Der Atem als Wegweiser und Freund

Meine Klientin sitzt mir gegenüber und lächelt. «Heute geht es mir gut», sagt sie, «ich weiss nicht, ob das morgen auch so ist.» Ähnliches höre ich häufig: ein Tag ist voller Hoffnung, der nächste voller Angst. 

Martina Pecka

Die Unsicherheit, wie es weitergeht, ist in den Momenten der Angst real. Wenn wir lernen, unseren eigenen Zustand wahrzunehmen, der Angst mit Wertschätzung zu begegnen, sie als wertvollen Helfer zu erkennen, kann sich etwas verändern. Ein sanfter Atemzug kann wirken: innehalten, spüren, wie ich atme, und wahrnehmen, was gerade da ist.

Es beginnt mit dem Erleben: Nicht «Warum habe ich Angst?», sondern «Wie fühlt sich diese Angst gerade in meinem Körper an?». Diese Frage verlangsamt. Sie holt mich aus dem Kopf zurück in die Gegenwart, wo ich handlungsfähig bin. Der Atem wird zur Brücke zwischen Körper und Bewusstsein.

Daraus wächst Zuversicht: Die eigene Situation darf verstehbar und bewältigbar sein – auch wenn sie schwierig bleibt. Es ist kein Versprechen, dass die Angst verschwindet, aber die Gewissheit, ihr nicht hilflos ausgeliefert zu sein. Mit der Zeit wächst Vertrauen in die eigenen Ressourcen und der Mut, sie zu nutzen. Manche finden sie im Gespräch, andere in der Bewegung, wieder andere im nächsten bewusst wahrgenommenen Atemzug.

Und manchmal tut es gut, diesen Weg nicht allein zu gehen. Eine achtsame Begleitung kann helfen, wieder Zugang zum eigenen Körper, zum Atem und zu den eigenen Kräften zu finden. Wenn wir lernen, dem Atem wieder zu vertrauen, kann er uns immer wieder zurück in die Ruhe führen – ein erster Schritt, der Angst zu begegnen und wieder Boden unter den Füssen zu spüren.

Ausgebildete Fachpersonen finden Sie in der Therapeutinnen-Suche des Atemfachverbands Schweiz AFS unter www.atem-schweiz.ch.

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