Mond
Im Jahre Bingchen zum Mondfest,
feierten wir bis zum Morgengrauen
in tiefem Rausch.
Ich schrieb diesen Text
und dachte gleichzeitig an Ziyou.
Heller Mond, wann erschienest du?
Bei etwas Wein fragte ich den Himmel.
Im Palast des Himmels weiss niemand,
in welchem Jahr dieser Abend liegt.
Ich möchte auf dem Wind nach Hause reiten,
allein ich verstecke mich im Mondpalast,
als könnte ich die Kälte in der Höhe nicht ertragen.
Also tanze ich im Schatten des Mondlichtes,
diese Menschenwelt – Wie kann ich sie mit eurer vergleichen?
Drehende rote Kammern, herabgelassene Stofffenster,
du scheinst auf die Schlaflosen.
Du willst uns nichts böses,
aber warum bist du so voll, wenn Menschen getrennt sind?
Menschen haben Kummer und Freude, Trennung und Zusammenkunft,
Der Mond hat dunkle und klare, volle und halbe [Zeiten],
solche Dinge waren schon immer kompliziert.
Aber ich hoffe, wir beide werden ein langes Leben haben,
auch wenn uns tausend Meilen trennen, können wir doch die Schönheit
des Mondes zusammen geniessen.
Su Shi, 1037–1101
