesündesten Freizeitaktivitäten. Es trainiert Herz und Kreislauf, stärkt Muskeln und Immunsystem und verbessert die Ausdauer. Studien zeigen ausserdem, dass Wandern Angstgefühle und Stress reduzieren kann. Viele Menschen erleben beim Wandern ein Gefühl von Freiheit und innerer Ruhe. Das Erreichen eines Gipfels oder eines Etappenziels stärkt zudem das Selbstvertrauen. Besonders in höheren Lagen passt sich der Körper an die dünnere Luft an. Dadurch können sich Atmung, Ausdauer und Leistungsfähigkeit langfristig verbessern.


Wandern in therapeutischer Begleitung trainiert nicht nur den Körper, sondern stärkt auch psychische Ressourcen und fördert Veränderungsprozesse nachhaltig.


Jogging, Velofahren und Nordic Walking

Jogging stärkt Herz und Lunge, verbessert den Stoffwechsel und senkt den Ruhepuls. Velofahren und Mountainbiken fördern ebenfalls Fitness und Konzentration. Schon kurze Fahrten können helfen, Stress abzubauen und den Kopf freizubekommen.

Nordic Walking verbindet Gehen mit dem Einsatz von Stöcken. Dadurch wird zusätzlich die Muskulatur des Oberkörpers trainiert. Gleichzeitig werden Gelenke entlastet und Verspannungen gelöst.


Winteraktivitäten und Wassersport

Auch Wintersportarten wie Skifahren oder Langlaufen haben positive Wirkungen. Besonders Langlaufen gilt als sehr effektives Ganzkörpertraining. Es verbessert Ausdauer, Kraft und Koordination. Wassersport und Schwimmen stärken Herz und Kreislauf, fördern die Beweglichkeit und wirken entspannend. Bewegung im Wasser kann Stress reduzieren und die Lebensqualität verbessern.


Natur als Therapie

Natur wird heute nicht nur zur Erholung genutzt, sondern auch gezielt in Therapien eingesetzt. Naturbasierte Therapieformen gewinnen deshalb in Gesundheits-, Sozial- und Bildungsberufen zunehmend an Bedeutung. Das ZHAW-Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen greift diese Entwicklung mit seinem CAS-Weiterbildungsangebot zu Wald-, Landschafts- und Gartentherapie auf. Die Weiterbildung richtet sich an Fachkräfte aus Gesundheits-, Sozial- und Naturberufen und vermittelt praxisnah, wie Wald, Natur und Gärten gezielt zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden eingesetzt werden können – von Waldbaden und Achtsamkeit im Wald bis zum therapeutischen Einsatz von Pflanzen und Therapiegärten.


Waldtherapie und Waldbaden

Beim Waldbaden und in der Waldtherapie geht es darum, den Wald bewusst mit allen Sinnen wahrzunehmen. Teilnehmende achten auf Geräusche, Gerüche, Licht und Farben. Studien zeigen, dass Aufenthalte im Wald Stresshormone senken, den Blutdruck reduzieren und das Immunsystem stärken können. Viele Menschen schlafen nach Waldaufenthalten besser und fühlen sich entspannter. Die ruhige Umgebung des Waldes hilft Kindern mit Aufmerksamkeitsproblemen, sich besser zu konzentrieren.


Gartentherapie

Gärtnern verbindet Bewegung, frische Luft und Naturkontakt. Gartenarbeit kann entspannen, die Stimmung verbessern und soziale Kontakte fördern. In der Gartentherapie arbeiten Menschen bewusst mit Pflanzen und Erde. Das Säen, Pflegen und Ernten vermittelt vielen ein Gefühl von Sinnhaftigkeit und Erfolg. Besonders ältere Menschen oder Menschen mit psychischen Belastungen profitieren von dieser Form der Therapie.


Tiergestützte Therapie und therapeutisches Klettern

Auch Tiere wie beispielsweise Hunde oder Pferde wirken oft beruhigend und fördern soziale Kontakte. Die sogenannte Hippotherapie nutzt die Bewegung des Pferdes gezielt für therapeutische Zwecke. Sie hilft Menschen mit neurologischen Erkrankungen, Gleichgewicht, Haltung und Beweglichkeit zu verbessern. Beim therapeutischen Klettern lernen Menschen, Herausforderungen zu meistern und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Klettern stärkt nicht nur Muskeln und Koordination, sondern auch Selbstvertrauen und Konzentration.



Ruhige Wasserflächen und Wälder haben nachweislich einen positiven Effekt auf die Wiederherstellung der Aufmerksamkeit.

 

Die besondere Wirkung von Bergen und Wäldern

Nicht nur die Aktivität selbst, sondern auch das Klima und die Umgebung beeinflussen unsere Gesundheit.


