Venen – Transport­system des Blutes

Die Venen transportieren das Blut gegen die Schwerkraft der Erde von den Füssen bis ins Herz. Mit Bewegung, Temperaturreizen und einfachen Routinen können Sie das venöse System unterstützen.

Yvonne Rossel

Venen sind ein grandioses Röhrensystem des Körpers. Sie befördern 65 Prozent des Blutvolumens zurück zum Zentrum des Körpers, dem Herzen, das sind pro Tag rund 7000 Liter. Um diese wichtige Aufgabe zu bewältigen, sind die venösen Blutgefässe aus drei verschiedenen Gefäss-Schichten aufgebaut. Die äusserste Schicht besteht aus Bindegewebszellen, Fasern und Fettzellen. Sie beherbergt die versorgenden Nervenfasern. In der mittleren Schicht befinden sich glatte Muskelzellen, die eine regulierende Funktion auf die Gefäss-Spannung haben. Die innerste Schicht weist bei den Venen als Besonderheit Klappen auf, die als Ventil den Blutfluss Richtung Herz freigeben und so verhindern, dass das Blut zurück in die Peripherie läuft. Die Venen liegen etwas oberflächlicher als die Arterien und bilden mit ihren vielen Verzweigungen ein ausgedehntes Netz. Das Herz bringt den venösen Blutfluss zusätzlich mit einer Sogwirkung in Gang. Zudem ist die sogenannte «Skelettmuskelpumpe», also die Muskeln des Skeletts eine grosse Hilfe, das Blut Richtung Herz zu befördern. In der Peripherie, an Händen, Füssen und Beinen, sind die Venen viel dünner und das Blut fliesst sehr langsam. Mit Hilfe des Blutsystems werden sämtliche Körpergewebe mit wichtigen Nährstoffen aus dem Blut versorgt. Produziert der Körper jedoch aufgrund von Fehlernährung, Stress oder Krankheiten zu viel «Müll», den er über die Ausscheidungsorgane nicht ausreichend eliminieren kann, lagert das Blut die Stoffwechselabfälle sowie überschüssige Säuren und andere unerwünschte Substanzen im Gewebe ein. Mit der Zeit wird dieses Gewebe schlaff und es können sich Cellulite oder andere Beschwerden bemerkbar machen.


Wenn die Venen leiden

Leidet man an kleinen Besenreissern ohne Symptome, ist dies kein Grund zur Beunruhigung. Kommen andere Beschwerden dazu, empfiehlt es sich, besser hinzuschauen. Venenbeschwerden äussern sich meist in den Beinen. Die Venen sind mit sogenannten Klappen ausgestattet. Schliessen diese nicht mehr vollständig, spricht man von einer Venenklappeninsuffizienz. Die Ursache liegt meist in der Venenwandspannung: Ist diese ungenügend, verlieren die Venen ihre Kraft. Die Ränder der Klappen entfernen sich voneinander und das Blut fliesst nicht hinauf zum Herzen, sondern zurück zu den Füssen. Dieser Zustand dehnt die Venenwand zusätzlich auf, was zu Krampfadern führen kann. Wasser tritt ins Gewebe aus und die Füsse schwellen an. Häufig treten Venenbeschwerden in Zusammenhang mit wärmeren Temperaturen auf. Die Gefässe breiten sich aus und der gefragte Sogmechanismus wird schwächer. Die ersten Symptome sind ein Gefühl von schweren Beinen. Weiter kann sich ein ziehender Schmerz durch das ganze Bein entwickeln. Die Fesseln und Beine sind geschwollen, Juckreiz und Kribbeln machen sich bemerkbar. Sitzen und Stehen begünstigen das Leiden spürbar. Bewegung, ein erfrischendes Bad in kaltem Wasser oder das Hochlagern der Beine auf Herzhöhe, verbessern die Beschwerden augenblicklich, weil dadurch die Venenspannung, der Verschluss der Venenklappen und die Muskelaktivität zunehmen.


Gravierende Erkrankungen der Venen

Eine chronische Veneninsuffizienz kann sich mit der Zeit bis zu einem offenen Bein entwickeln. Die Venenwände sind so schwach, dass sich Gewebeschäden und Entzündungen entwickeln können. Die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung sind nicht mehr garantiert. Es entsteht eine offene Wunde, die sich mangels Durchblutung nicht mehr schliessen kann. Die Therapie einer solchen Wunde gehört in die Hände von Fachleuten.

Eine akute Gefahr ist die tiefe Beinvenenthrombose. Sie ist lokal sehr schmerzhaft und muss ärztlich behandelt werden. Da die Gefässwand geschädigt ist, kann sich ein Blutgerinnsel bilden. Unbehandelt kann sie zu einer Lungenembolie führen, da das Blutgerinnsel bis in die Lunge wandern und dort wichtige Atemwege verschliessen kann. Eine tiefe Venenthrombose kann auch in den Armen auftreten. Risikofaktoren sind mangelnde Bewegung zum Beispiel bei Operationen, Bettlägerigkeit oder Reisen, Rauchen, Übergewicht, Schwangerschaft oder Einnahme von Hormonpräparaten wie der Pille.


Die Venen im Alltag unterstützen

Wenn im Sommer vermehrt die Füsse aufschwellen, wenn sich die Beine nach langem Stehen schwer anfühlen oder wenn die Flugreise zur Tortur wird, ist es Zeit, den Venen im Alltag Sorge zu tragen. Erste Anzeichen von Venenbeschwerden können mit verschiedenen Grundsätzen der Lebensführung beeinflusst werden. Die Bewegung spielt eine zentrale Rolle. Bewegen Sie sich jeden Tag mindestens eine halbe Stunde. Zudem wird zwei- bis dreimal pro Woche ein leichtes Muskel-Training empfohlen. Betrachten Sie jede Treppe als willkommenes Venentraining, gehen Sie schwimmen, schliessen Sie sich einer Walking-Gruppe an. Auch Radfahren ist empfehlenswert und kräftigt die Muskelpumpe.

