Wenn der Körper dauerhaft Alarm schlägt
Wer mit chronischen Schmerzen lebt, zählt häufig nicht die Tage, sondern die guten Stunden. Schmerzen begleiten viele Betroffene über Monate oder sogar Jahre und beeinflussen den Alltag, den Schlaf und die Lebensqualität.

Chronische Schmerzen gehören heute zu den häufigsten Gründen für einen Arztbesuch. Die moderne Medizin verfügt über verschiedene Möglichkeiten, Menschen zu unterstützen. Dazu zählt in bestimmten Fällen auch Cannabis. Besonders häufig wird Cannabis bei neuropathischen Schmerzen eingesetzt. Dabei handelt es sich um Schmerzen, die durch eine Schädigung oder Fehlfunktion von Nerven entstehen. Betroffene beschreiben diese oft als brennend, stechend oder elektrisierend.
Auch Menschen mit Multipler Sklerose, Fibromyalgie, chronischen Rückenschmerzen, Arthrose oder tumorbedingten Schmerzen können gemeinsam mit ihren Ärzt*innen prüfen, ob Cannabis eine geeignete ergänzende Therapie darstellt. In der Palliativmedizin wird es ebenfalls eingesetzt, wenn es darum geht, die Lebensqualität schwerkranker Menschen zu verbessern.
Ärzt*innen können Cannabis verschreiben, ohne zuvor eine Ausnahmebewilligung des BAG einzuholen. Gleichzeitig haben sich spezialisierte Apotheken zu wichtigen Anlaufstellen entwickelt. Sie begleiten Patient*innen im Alltag und verfügen häufig über ein wertvolles Netzwerk von Ärzt*innen mit Erfahrung im Bereich Medical Cannabis.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die Frage, ob Schmerzen gelindert werden können. Viele Patient*innen berichten auch von einer verbesserten Schlafqualität, mehr Entspannung und einem erleichterten Umgang mit ihrem Alltag. Für manche Menschen bedeutet dies, wieder spazieren zu gehen, Freund*innen zu treffen oder eine Nacht besser schlafen zu können. Für viele Patient*innen stellt Cannabis eine wertvolle Ergänzung zu bestehenden Therapieformen dar. Die Behandlung erfolgt individuell und in enger Zusammenarbeit mit Ärzt*innen und Apotheker*innen.
Die Forschung entwickelt sich weltweit weiter und liefert laufend neue Erkenntnisse. Für viele Betroffene ist bereits die Aussicht auf einige schmerzärmere Stunden am Tag ein grosser Gewinn. Denn Lebensqualität beginnt oft genau dort, wo der Körper für einen Moment aufhört, ständig Alarm zu schlagen.
In der nächsten Ausgabe widmen wir uns der Rolle von Medical Cannabis bei Ängstlichkeit und innerer Unruhe.
Roger Urs Bottlang
Roger Urs Bottlang beschäftigt sich seit 30 Jahren mit Hanf – von medizinischer Anwendung bis zu Ernährung, Fasern und Innovationen. Im «natürlich» wird er in seiner Kolumne Einblick in die reiche Geschichte der Heilpflanze bieten, ebenso wie in ihre Nutzungsmöglichkeiten. Harmonius GmbH – natuerlich.hanf@gmail.com
