«Als Clown Fridolin öffne ich Räume für Freude»
Humor kann Angst lindern, Nähe schaffen und selbst in schwierigen Lebenssituationen Leichtigkeit bringen. Davon ist Fredi Buchmann überzeugt, der als Begegnungsclown «Fridolin» früher viele Kinder besuchte und heute noch Clown-Besuche in Alters- und Pflegeheimen macht. Im Interview erklärt der Präsident von HumorCare Schweiz, warum ein Lächeln oft mehr sagt als Worte – und wo die Grenzen des Humors liegen.
Samuel Krähenbühl

«natürlich»: Wie sind Sie zum Thema Humor und Clownerie gekommen?
Fredi Buchmann: Humor hat mich eigentlich schon mein ganzes Leben begleitet. Mein Vater war Pfarrer und es war ihm wichtig, dass die Menschen in seinen Predigten mindestens einmal lachen konnten. Diese Haltung habe ich früh mitbekommen. Intensiv mit Humor beschäftigt habe ich mich aber erst nach meiner Pensionierung. Zuvor hatte ich ein Burn-out. In dieser Phase wurde mir bewusst, wie wichtig Leichtigkeit ist. Kurz danach entdeckte ich zufällig eine Clown-Ausbildung – und das hat bei mir etwas ausgelöst. Danach habe ich begonnen, als Clown Hausbesuche bei Familien mit Kindern mit einer Behinderung zu machen. In den Kinderspitälern wird dieses Segment durch die Theodora-Stiftung abgedeckt. Zu Hause durch uns.
Was hat Sie an der Clownerie besonders angesprochen?
Die Möglichkeit, Menschen direkt zu erreichen – ohne viele Worte. Clownerie ist oft nonverbal, sehr feinfühlig und stark auf das Gegenüber ausgerichtet. Man improvisiert viel und reagiert auf das, was gerade entsteht. Das hat mich fasziniert und gleichzeitig auch persönlich bereichert.
«Ein kleiner Moment des Lachens kann unglaublich viel bewirken.»
Wie erleben Sie diese Begegnungen mit Kindern?
Kinder reagieren meist sehr unmittelbar. Sie lachen schnell, sind offen und neugierig. Gleichzeitig brauchen sie – besonders wenn sie krank oder beeinträchtigt sind – viel Sensibilität. Ein Clownbesuch beginnt deshalb immer vorsichtig. Man tastet sich heran, oft über kleine Requisiten oder spielerische Elemente. Wichtig ist, Vertrauen aufzubauen und das Kind nicht zu überfordern.
Wie haben Sie sich auf solche Besuche vorbereitet?
Im Rahmen meiner Tätigkeit beim Trägerverein «Huusglön» klärten wir im Vorfeld mit den Eltern oder Bezugspersonen, was das Kind mag oder eher nicht. Hat es Ängste? Was interessiert es? Darauf bauten wir unser Programm auf. Und wir gingen fast immer zu zweit – das ermöglichte ein besseres Zusammenspiel und schaffte eine besondere Dynamik. Am Ende unserer Besuche überreichten wir dann den Eltern auch einen Feedback-Bogen mit einer Beurteilung zum Ausfüllen.
Welche Wirkung kann Humor bei Kindern haben?
Humor kann Angst reduzieren und Spannungen lösen. Gerade in belastenden Situationen – etwa bei Krankheit – schafft er Momente von Leichtigkeit. Kinder können für einen Moment einfach Kind sein und den Alltag vergessen. Das ist unglaublich wertvoll.
Sie sind auch als Clown in Alters- und Pflegeheimen tätig. Was ist dort anders?
Bei älteren Menschen, insbesondere bei Demenz, steht das Nonverbale noch stärker im Vordergrund. Oft funktioniert Sprache nicht mehr gut, aber Emotionen und Erinnerungen sind noch da. Musik spielt eine grosse Rolle: Viele Menschen können Lieder aus ihrer Jugend noch mitsingen, auch wenn sie sich sonst kaum ausdrücken können.
Wie reagieren ältere Menschen auf Clowns?
Sehr unterschiedlich. Manche sind sofort offen, andere brauchen Zeit. Wichtig ist, respektvoll mit Nähe und Distanz umzugehen. Humor darf nie auf Kosten der Person gehen. Ältere, demente Menschen dürfen nicht den Eindruck bekommen, dass der Clown sie auslachen will. Wenn es gelingt, entsteht oft ein sehr berührender Moment – ein Lächeln, ein Blickkontakt oder gemeinsames Singen.
Gibt es auch Grenzen von Humor?
Ja. Humor ist nicht in jeder Situation angebracht. Besonders im Umgang mit psychisch belasteten Menschen braucht es viel Feingefühl. Humor darf nie aufgesetzt oder erzwungen wirken. Deshalb arbeiten wir auch beim Verein HumorCare CH mit klaren ethischen Richtlinien und legen Wert auf eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung unserer Mitglieder, bevor wir sie aufnehmen.
Was bewirkt Humor Ihrer Erfahrung nach?
Humor kann vieles erleichtern. Er verändert nicht die Situation selbst, aber die Art, wie wir ihr begegnen. Gerade bei Kindern und älteren Menschen sieht man das sehr deutlich: Ein kleiner Moment des Lachens kann unglaublich viel bewirken.
Was bedeutet Humor für Sie persönlich?
Für mich ist Humor tatsächlich der «Schwimmring des Lebens». Er hilft, auch schwierige Situationen besser zu tragen – und manchmal sogar mit einem Lächeln
Fredi Buchmann
Fredi Buchmann (*1945) ist Präsident von HumorCare Schweiz mit Sitz in Sigriswil und engagiert sich seit vielen Jahren für den Einsatz von Humor im Alltag und in der Pflege. Der ausgebildete kaufmännische Angestellte und Sozialpädagoge entdeckte nach seiner frühzeitigen Pensionierung seine Leidenschaft für die Clownerie. Als ausgebildeter Besuchsclown «Fridolin» beim Trägerverein Huusglön sowie als Mitgründer desselben brachte er früher Lebensfreude in Familien sowie in Alters- und Pflegeheime. Heute liegt sein Schwerpunkt insbesondere auf seinem Engagement als Präsident von HumorCare Schweiz. www.humorcare.ch
