Sommer, Sonne, Sonnenschutz
Der Sommer ist hier, und Badis, Gelaterias und Terrassen locken ins Freie. Die Sonne zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht, und wir geniessen die warmen Strahlen auf der Haut. Leider geht in der Hitze schnell einmal der Sonnenschutz vergessen. Vernachlässigen wir aber den Sonnenschutz, wirkt sich das negativ auf unsere Gesundheit aus.
Julia Zimmermann

Die Sonne ist für viele Organismen und auch den Menschen überlebenswichtig. Sie unterstützt unseren Tag-Nacht-Rhythmus, trägt zum Wohlbefinden bei, und der Hauptanteil des vom Körper benötigten Vitamin D nimmt dieser durch das UV-Licht auf. Vitamin D unterstützt unseren Körper bei der Calciumaufnahme im Darm, was für starke Knochen und Zähne benötigt wird.
Es unterstützt auch bei der Aufrechterhaltung der Muskelfunktion, des Immunsystems und sorgt für einen ausgeglichenen Zellhaushalt. Zu viel Sonnenlicht hat jedoch negative Auswirkungen, denn eine zu hohe UV-Strahlung schädigt unsere Haut und Augen, sie beschleunigt unsere Hautalterung und kann sogar Hautkrebs zur Folge haben. Dies heisst jedoch nicht, dass wir die Sonne meiden müssen, sondern dass wir lernen müssen, bewusst mit ihr umzugehen und uns richtig vor ihr zu schützen.

Unsichtbare Gefahr: UV-Strahlung
UV-Strahlung kann man mit blossem Auge nicht erkennen, und sie ist auch nicht direkt spürbar. Deshalb ist es schwierig, einzuschätzen, wie stark diese ist. Hautschäden entstehen nämlich nicht erst bei einem Sonnenbrand, sondern bereits früher. «Schädigung der Erbsubstanz findet schon statt, bevor der Sonnenbrand sichtbar wird. Ein Teil davon wird repariert. Bei übermässiger Exposition kann der Reparaturmechanismus nicht mehr mithalten, und die Schädigungen führen mittel- und langfristig zu Hautkrebs», erklärt Christian Surber, Professor für Dermatopharmakologie, im Interview. Zudem dringt die Strahlung auch durch Wolken und ist je nach Höhenlage unterschiedlich stark. So unterschätzen viele die Stärke der UV-Strahlung an bewölkten Tagen oder in den Bergen, wo die Temperatur tiefer und die Intensität der UV-Strahlen höher ist. Eine gute Orientierung, um die Belastung durch die UV-Strahlen der Sonne einordnen zu können, ist der sogenannte UV-Index. Er gibt an, wie stark die UV-Belastung an einem bestimmten Ort und Tag ist, und ist in nahezu jeder Wetter-App einsehbar. Die WHO empfiehlt, sich bereits ab einem UV-Index von 3 zu schützen.
Die drei Säulen des Sonnenschutzes
Die drei einfachsten Möglichkeiten, sich zu schützen, sind es, Schatten aufzusuchen, schützende Kleidung zu tragen und auf unbedeckte Hautstellen ausreichend Sonnencreme aufzutragen. Gerade bei der Sonnencreme gilt es, verschiedene Dinge zu beachten. Zentral ist, genug aufzutragen. Herr Surber meint dazu: «Empfohlen werden etwa 2 Milligramm Sonnencreme pro Quadratzentimeter Haut. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass die meisten Menschen höchstens die Hälfte auftragen.» Weil diese Menge im Alltag aber oft schwierig einzuschätzen ist, gibt die Krebsliga den Tipp, grosszügig zweimal hintereinander aufzutragen. So spiele es weniger eine Rolle, wie gross die Person und die Portion seien, und man sei damit auf der sicheren Seite. Grundsätzlich ist das regelmässige Nachcremen sehr wichtig. Es wird empfohlen, alle zwei Stunden oder direkt nach dem Baden oder Schwitzen den Schutz erneut aufzutragen, weil besonders durch Flüssigkeit auf der Haut oder Abrieb an Kleidung oder Handtüchern die Creme verloren geht. Die Krebsliga betont: «Durch das Nachcremen wird der Schutz nicht verlängert oder verstärkt, sondern lediglich aufrechterhalten.»
Genauso verhält es sich mit dem Lichtschutzfaktor (LSF oder englisch SPF). Ein höherer LSF bedeutet nicht, dass man weniger Creme benötigt oder seltener nachcremen muss, sondern gibt an, wie viel länger man mit der Creme vor Sonnenbrand geschützt ist. Die Krebsliga empfiehlt ausserdem, nur Sonnenschutzmittel mit einem LSF von mindestens 30 zu verwenden. Bei längeren Aufenthalten im Freien, intensiver UV-Belastung oder insbesondere für Kinder ist sogar ein noch höherer Schutzfaktor (LSF 50+) sinnvoll. Herr Surber empfiehlt zudem, nicht nur den LSF zu beachten, sondern auch nur Sonnencremes zu verwenden, die mit einem UVA-Logo ausgestattet sind. UVA bezeichnet UV-Strahlung, die tiefer in die Haut eindringen kann als die UV-Strahlung UVB.
Sonnencreme allein, egal wie dick und oft aufgetragen, ist aber kein ausreichender Schutz und sollte unbedingt durch die Kombination mit Schatten, speziell zur Mittagszeit zwischen 11 und 15 Uhr, und schützender Kleidung ergänzt werden. Optimal sind lange, dicht gewobene Kleidungsstücke, Hut und Sonnenbrille.


