Heilpflanzliche Krebsbehandlung?

Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in Mitteleuropa, und auch weltweit eine der verbreitetsten Diagnosen. Noch immer gibt es viele Krebsarten, für die es gar keine Heilung gibt. Die Behandlung ist einschneidend und bringt viele Nebenwirkungen mit sich. Auch die psychischen Auswirkungen sind nicht zu unterschätzen. Die Phytotherapie birgt die Möglichkeit, die Beschwerden von Krebserkrankten zu lindern und ihr Wohlbefinden zu fördern.

 Corinne Kneubühler

Die Geschichte der Krebsbehandlung reicht zurück bis in die Antike, zu Hippokrates (460–360 v. Chr.), der Tumore erstmals als solche benannte. Er verwendete das Wort «karkínos» (griechisch für Krebs) für eiternde und nicht verheilende Knoten und das Wort «karkínom» für bösartige Tumore. Hippokrates glaubte, dass ein Ungleichgewicht der vier wichtigsten Körperflüssigkeiten bzw. -säfte (Blut, Phlegma, gelbe und schwarze Galle – Übersicht im «natürlich» Nr. 10/25) Krankheiten verursacht. Für Krebs machte er eine zu hohe Konzentration schwarzer Galle im Fleisch verantwortlich und schlug Diät, Ruhe und Bewegung zur Behandlung des Ungleichgewichts vor.

Hippokrates’ Theorie der schwarzen Galle wurde vom Alten Griechenland ins Alte Rom und in die Schriften von Galen von Pergamon (129–216 n. Chr.) überliefert. Dieser verwendete das Wort «onco» (griechisch für Masse oder Schwellung), um Tumore zu beschreiben, weshalb die Untersuchung und Behandlung von Krebs heute als «Onkologie» bezeichnet wird.

In der heutigen Krebsbehandlung wird häufig von der integrativen Onkologie gesprochen. Diese vereint die wirksamsten bekannten schul- und komplementärmedizinischen Behandlungsformen über die gesamte Dauer der Krebserkrankung hinweg. Der Wunsch, komplementärmedizinische Methoden in die eigene Behandlung einzubringen, kann aus vielerlei Gründen auftreten. Oft möchten Patient*innen eine aktive Rolle einnehmen und selbst etwas zur Behandlung beitragen. Ausserdem können durch eine solche Ergänzung das Immunsystem und der Stoffwechsel angeregt werden und der Organismus als Ganzes wird unterstützt. Nicht zuletzt hilft sie dabei, sich vor Angst oder Isolation zu schützen und das mentale Wohlbefinden zu stabilisieren – den komplementären Methoden wird auch eine spirituelle Dimension zugesprochen. Allein kann die Komplementärmedizin den Krebs aber weder heilen noch direkt bekämpfen. Deshalb wird die integrative Onkologie empfohlen. Zu den komplementären Behandlungen gehören zum Beispiel die klassische Homöopathie, die anthroposophische Medizin (dazu gehört die Misteltherapie, siehe S. 63), die Traditionelle Chinesische Medizin oder eben die Phytotherapie. «Phyto» kommt aus dem Lateinischen und bedeutet «Pflanze» oder «pflanzlich». Hier gibt es allerdings schnell einmal Verwechslungsgefahr: Während die Phytotherapie die Pflanzenheilkunde meint, geht es bei der Phytomedizin um die Heilung von, nicht mit, Pflanzen. 

Die Pflanzenheilkunde/Phytotherapie ist eine der ältesten medizinischen Therapien. Sie ist auf der ganzen Welt und in allen Kulturen verbreitet. Die Naturheilkunde beruht auf der Anwendung von Pflanzen entsprechend ihrer empirisch entdeckten Eigenschaften sowie auf den modernen Erkenntnissen der Forschung. 

Entsprechende pflanzliche Medikamente werden meist aus verschiedenen Kombinationen zusammengestellt und sind in diversen Formen zu finden, von Tabletten über Tees, Salben und Tinkturen bis zu Bädern und Breiumschlägen. Damit das gewählte Präparat nicht in ungewollte Wechselwirkung mit der schulmedizinischen Behandlung tritt, sollten phytotherapeutische Medikamente nur in Absprache mit einer Fachperson, am besten mit dem*der behandelnden Ärzt*in angewendet werden. Anzumerken ist, dass bestimmte Medikamente der Schulmedizin ebenfalls aus Pflanzenextrakten bestehen.

Ceres, ein Unternehmen, das hochwertige Urtinkturen aus frischen Heilpflanzen entwickelt und produziert, stellt auch Medikamente her, die in der integrativen Onkologie und Palliativmedizin eingesetzt werden können. Hier betont man: Die eigenen Präparate dienen «zur Linderung von Symptomen, zur Stärkung der Lebensqualität und zur Förderung innerer Balance». Diese Symptome kommen dabei nicht nur vom wuchernden Tumor selbst, sondern auch von der Chemotherapie, einer der Behandlungsmethoden bei Krebs.

«Die Phytotherapie kann die Beschwerden von Krebserkrankten lindern.»


Die häufigsten Nebenwirkungen der Chemotherapie sind Übelkeit und Erbrechen, Erschöpfung (Fatigue-Syndrom), Haarausfall, Schleimhautentzündungen und Blutbildveränderungen. Dies liegt daran, dass die bei der Chemotherapie eingesetzten Medikamente das Wachstum aller Zellen, nicht nur der Tumorzellen, hemmen. Besonders schnell wachsende Zellen werden dabei mehr geschädigt als langsamer wachsende. Zu diesen schnell wachsenden gehören die Tumorzellen, aber eben auch Haarwurzelzellen, Schleimhautzellen von Mund und Magen-Darm-Trakt oder Zellen des Knochenmarks.

In der onkologischen Begleitung können beispielsweise Urtinkturen aus Bitterstoffpflanzen wie Schafgarbe oder Wermut den Appetit anregen, die Mariendistel kann die Leberfunktion unterstützen und Rosmarin bei Erschöpfung hilfreich sein. Urtinkturen aus Passionsblume, Johanniskraut und Baldrian können Ruhe, Schlaf und die seelische Stabilität fördern. Ausserdem erklärt Ceres, dass viele Patient*innen aus der Begegnung mit einer Pflanze, zu der sie eine persönliche Beziehung entwickeln, Sinn, Vertrauen und innere Stärke gewinnen können. Diese Aspekte finden in der integrativen Onkologie zunehmend Beachtung. 


Quellen

  • Beitrag «Krebsbehandlung damals und heute» von Bayer.com, 5. September 2025. Aufgerufen am 7.11.2025.
  • Broschüre «Komplementärmedizin bei Krebs» der Krebsliga Schweiz, 2. Auflage 2019.

Pflanzliche Tinkturen können die Nebenwirkungen der Chemotherapie lindern.

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