Aufbruchstimmung – Detox im Frühling
Sie sind wieder in aller Munde: die Detox-Kuren. Die Frühlingsmonate gelten in der Naturheilkunde als ideale Zeit, um Ballast abzuwerfen, den Stoffwechsel anzuregen und die körpereigenen Ausscheidungsorgane zu unterstützen. Ausgewählte Kräuter und bitterstoffreiche Gemüsesorten können den Stoffwechsel aktivieren und so neue Energie schenken.
Sabine Hurni

Die Natur erwacht zu neuem Leben, die Tage werden wieder länger und die Frühblüher erstrahlen in ihren weissen Hochzeitskleidern. Diese Aufbruchstimmung zieht die Menschen wieder nach draussen. Gleichzeitig fühlen sich viele nach den Wintermonaten noch träge und müde: Die sogenannte Frühlingsmüdigkeit sitzt tief in den Knochen, und der Körper kommt nur langsam in Schwung. Indem wir im Frühling den Stoffwechsel und die Ausscheidungsorgane gezielt anregen, können wir dieser Trägheit entgegenwirken. Früher sprach man von Blutreinigung, später von Entschlacken und heute meist von Detox. Unabhängig vom Begriff geht es darum, den Körper bei der Verarbeitung und Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten zu unterstützen und die körpereigene «Müllabfuhr» zu aktivieren.
Stoffwechselendprodukte entstehen, wenn Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Fette und Eiweisse im Körper biochemisch abgebaut oder umgewandelt werden. Beim Zellstoffwechsel fällt beispielsweise Kohlendioxid an, das über die Lunge ausgeatmet wird. Beim Abbau von Eiweissen entsteht Harnstoff, der über die Nieren ausgeschieden wird. Über den Gallensaft und den Darm werden unter anderem Cholesterin sowie Abbauprodukte von Medikamenten, Genussmitteln und Umweltstoffen ausgeschieden. Damit der Körper gesund bleibt, müssen diese Substanzen laufend verarbeitet und ausgeschieden werden.

