Bunte Heilkräfte aus dem Sonnenlicht

Farben beeinflussen uns, ob wir wollen oder nicht. Überall und zu jeder Tages- und Nachtzeit. Sie wirken auf unsere Psyche ebenso wie auf die körperliche Gesundheit und die Raumatmosphäre. 

Fabrice Müller, Illustration: Lorena Hadorn

Spenderin der Farben ist die Sonne. Sie gilt als Urquell jedes Lebens und Bedingung allen Daseins. Geistige Ordnerin der Farben aber ist die Natur. Gelb ist die nächste Farbe zum Licht. Gelb entsteht durch die gelindeste Mässigung desselben, sei es durch trübe Mittel oder durch schwache Zurückwerfung von weissen Flächen. Gelb führt die Natur des Hellen mit sich, besitzt eine heitere, muntere, sanft reizende Eigenschaft. Schon da Vinci, Goethe und Einstein beschäftigten sich mit dem physikalischen Wunderwerk der Farben und versuchten, den Ursprung zu verstehen, das Licht zu brechen und seine Nuancen in Kategorien einzuteilen. Goethes Standpunkt lautete beispielsweise, dass Farben das Gefühl eines Menschen beeinflussen und direkt auf die Seele wirken können.


Von fröhlich bis aggressiv

Wer sich für die eine oder andere Farbe entscheidet, entscheidet sich auch für eine Aussage und eine Wirkungskraft. So signalisiert eine Farbe nicht nur die Zugehörigkeit beispielsweise zu einer bestimmten Gesinnung, sondern gibt uns auch Anzeichen zum Gemütszustand. Farben nehmen direkten Einfluss auf unsere Stimmung. Sie können fröhlich, betrübt oder ruhig wirken. Oder dann aggressiv, anregend oder gar ablehnend. Wir Menschen verbinden oft Erlebnisse mit Bildern, und diese wiederum sind an Farben gekoppelt. Hier können mithilfe der Farbenpsychologie Erkenntnisse und Themen gelöst, unterstützt oder erkannt werden.


«Wer sich für die eine oder andere Farbe entscheidet, entscheidet sich auch für eine Aussage und eine Wirkungskraft.»


Die Jahreszeit ins Haus holen

Auf der energetischen Ebene wird die Farbe als eine Schwingung betrachtet. Jede Farbe steht für eine bestimmte Schwingungsfrequenz, die das Raumgefühl und die Menschen, die darin leben, prägt. Farben können unser Wohlbefinden stärken oder schwächen. Es hängt ganz davon ab, mit welchem Bewusstsein der Gestalter arbeitet. In der Natur erkennen wir den Rhythmus des Jahres, den Wechsel vom Sommer in den Winter und wieder in den Sommer unter anderem anhand von Farben. Im Frühling dominieren die kräftigen, blühenden Farben und signalisieren den Aufbruch und Neubeginn. Im Sommer sind es die eher gedämpften, matten, von der Sonne geprägten Farben. Dann folgt der Herbst mit einem Feuerwerk an warmen Rot-, Braun- und Gelbtönen, die durch das Sonnenlicht besonders intensiv wirken. Und schliesslich der Winter, die Zeit der Dunkelheit und Ruhe, wo sich die Farben unter Schnee und Eis verbergen, aber manchmal trotzdem immer wieder ein Zeichen von sich geben. Wir fühlen uns je nach Typ zu einer der vier Jahreszeiten hingezogen und gestärkt. Und je nach Temperament und Sternzeichen haben wir unterschiedliche Farbpräferenzen.


«Jeder Farbton wird dabei im Gehirn anders verarbeitet und hat einen besonderen Effekt auf unsere Stimmung.»


Farben und Körperfunktionen

«Der Mensch lebt nach einem Biorhythmus, der sich mit dem tages- und jahreszeitlichen Wechsel des Lichts synchronisiert», sagt Professor Dr. Axel Buether, Autor des Buches «Die geheimnisvolle Macht der Farben» und weltweit führender Farbexperte. Mit dem Licht transformiere sich zugleich auch das farbige Erscheinungsbild der gesamten Lebenswelt. Mit den farblichen Veränderungen des Tageslichts schwanken zudem viele Körperfunktionen wie Temperatur, Appetit, Hormonspiegel oder Schmerzempfindlichkeit. Axel Buether: «In den Zellen unserer Netzhaut findet sich neben den Sehfarbstoffen auch noch der Farbstoff Melanopsin, über den der suprachiasmatische Nukleus – der Hauptimpulsgeber der inneren Uhr – fortwährend die Farbe des Lichts misst. Unser Gehirn bleibt so über den Stand der Tages- und Jahreszeit informiert und passt alle Körperfunktionen unwillkürlich daran an.»