Die Folgen
Erwischt man dennoch einen Sonnenbrand, sollte man ihn sogleich mit kühlenden Pads oder Kühlgel behandeln. Ein leichter Sonnenbrand ist kein Grund für einen Arztbesuch, man sollte sich jedoch bewusst sein, dass aus medizinischer Sicht jeder Sonnenbrand eine akute Entzündungsreaktion der Haut ist, die Schäden in den Hautzellen anzeigt. Typische Beschwerden sind Rötung, Schmerzen, Wärmegefühl und eine Schwellung der betroffenen Hautstellen. Bei stärkeren Sonnenbränden können auch Blasen entstehen. Dass sich die Haut danach schält, ist eine Reaktion des Körpers auf geschädigte Hautzellen, die abgestossen und durch neue ersetzt werden. Wiederholte Sonnenbrände beschleunigen die Hautalterung, und jeder Sonnenbrand erhöht das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, weshalb es wichtig ist, dass es gar nicht erst zu Röte und Verbrennung kommt. Gemäss der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) sind in Westeuropa rund 95 Prozent der Melanome (schwarzer Hautkrebs) auf UV-Strahlung zurückzuführen.
Mythos Vitamin D
Oft wird irrtümlicherweise angenommen, man müsse für genügend Vitamin-D-Aufnahme stundenlang sonnenbaden. Für den benötigten Vitamin-D-Bedarf reichen in der Regel kurze Aufenthalte im Freien aus. Zudem lässt jedes Sonnenschutzmittel – unabhängig vom Lichtschutzfaktor – stets einen Teil der UVB-Strahlen durch, die in unserer Haut die Vitamin-D-Produktion anregen. Es ist deshalb nicht notwendig, sich bewusst intensiver UV-Strahlung auszusetzen oder auf Sonnenschutz zu verzichten. Sollte dennoch durch eine ärztliche Fachperson ein Vitamin-D-Mangel festgestellt werden, so ist dieser leicht durch die Einnahme von Vitamin-D-Tropfen oder -Tabletten zu beheben, die Sie in Apotheken erhalten können.
Ein weiterer Mythos, der sich hartnäckig hält, ist der, dass sonnengebräunte Menschen und solche eines dunkleren Hauttyps weniger Sonnenschutz benötigen. Dunklere Haut enthält zwar mehr Melanin und hat dadurch einen etwas höheren natürlichen Schutz vor UV-Strahlung, was jedoch nicht ausreicht, um Hautschäden oder Hautkrebs zu verhindern. Ausserdem bekommen Menschen mit dunkleren Hauttypen zwar seltener einen Sonnenbrand, können aber trotzdem UV-bedingte Hautschäden entwickeln und an Hautkrebs erkranken. Deshalb gelten die Grundregeln des Sonnenschutzes für alle Menschen. Auch so etwas wie eine «gesunde» Sonnenbräune gebe es aus medizinischer Sicht nicht, erklärt Joëlle Jufer, Spezialistin für Prävention der Krebsliga: «Unter dem Einfluss der kurzwelligen und energiereichen UVB-Strahlen bilden die Pigmentzellen den Farbstoff Melanin, der die Haut braun werden lässt. So versucht die Haut, sich vor den UV-Strahlen zu schützen. Diese Bräune ist aber bereits ein Anzeichen für eine vorausgegangene Zellschädigung der Haut.»
Wer seine Haut schützen möchte, sollte deshalb auf einen bewussten Umgang mit der Sonne achten und intensive UV-Belastung wie stundenlanges Sonnenbaden vermeiden. Wichtig ist: Die Sonne muss nicht gemieden werden, sondern die übermässige UV-Belastung sollte reduziert werden, um die Risiken von Haut- und Augenschäden zu verringern. Ein guter Schutz senkt diese Risiken bereits erheblich, und so können auch Sonne und Sommer unbeschwert genossen werden.
Mehr Informationen finden Sie hier:
Krebsliga: www.krebsliga.ch (Interview geführt mit der Spezialistin für Prävention, Joëlle Jufer).
Schweizerische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie SGDV: www.derma.swiss (Interview geführt mit Prof. Dr. phil. nat. Christian Surber).
