Die vielfältigen Gesichter von Viren und Bakterien
Viren und Bakterien teilen die Welt mit uns. Obwohl sie einen schlechten Ruf haben, sind diese Kleinstlebewesen auch nützlich für Mensch und Natur. Naturheilkundlich nützt man diverse Viren und Bakterien, homöopathisch verdünnt, um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu unterstützen.
Yvonne Rossel

Viren sind kleinste Parasiten – sie benötigen zwingend eine tierische, pflanzliche, menschliche oder bakterielle Wirtszelle, um sich zu vermehren. In der Regel schädigen sie ihren Wirt nicht, schliesslich sichert er ihnen ihr Dasein. Vermehren sich die Viren jedoch unkontrolliert, kann dies auf den menschlichen Körper durchaus einen Einfluss haben. Man vermutet, dass Viren verantwortlich sein könnten für gewisse Erkrankungen, deren Ursache unbekannt bleibt. So zum Beispiel bei Multipler Sklerose, anderen Autoimmunerkrankungen und verschiedenen Krebsarten. Einige Viren schlummern in unserem Körper, ohne dass wir etwas davon merken. Die meisten davon sind harmlos und kommen bei vielen Menschen vor. So zum Beispiel die humanen Papillomviren (HPV), die sich auf dem Gebärmutterhals niederlassen und in der Regel von allein wieder verschwinden. Leider gibt es aber auch gefährliche HPV-Viren, die Gebärmutterhalskrebs verursachen können. Eine Infizierung wird bei Routinekontrollen gynäkologisch festgestellt und engmaschig beobachtet. Andere Viren, wie die Herpes-Zoster-Viren, fühlen sich sehr wohl in den sogenannten Nervenganglien, also den Nervenansammlungen im peripheren Nervensystem. Dort können sie über Jahre überleben und bei erhöhtem Stress eine Gürtelrose auslösen. In jungen Jahren sind sie für die Windpocken verantwortlich. Ein weiteres bekanntes Herpesvirus ist das Epstein-Barr-Virus. Es löst das pfeiffersche Drüsenfieber aus und wird meist im Jugendalter beim ersten Kontakt zu anderen Menschen durch Speichel übertragen. Darum wird diese Krankheit im Englischen auch als «Kissing Disease» bezeichnet. Diese Krankheit macht sich mit geschwollenen Lymphknoten und lang anhaltendem Fieber bemerkbar. Es gibt Fälle, bei denen sich ein chronisches Fatigue-Syndrom (CFS) daraus entwickeln kann. Bestens bekannt und besonders im Winter ein häufiger Gast auf unseren Schleimhäuten ist das Virus Influenza. Es ist verantwortlich für die Grippe.

Gehören zum Körper: Bakterien und Hefepilze
Ein menschlicher Körper beherbergt bis zu zwei Kilo Bakterien und Darmhefen. Letztere werden zu den Pilzen gezählt. Diese gutartigen Lebewesen bilden an verschiedenen Stellen des Körpers eine sogenannte Mikrobiota, eine bakterielle Flora, die den Körper schützt und unterstützt. Das bekannteste Mikrobiom befindet sich im Darm. Die Darmflora beinhaltet zahlreiche Bakterienstämme. Je vielfältiger sie ist, desto gesünder der Darm und der Mensch. Die Hefen und Bakterien helfen dem Körper, Nahrung zu verstoffwechseln, und dürfen sich selbst davon ernähren. Auch auf der Vaginalschleimhaut, in den Bronchien oder in der Mundhöhle kann von einem Mikrobiom gesprochen werden. Überall dort, wo Körperöffnungen das Innere und das Äussere des menschlichen Organismus miteinander verbinden, geht der Körper mit den Hefen und Bakterien eine Symbiose ein. Je mehr verschiedene Bakterienstämme vorhanden sind, desto gesünder ist der ganze Abwehrmechanismus des Menschen und desto besser kann er sich vor äusseren Einflüssen schützen. Die heutige Ernährung mit den vielen Zusatzstoffen, der stark verarbeiteten Nahrung und dem künstlichen Zucker hat leider dazu geführt, dass nicht mehr so zahlreiche Bakterienstämme in den Mikrobiota der westlichen Bevölkerung vorhanden sind. So wurden im Vergleich bei indigenen Völkern diversere Darmmikrobiome mit zahlreicheren Bakterienstämmen festgestellt.