Verarbeitung im Gehirn

Helles, blaues Licht im kurzwelligen Spektrum von 460 Nanometern etwa wirkt laut Axel Buether wie ein Motivator, der die Körperfunktionen aktiviert, die Leistungsbereitschaft steigert und die Stimmung aufhellt. «Wo man dauerhaft aktiv sein will, helfen kühle, frische und belebende Umgebungsfarben wie helle Türkis- und Blautöne», erläutert der Farbexperte. Deshalb sei es entscheidend, sich um die Atmosphäre beziehungsweise Farbgebung des Arbeitsplatzes zu kümmern, ansonsten beeinträchtige dies das Wohlbefinden und Leistungsvermögen. Menschen brauchen Licht, um innerlich stabil zu bleiben. Wer lange Zeit in der Dunkelheit verbringt, vermisst die helle Umgebung psychisch und körperlich. Lichtquellen geben uns Hinweise auf die Tageszeit – wann wir aufstehen und schlafen gehen sollen. Jeder Farbton wird dabei im Gehirn anders verarbeitet und hat einen besonderen Effekt auf unsere Stimmung: Knallige, helle Töne wie Gelb und Orange machen uns munter und froh, klare Nuancen wie Blau und Grün beruhigen den Geist und entspannen den Körper.


Breites Spektrum der Farbanwendung

Der Einfluss von Farben auf Körper, Geist und Seele findet ganz gezielt in der Farbtherapie seine Anwendung. Das Spektrum an Farbanwendungen, die der Gesundheitsförderung dienen, ist breit. So gehören Farbbestrahlungen, Farbanwendungen über Kleidungsstücke oder Einrichtungsgegenstände und Visualisierungen von inneren Farben über gemalte Bilder, aber auch die körperlich-harmonisierende Farbausgleichs-Massage mit der Anwendung von farbgekoppelten Aromaölen dazu. Körper, Geist und Seele verfügen über Eigenschaften und Schwingungsfähigkeiten, die mit denen der verschiedenen Farbencharaktere übereinstimmen. In der Folge werden wir Menschen in jeder Sekunde unseres Lebens von den uns umgebenden Feinkräften und Schwingungen von Farben beeinflusst.


Jede Farbe wirkt anders

Farben wirken bewusst und unbewusst auf unsere Gesundheit. So kann es sich negativ auf Menschen auswirken, wenn sie in grauen Betonumgebungen wohnen, arbeiten und von der Natur und ihren Farben kaum etwas mitbekommen.

Jede Farbe wirkt anders auf uns. Warme, rote Farben zum Beispiel sorgen für Freude und heben die Stimmung, blaue Farben indes haben eine beruhigende Ausstrahlung. Grün ist günstig bei akuten nervösen Störungen, Nervenüberreizung, Hast und Übereilung. Gelb als Farbe des Götterboten Merkur trägt den Charakter des Kommunikativen und Verbindenden in sich. Gelb wirkt heiter. Es kann geistige und körperliche Blockaden lösen. Eine Farbe für gute Stimmung, die uns die Sonne ins Herz schickt.


«Klare Nuancen wie Blau und Grün beruhigen den Geist und entspannen den Körper.»


Buchtipps

Geheime Kraft der Farben
Wie Farben Körper, Geist und Seele stärken

Von Fraser, Dougall Ellsworth, Johanna (Übersetzung)
2017, Reichel Verlag, 264 Seiten

ISBN 978-3-946433-99-6, CHF 23.90


Die geheimnisvolle Macht der Farben
Wie sie unser Verhalten und Empfinden beeinflussen

Von Buether, Axel
2020, Droemer Verlag, 320 Seiten

ISBN 978-3-426-27787-4, CHF 34.50

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