Eine morgendliche Massage mit einer Trockenbürste ist eine Wohltat, nicht nur für die Venen, sondern für den ganzen Körper. So geht’s: Bürsten Sie zuerst die Fusssohlen und den Rist, danach folgt eine kreisende Bürstenbewegung im Uhrzeigersinn, beginnend am äusseren Knöchel aussen und hinten die Beine hoch, anschliessend die Innen- und Vorderseite der Beine bürsten. Danach werden die Hände, Arme und Schultern in dieser Reihenfolge ebenfalls in kreisenden Bewegungen behandelt.

Des Weiteren erbringen Wasseranwendungen nach Sebastian Kneipp wahre Wunder. Sei es das Wassertreten in einer Kneippanlage, im kalten Bach oder der Beinguss unter der Dusche. Die Wasseranwendungen bringen den Kreislauf in Schwung, fördern die Durchblutung der Venen und stärken das Immunsystem. Am einfachsten ist es, die tägliche warme Dusche mit einem kalten Beinguss abzuschliessen, wofür Sie beim rechten Aussenknöchel beginnen und den Wasserstrahl zur Hüfte – oder mindestens bis zum Knie leiten, wieder runter zum Fuss und dann beim linken Bein genauso verfahren. Dies kann als Alltagsroutine wunderbar eingebaut werden. Wer anfällig ist auf Venenthemen, sollte die Bodenheizung tief wie möglich einstellen, da Wärme die Venen anschwellen lässt und sich die Beschwerden dadurch eher verstärken können.


Naturheilkunde bei Venenbeschwerden

Es gibt eine ganze Reihe von Heilpflanzen und Methoden, die das venöse System unterstützen und stärken können. Bei starken und wiederkehrenden Problemen mit den Venen lohnt sich die Konsultation in der Naturheilpraxis, wo unter Einbezug des Lymphsystems die Venen mit Massagen, Schröpftechniken oder einer Lymphdrainage auch manuell unterstützt werden können. Da eine Fachperson meist die Irisdiagnose anwendet, kann man gleichzeitig erkennen, ob auch andere Organe schwach arbeiten, die einen Einfluss auf die Venen haben. So zum Beispiel die Leber. Diese ist aus Sicht der Naturheilkunde am Aufbau des Blutes beteiligt. Eine Stärkung des Organes mit Hilfe von Leberwickeln oder Heilpflanzen kann bei einer Venentherapie sehr wertvoll sein.

Bekannte Pflanzen bei Venenbeschwerden sind die Rosskastanie (Aesculus Hippocastanum), der Steinklee (Melilotus officinalis), der Hamamelis (Hamamelis virginiana) und das Rote Weinlaub (Vitis vinifera rubra). Diese Pflanzen stabilisieren die Venengefässe, sind durchblutungsfördernd und antioxidativ. Sie sind in Form von Pflanzenpräparaten, Spagyrik oder Tinkturen erhältlich. Ebenfalls hilfreich sind kühlende Gels oder Lotionen, die diese Heilpflanzen enthalten. Sie wirken lokal und wenn man sie im Kühlschrank aufbewahrt, sind sie an heissen Tagen eine kühlende Wohltat. Am besten reiben Sie die Beine von unten nach oben mehrmals täglich ein. 

OPC (Oligomere Proanthocyanidine) können aus Traubenkernen oder der Pinienrinde gewonnen werden. Sie gehören zur Gruppe der Polyphenole, die als Antioxidantien bekannt sind. Pycnogenol enthält eine besonders hohe Konzentration an OPC. Im Zusammenhang mit Venenbeschwerden wird dieser Wirkstoff als Schutz der Blutgefässe verwendet. Zudem trägt er zur Elastizität der Gefässwände bei und haltet die Venen vor Ablagerungen frei. Dieser Wirkstoff wird in Form von Tabletten und Kapseln auf dem Markt als Nahrungsergänzungsmittel oder Medikament angeboten. OPC sind ausserdem in sämtlichen farbigen Gemüsesorten, Obst, Früchten und Beeren enthalten. Essen Sie so farbenfroh wie nur möglich!

Einfach in der Anwendung, zum Auflösen im Trinkwasser, sind die Mineralsalze nach Dr. Schüssler. Für die Elastizität der Gefässe empfiehlt sich die Nr. 1 (Calcium Fluoratum). Zur Verbesserung der Fliesseigenschaften des Blutes die Nr. 4 (Kalium Chloratum) und Nr. 8 (Natrium Chloratum), die Nr. 10 (Natrium Sulfuricum) bei Wasseransammlungen im Gewebe, Nr. 18 (Calcium Sulfuratum) können entsäuernd und ausleitend wirken und so die Venen stärken. 

Ich persönlich arbeite sehr gerne mit Knospenpräparaten, da sie einfach in der Anwendung sind und den Körper sehr gut unterstützen können. Einzeln oder als Mischung. In der Gemmo-Knospentherapie wirkt die Edelkastanie anregend auf den Lymphfluss und erhöht den Tonus der Venenwände. Der Haselstrauch und die Weinrebe stärken die venöse Durchblutung, die Heidelbeere die Durchblutung in den feinsten Blutgefässen und Cassisknospen werden immer dann eingesetzt, wenn akute Entzündungen vorliegen. 

All diese Anwendungen sind auch bei Hämorrhoiden anwendbar, denn Hämorrhoiden sind ebenfalls venöse Blutgefässe und haben mit denselben Ursachen zu kämpfen. 

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