Antibiotika und deren Alternativen
Bakterien und auch Viren werden für unseren Körper ein Problem, wenn sie sich unkontrolliert vermehren. Wenn das Immunsystem zu schwach ist, um gegen Viren und Bakterien anzukämpfen, können Infektionen und Entzündungen überhandnehmen. Die schnelle Lösung: ein Antibiotikum. Doch die Naturheilkunde greift zu anderen Mitteln. Neben keimhemmenden natürlichen Heilmitteln wie Propolis, Meerrettich oder Rotem Sonnenhut arbeitet die Erfahrungsmedizin mit Nosoden. Nosoden sind homöopathisch verdünnte Viren und Bakterien, die nach dem Prinzip, Gleiches mit Gleichem zu heilen, eingesetzt werden. So wird zum Beispiel beim pfeifferschen Drüsenfieber ein homöopathisches Heilmittel auf der Basis des Epstein-Barr-Virus verabreicht und bei Gürtelrose oder Fieberblasen Herpes simplex in einer C30-Potenz.
Immuntherapie nach Dr. Spengler
Eine andere Therapie ist die Immuntherapie von Spenglersan. Sie wurde von Dr. med. Carl Spengler vor rund 130 Jahren erfunden. Dr. Spengler war ein Schweizer Chirurg und Bakteriologe, der als Pionier der Immuntherapie und Lungenheilkunde gilt. Als Schüler von Robert Koch forschte er intensiv zu Tuberkulose und Immunisierungsverfahren. Er entwickelte eine Immuntherapie, die auf bakteriellen Immunstimulanzen basiert und dadurch den Körper anregt, gegen verschiedene Entzündungen zu kämpfen. Für seine Heilmittel verwendete er verschiedene Bakterien und deren Antikörper und Antigene. Damit sie ohne Rezept und sogar Säuglingen verabreicht werden konnten, verdünnte und potenzierte er diese Wirkstoffe wie in der Homöopathie üblich auf ein D13. Das heisst, er verdünnte die Wirkstoffe so weit, dass sie nur noch Informationen zur Selbstheilung in sich trugen und nicht mehr als potenter Erreger verfügbar waren. Für seine Produkte verwendete er das Grippevirus Influenza H1N1 und die Bakterien Mycobacterium bovis, Lactobacillus lactis, Streptococcus pneumoniae, Staphylococcus aureus und weitere. Die Spenglersan-Produkte sind heute im Fachhandel erhältlich.
Die verdünnten Antikörper und Antigene regen den Organismus an, sich um die Selbstheilung zu kümmern und störende Bakterien loszuwerden. Die weissen Blutkörperchen und Fresszellen des Immunsystems werden innert kürzester Zeit aktiviert, damit sie die Anzahl der Bakterien vermindern. Körpereigene Abwehrzellen werden angeregt, und es können sich sogar sogenannte Gedächtniszellen bilden, die bei einer erneuten Ansteckung sofort reagieren können. Der genaue Wirkmechanismus der Spenglersan-Produkte wird nicht vollständig verstanden. Erfahrungsmedizinisch sind aber viele Erfolge erzielt worden, insbesondere bei chronischen Infekten, Hauterkrankungen und Allergien. Man vermutet, dass die Heilmittel neben der Aktivierung des Immunsystems einen reinigenden Effekt auf den Zwischenzellraum haben, was eine positive Wirkung auf das Schmerzempfinden und Entzündungen haben kann.
Die Spenglersan-Produkte sind als Spray erhältlich und werden vorwiegend auf der Haut lokal beim Problem oder in den Ellenbogenbeugen angewendet. Die Ausnahme bilden das «Virus influenzae A comp.»-Spray und der Staphylococcus aureus comp. Spray, die als Nasen- oder Mundspray angewendet werden.
Die bekanntesten Mittel und Wirkungen
Virus influenzae A comp. (Virus influenzae H1N1, Haemophilus influenzae, Klebsiella pneumoniae)
Bei Schnupfen, grippalen Infekten, geschwächtem Immunsystem, Verbrennungen, Wunden, akuten Ekzemen und Hautpilzerkrankungen.
Staphylococcus aureus A comp. (Staphylococcus aureus, Streptococcus pneumoniae)
Bei Heuschnupfen, Tierallergien, Bronchialasthma, Ekzemen, Neurodermitis; überreiztes Immunsystem wird beruhigt. Mycobacterium bovis comp. (Mycobacterium bovis) Bei Bluthochdruck zur Anregung der Mikrozirkulation, zur Reinigung der arteriellen Gefässe, für schlecht heilende Wunden, zur Genesung nach Krankheiten.
Streptococcus pyogenes comp. (Streptococcus pyogenes, Mycobacterium bovis)
Bei rheumatischen Beschwerden, Angina, Bronchitis, Mittelohrentzündung.
Yvonne Rossel
Yvonne Rossel, Drogistin HF und Naturheilpraktikerin TEN, arbeitet selbstständig als Naturheilpraktikerin in Wichtrach. Sie ist spezialisiert auf Hormonberatungen, Diabetes und Mikronährstoffe.
