Ewige Hundstage

Spätestens nach diesem Sommer können wir es nicht mehr leugnen:
Die Klimaerwärmung nimmt zu und bringt höhere Temperaturen bereits früh im Jahr und bis in den Herbst hinein. Doch was bedeutet das für Natur und Mensch eigentlich genau?

Corinne Kneubühler

Die titelgebenden Hundstage sind nun eigentlich gerade vorbei. Entstanden ist der Begriff wegen des Sternbilds «Grosser Hund» (Canis Major). Dieses war zur Zeit des Römischen Reichs jeweils vom 23. Juli bis zum 23. August zu sehen, genau dann, wenn der Sommer seine heissesten Tage auf die Menschheit jagte. Heute treffen gleich mehrere dieser Tatsachen nicht mehr zu. Der Grosse Hund ist im Winter, in der Nähe des gut erkennbaren Orions, sichtbar, und die heissen Sommertage erstrecken sich weit über die ursprüngliche Anzahl von 30.


Hitzesommer 2026

Bereits das Jahr 2025 wurde von MeteoSchweiz als aussergewöhnlich heiss verzeichnet. Mindestens 95 Prozent Europas verzeichneten überdurchschnittlich hohe Temperaturen. Das wird auch dieses Jahr so sein: Der Frühling war einer der trockensten seit 1901, es fiel nur knapp die Hälfte der üblichen Niederschlagsmenge. Die Schweiz ist besonders im Alpenraum stark von diesen Entwicklungen betroffen. Bereits im Mai wurden Temperaturrekorde gebrochen, in Biasca (TI) wurde am 28. Mai mit 34,8 °C der höchste Wert erreicht, der im Mai jemals südlich der Alpen gemessen wurde. Und auch im Flachland, beispielsweise in Basel-Binningen, wurden bereits im Mai 32,5 °C gemessen. Ab Mitte Juni folgte dann die erste markante Hitzewelle: MeteoSchweiz sprach Hitzewarnungen der Stufen 3 und 4 aus. In Basel wurden erstmals seit Messbeginn 39 °C gemessen, der Allzeit-Temperaturrekord für die Deutschschweiz. Ein Ende der Hitzesommer ist bisher nicht in Sicht. Umso wichtiger ist es, die Wetterlage und ihre Bedeutung für uns Menschen besser zu verstehen.


Hitzegefahr – was heisst das?

Die erwähnten Gefahrenstufen sagen nicht nur etwas über die Temperaturen aus, sondern bringen auch Verhaltensempfehlungen mit sich. Die Gefahrenstufe 3 (erhebliche Gefahr) bei Hitze wird ausgesprochen, wenn für mindestens drei aufeinanderfolgende Tage eine durchschnittliche Tagestemperatur von 25 °C oder mehr vorausgesagt oder festgestellt wird. Die höchste Gefahrenstufe 4 (grosse Gefahr) gilt bei 27 °C oder mehr während drei aufeinanderfolgender Tage. Was diese Temperaturen besonders macht, ist, dass es auch in der Nacht nicht richtig abkühlt. So bleibt der Körper auch im Schlaf im hitzigen Zustand.


Hitze und die Natur

Auch für die Tiere ist der Hitzesommer keine einfache Zeit. Wildtiere finden aufgrund der austrocknenden Bäche weniger zu trinken. Wer kann, stellt eine flache Wasserschale in den schattigen Garten. Diese zieht Igel, Füchse, Vögel und sogar Dachse an, die unter dem Wassermangel leiden. Am besten, Sie legen zusätzlich ein paar Steine in die Schale. So kippt diese nicht um, und kleinere Tiere haben eine Ausstiegshilfe. Das Wasser sollte zudem täglich ausgewechselt werden, damit sich keine Krankheitserreger verbreiten können. Ebenfalls betroffen ist die Vegetation, besonders auf grossen Flächen ohne Bäume. Diese trocknet im Hitzesommer so sehr aus, dass Erdlebewesen wie Regenwürmer oder Schnecken um das Überleben kämpfen müssen. Der dürre Boden erwärmt zusätzlich die Luft, da die Sonnenenergie nicht mehr für die Verdunstung der Feuchtigkeit aufgewendet wird. So «prallt» die Wärme vom Boden ab, und die Luft erwärmt sich weiter.


Es brodelt im Körper

Auf den menschlichen Körper hat die anhaltende Hitze verschiedene Auswirkungen. Grundsätzlich bedeutet sie mehr Stress, da der Ausgleich hoher Temperaturen mit grosser Anstrengung verbunden ist. Das gelingt am einfachsten durchs Schwitzen. Durch das vermehrte Schwitzen verlieren wir jedoch schnell viel Flüssigkeit und Elektrolyte. Zudem erweitern sich die Blutgefässe, damit über die Haut überschüssige Wärme entweichen kann. Dadurch fällt jedoch auch der Blutdruck. Ein niedriger Blutdruck wiederum führt zu Schwindel, «Schwarzwerden vor den Augen», Sehstörungen, Konzentrationsproblemen oder sogar Ohnmacht. Das Herz-Kreislauf-System droht überlastet zu werden und das Risiko für eine Hitzeerschöpfung, einen Hitzschlag oder einen Sonnenstich ist erhöht.