Die Bedeutung der Leber
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Leber. Sie ist kein direktes Ausscheidungsorgan, sondern Umwandlungs- und Entgiftungsorgan. Sie bereitet die Stoffwechselendprodukte für die spätere Ausscheidung vor. Sie baut Blutzellen ab, wenn deren Lebensdauer abgelaufen ist, und verarbeitet Medikamente, Giftstoffe und Alkohol, bevor diese über die Galle in den Darm gelangen. Auch der beim Eiweissabbau entstehende Harnstoff wird zunächst in der Leber gebildet und anschliessend über die Nieren ausgeschieden. In diesem Zusammenspiel übernehmen die Nieren die eigentliche Ausscheidung, während die Leber für Umwandlung und Entgiftung zuständig ist.
Sanfte, stoffwechselanregende Frühjahrskuren auf der Basis von Kräutern, Schüsslersalzen und Gewürzen können die Ausscheidungsorgane – Niere, Blase, Lymphsystem, Galle, Darm, Leber und Haut – unterstützen. Ziel ist eine schonende Entlastung des Körpers und neue Energie auf Zellebene.
Oft ist es so, dass die bleierne Frühlingsmüdigkeit mit einem überlasteten Stoffwechsel, insbesondere einer stark belasteten Leber zusammenhängt. Die Leber befindet sich im rechten Oberbauch und filtert das Blut. Sie befreit es von Schadstoffen wie Pestiziden, Alkohol, Medikamenten und Stoffwechselendprodukten. Über die Wintermonate ist das Essen üppiger, die Bewegungsfreude eher klein und wir geniessen die gemütlichen Abende mit einem Glas Wein oder auch zwei. Dazu kommt, dass jemand vielleicht aufgrund einer Grippe oder einer anderen Erkrankung starke Medikamente einnehmen musste oder sich einer Operation unter Narkose unterziehen musste. All dies stellt für den Körper eine zusätzliche Belastung dar.
Aus Liebe zum Körper zwischendurch entlasten
Ein dauerhaft unausgewogener Lebenswandel kann die Ausscheidungsorgane stark beanspruchen. Gelingt es dem Körper nicht, alle Stoffwechselprodukte zeitnah zu verarbeiten, werden diese vorübergehend im Binde- und Fettgewebe eingelagert. In der Naturheilkunde spricht man in diesem Zusammenhang von einer Stoffwechselträgheit. Diese kann sich unter anderem durch Müdigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, erhöhte Infektanfälligkeit oder Gewichtszunahme bemerkbar machen. Auch chronische Beschwerden können sich bei einem überlasteten Stoffwechsel ungünstig entwickeln oder verstärken. Auch Menschen, die an Allergien, Neurodermitis, Autoimmunerkrankungen oder rheumatischen Erkrankungen leiden, könnten aus naturheilkundlicher Sicht davon profitieren, den Stoffwechsel und die Ausscheidungsorgane immer mal wieder zu aktivieren, weil diese Erkrankungen durch eine verminderte Entgiftungsleistung des Körpers begünstigt werden können. Es tut deshalb jedem Köper gut, die Kraft des Frühlings für eine Phase der Entlastung zu nutzen, die mehrere Wochen dauert. Mit einem Detox-Weekend ist es nicht getan. Eine Entlastungs-Kur sollte idealerweise vier bis sieben Wochen dauern und kann durch eine Intensivwoche ergänzt werden. Wichtig ist, den Lebenswandel bewusst anzupassen, indem Sie für mehrere Wochen Alkohol, Nikotin und stark verarbeitete Lebensmittel reduzieren oder meiden.
Als Grundregel für diese mehrwöchige Entlastungszeit gilt: Essen Sie ausgewogen, schlafen Sie viel, bewegen Sie sich täglich eine Stunde und vermeiden Sie Dauerstress. Daneben aktivieren Sie die Ausscheidungsorgane gezielt mit geeigneten Heilpflanzen, Schüsslersalzen, Lebensmitteln und Basensalzen.

Die Nieren anregen
Die Nieren scheiden wasserlösliche Substanzen, Fremdstoffe, Medikamente und Stoffwechselprodukte aus. Als einziges Organ können sie Säuren direkt ausscheiden und spielen somit eine wichtige Rolle bei der Regulation des Säure-Basen-Haushalts. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von rund zwei Litern Wasser oder ungesüsstem Tee pro Tag ist daher essenziell. Während einer Entschlackungs- Kur können durchspülende Heilpflanzen wie Brennnesselblätter, Birkenblätter, Löwenzahnwurzel, Goldrute oder Schachtelhalm die Nierenfunktion unterstützen. Sie sind als Teemischungen, Tinkturen oder Fertigpräparate im Fachhandel erhältlich.

Den Lymphfluss aktivieren
Das Lymphsystem besteht aus lymphatischen Organen wie Milz, Thymusdrüse und Mandeln sowie aus einem fein verzweigten Netz von Lymphbahnen. Es übernimmt Transportfunktionen und unterstützt den Abtransport von Stoffwechselprodukten. Der Lymphfluss lässt sich besonders gut über die Haut anregen – dem grössten Ausscheidungsorgan des Körpers (siehe Artikel Haut). So zum Beispiel, indem Sie sich jeden Morgen mit einer Trockenbürste massieren und sich nach der warmen Dusche die Beine und Arme kalt abspritzen. Beides fördert die Durchblutung, regt den Kreislauf an und unterstützt so die Ausscheidung. Ergänzend können Knospenpräparate, etwa aus Schwarzem Holunder (Sambucus nigra), sowie das Schüsslersalz Nr. 10, die «Müllabfuhr» unter den Schüsslersalzen, eingesetzt werden, um den Lymphfluss zu aktivieren.