Gesundes Klima im Hochgebirge

Im Hochgebirge zwischen etwa 1000 und 3000 Metern Höhe ist die Luft besonders sauber, kühl und trocken. Gleichzeitig gibt es weniger Pollen, Hausstaubmilben und Schimmelpilze. Menschen mit Allergien, Asthma oder chronischer Bronchitis fühlen sich dort oft deutlich besser. Auch Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Psoriasis können durch die stärkere UV-Strahlung gelindert werden.


Das schonende Klima der Mittelgebirge

Mittelgebirge gelten als besonders schonende Landschaften. Die Temperaturen sind meist angenehm, und Wälder schützen vor Hitze und starkem Wind. Besonders ältere Menschen, kleine Kinder oder Menschen nach Krankheiten profitieren vom milden Klima.


In Achtsamkeitsübungen werden Pflanzen gezielt eingesetzt, um taktile Reize anzuregen und die bewusste Wahrnehmung über den Tastsinn zu fördern.

 

Warum Wälder so guttun

Wälder haben eine besondere Wirkung auf Körper und Psyche. Sie filtern Schadstoffe aus der Luft, speichern Feuchtigkeit und sorgen für ausgeglichene Temperaturen. Im Sommer ist es im Wald angenehm kühl, im Winter etwas wärmer als ausserhalb. 

Wind und Lärm werden gedämpft. Hinzu kommen die beruhigenden Sinneseindrücke: Vogelgesang, Blätterrauschen und der Duft von Holz, Erde und Harz wirken entspannend. Der weiche Waldboden schont die Gelenke und trainiert gleichzeitig Gleichgewicht und Koordination.


Natur mit allen Sinnen erleben

Natur wirkt nicht nur durch Bewegung und frische Luft. Auch Geräusche, Gerüche und Wasser beeinflussen unser Wohlbefinden.


Soundscapes – die Klangwelt der Natur

In einer «Soundscape» können Naturgeräusche wie Vogelstimmen, Wind oder Wasserrauschen Stress reduzieren und die Stimmung verbessern. Das Rauschen eines Bachs oder das Zwitschern der Vögel empfinden viele Menschen als beruhigend.


Smellscapes – Düfte der Landschaft

Der Begriff «Smellscape» beschreibt die typische Geruchswelt eines Ortes. Wälder riechen nach Holz, Harz und feuchter Erde, Wiesen nach Gras und Blumen. Solche Düfte können Erinnerungen wecken, Gefühle beeinflussen und ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln.


Bluescapes – die Kraft des Wassers

Besonders wohltuend wirken Landschaften mit Wasser – sogenannte «Bluescapes». Seen, Flüsse oder Wasserfälle fördern Erholung und Entspannung. Viele Menschen fühlen sich am Wasser ruhiger und ausgeglichener. Aktivitäten wie Schwimmen, Rudern oder Spaziergänge am Ufer stärken zudem die körperliche Gesundheit und fördern soziale Kontakte.


Natur als wichtige Ressource für die Zukunft

Die Forschung zeigt deutlich, wie wichtig Natur für unsere Gesundheit ist. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen unter Stress, Zeitdruck und Reizüberflutung leiden, werden naturnahe Räume immer wertvoller. Die Ergebnisse der ZHAW-Studie machen deutlich: Natur ist weit mehr als Freizeitkulisse. Sie ist eine wichtige Ressource für Gesundheit, Erholung und Lebensqualität. Wer regelmässig Zeit draussen verbringt, bewegt sich nicht nur mehr, sondern findet oft auch Ruhe, Ausgleich und neue Kraft. Schon einfache Naturerfahrungen, wie ein Spaziergang im Wald, eine Pause am Wasser oder eine Wanderung in den Bergen, können helfen, Körper und Seele zu stärken. Natur tut gut. Und vielleicht brauchen wir sie heute mehr denn je.


Natur als Berufsfeld mit Zukunft

Gesundheit mitgestalten – mit der Kraft der Natur.

Die ZHAW-Weiterbildungen CAS Gartentherapie und CAS Wald, Landschaft & Gesundheit qualifizieren Fachpersonen dafür, Natur gezielt in Gesundheitsförderung, Prävention und Therapie einzusetzen.

Profitieren Sie von praxisnahen Methoden, interdisziplinärem Wissen und neuen beruflichen Perspektiven in einem wachsenden Tätigkeitsfeld.

Entdecken Sie, wie Natur zum wirksamen Bestandteil Ihrer professionellen Arbeit werden kann.

www.zhaw.ch/iunr/wald-landschaft-gesundheit

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