Hitzekrank

Eine Hitzeerschöpfung tritt auf, wenn der Körper mit dem Abkühlen nicht mehr nachkommt und er deshalb dehydriert ist. Zu den Symptomen gehören ein Schwächegefühl, vermehrte Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit sowie Kaltschweiss und Muskelkrämpfe. Bei einer Hitzeerschöpfung ist es wichtig, sich an einen kühlen Ort zu begeben und viel Flüssigkeit und Elektrolyte zu sich zu nehmen. Letztere sind beispielsweise in Bananen, Nüssen, Milchprodukten und Gemüse enthalten, aber auch in Mineralwasser und Fruchtsäften. Gelingt es nicht, den Körper abzukühlen, so wärmt er sich möglicherweise weiter auf. Steigt die Körpertemperatur auf über 40 °C, kann diese durch Schwitzen allein nicht mehr kompensiert werden. Es kann zu einem Schock, zu Wassereinlagerungen im Gehirn, die lebensgefährliche Hirnödeme bilden können, sowie zu Krampfanfällen und schliesslich zu Multiorganversagen kommen.


Vorbeugung: Wetterprognosen beachten

Das mag jetzt beängstigend klingen. Allerdings ist Hitze, obschon sie früher eher als Einzelereignis vorkam und nicht über mehrere Sommer, kein neues Phänomen. So gibt es auch einige erprobte Tipps und Tricks, wie man sich vorbereiten, schützen und so die Sonne unversehrt erleben kann. Anfangen kann man bereits beim Studieren der Wetterprognosen. Hitzewarnungen werden von MeteoSchweiz meist ein paar Tage im Voraus ausgesprochen. Allerdings sind solche Prognosen oftmals auch recht unsicher und können sich wieder ändern. In diesem Fall können sogenannte «Massnahmen mit geringem Bedauernsrisiko» vorgenommen werden, wie das Bundesamt für Gesundheit BAG sie nennt. Damit sind Massnahmen gemeint, die kostengünstig sind und leicht rückgängig gemacht werden können. Gleichzeitig können sie helfen, grössere Schäden zu vermeiden. Ein Beispiel dafür wäre bei Hitze, den eigenen Wasserverbrauch zu reduzieren, indem wasserintensive Tätigkeiten, wie das Reinigen von Fassaden oder Fahrzeugen, auf kühlere Herbsttage verschoben werden. Die Bewässerung des Gartens ist zwischen 21 Uhr und 9 Uhr morgens effizienter und verbraucht weniger Wasser. Zudem sollten Rasenflächen lieber in wöchentlichen Abständen gründlich anstatt täglich kurz bewässert werden. So kann das Wasser tiefer in den Boden eindringen und das Wurzelwachstum wird gefördert, was die Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenheit erhöht.


Besondere Achtung empfohlen

Wie gut der menschliche Körper mit der Hitze umgehen kann, hängt vom Alter sowie von der körperlichen Gesundheit und Fitness ab. Besonders gefährdet sind ältere Personen. Das hat damit zu tun, dass das Schwitzen später einsetzt, da die Anzahl der Schweissdrüsen und die Durchblutung der Haut mit dem Alter abnehmen. So ist die Abgabe von Wärme erschwert. Ausserdem nimmt das Durstgefühl ab, wodurch der Körper nicht nur schneller austrocknet, sondern auch länger benötigt, um sich wieder zu hydrieren. Zu den Risikogruppen gehören aber nicht nur ältere Menschen, sondern auch Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere, Menschen mit chronischen Erkrankungen sowie obdachlose Personen. Auch können gewisse Antidepressiva die Fähigkeit des Körpers, sich abzukühlen, schwächen.


Wohltuende Kühle

Das A und O bei Hitze ist also, wer hätte es gedacht, die Kühle herzustellen. Damit der Körper bei der natürlichen Abkühlung unterstützt wird, empfehlen sich die folgenden Massnahmen: die pralle Sonne meiden, besonders zur Mittagszeit und am Nachmittag. Körperlich anstrengende Tätigkeiten sollten auf den frühen Morgen oder den späten Abend, nach 21 Uhr, verlegt werden. Trinken Sie pro Tag mindestens 1,5 Liter Wasser und verzichten Sie auf alkoholische oder gesüsste Getränke. Wer seinem Getränk etwas Geschmack verleihen will, kann beispielsweise Gurke, Zitronensaft oder frische Minze hinzugeben. Ebenfalls geeignet sind kalte Kräuter- oder Früchtetees sowie verdünnte Apfelschorlen. Auch bei den Mahlzeiten gilt: viel Obst und Gemüse sowie salzhaltige Lebensmittel, um den Elektrolytverlust beim Schwitzen auszugleichen. Leichte Stoffe empfehlen sich bei Kleidung sowie bei der Bettwäsche. Schliesslich helfen kühle, nicht zu kalte Duschen, Fuss- und Handbäder, ein kaltes Tuch auf Stirn und Nacken sowie kühlende Cremes.

 

Die drei goldenen Regeln für Hitzetage

  • Körperliche Anstrengung meiden
  • Hitze fernhalten, Körper kühlen
  • Viel trinken, leicht essen, Medikamente anpassen

Quelle: Bundesamt für Gesundheit

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