Die Leber regenerieren
Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan des Körpers. Sie ist an der Fettverdauung, am Zuckerstoffwechsel, an der Blutbildung, am Eisentransport sowie am Aufbau von Eiweissen beteiligt. Bitterstoffe gelten in der Naturheilkunde als klassische Leberhelfer. Zu den wichtigsten Leberpflanzen zählen Löwenzahn, Artischocke und Mariendistel. Der Löwenzahn ist eine Wandlungspflanze mit grosser Reinigungskraft. Naturheilkundlich betrachtet sorgt er für den Frühlingsputz in den Zwischenzellräumen des gesamten Gewebes und unterstützt so den Stoffwechsel. Die Artischocke fördert den Gallenfluss und aktiviert die Fettverdauung, die Mariendistel wirkt schützend und regenerierend auf die Leberzellen. Sie ist die Königin unter den Leberpflanzen und darf immer mal wieder herbeigezogen werden. Wohltuend sind zudem warme Auflagen mit einem Kirschkernsäcklein oder einer Bettflasche im Bereich der Leber, am rechten Oberbauch. Ebenso Heublumenwickel sowie das Kochen mit Kurkuma, bitterem Frühlingsgemüse und frischen Kräutern.

Die Darmfunktion fördern
Auch der Darm ist ein wichtiges Ausscheidungsorgan und verhindert, dass Giftstoffe überhaupt in den Körper gelangen. Um ihre Barrierefunktion wahrnehmen zu können, muss die Darmschleimhaut gesund sein, denn sie entscheidet, was aufgenommen wird und was nicht. Ein gesunder Darm braucht ausreichend Ballaststoffe als Nahrung für die Darmbakterien aus pflanzlicher Kost wie Vollkorngetreide, Nüssen, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten. Hingegen können Zucker, Alkohol und raffinierte Nahrung den Darm schwächen, wenn sie im Übermass konsumiert werden.
Für eine gesunde Darmflora und eine breite Vielfalt an Bakterien sind fermentierte Lebensmittel ideal. Zu ihnen zählen Kimchi und fermentiertes Gemüse. Die darin enthaltenen Milchsäurebakterien verdrängen Krankheitserreger, stabilisieren die Darmbarriere und trainieren das Immunsystem.
Als Faustregel gilt: Aktivieren Sie immer alle Ausscheidungsorgane gleichzeitig, sonst wird es einseitig und anstrengend für das entsprechende Organ.
Entgiften während zwei bis sechs Wochen
Die Auswahl an Frühlings-Stoffwechselkuren ist gross. Bewährt haben sich unter anderem Molken- und Birkensaftkuren, Entschlackungstees sowie naturheilkundliche Kombinationspräparate wie zum Beispiel das homöopathische Ausscheidungssalz Berberis-Solidago-Comp.
Basistipps für eine sanfte Entgiftungszeit:
- Unterstützung von Leber und Nieren mit Heilkräutern: Lassen Sie sich im Fachhandel eine je eine Tee- oder Tinkturenmischung für die Niere und für die Leber zusammenstellen und nehmen Sie die Heilkräuter im Wechsel ein. Ein Tag die Leber, ein Tag die Niere.
- Für das Lymphsystem ergänzend Schüsslersalz Nr. 10 oder das Knospenpräparat Sambucus nigra (Schwarzer Holunder) einsetzen.
- Über mehrere Wochen ein basisches Mineralsalz einnehmen und mit Trockenbürsten-Massagen und kalten Güssen den Stoffwechsel aktivieren.
- Erhöhung der Ballaststoffzufuhr durch Vollkorn, Gemüse, Obst, Leinsamen und Nüsse.
- Gehen Sie früh schlafen, gönnen Sie sich Entspannung und regelmässige Ruhephasen.
- Legen Sie abends ein Wärmekissen oder eine Bettflasche auf den rechten Oberbauch, um die Leber zu wärmen.
- Nehmen Sie Vollbäder oder Fussbäder mit basischen Badesalzen.
- Trinken Sie täglich rund zwei Liter heisses Wasser, verdünnte Fruchtsäfte oder ungesüssten Tee.
