Rezepte für gestresste Füsse
Sie gehen, stehen, springen – unsere Füsse tragen uns durch das ganze Leben. Damit sie dies möglichst ausdauernd tun können, gilt es sie entsprechend zu umsorgen. Barfussgehen und Fussbäder können dabei helfen, Fussschmerzen zu lindern.
Sebastian Kilchmann

Fussschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden des Bewegungsapparates. Schmerzen in dieser Körperregion haben oft einen grossen Einfluss auf den Alltag der Betroffenen. Doch nicht alle Beschwerden, die mit den Füssen zu tun haben, sind gleich gravierend. Und sie haben die verschiedensten Ursachen und Hintergründe.
Zu viel des Guten
Der Fuss ist ein kleines anatomisches Wunderwerk. Er besteht aus 33 Gelenken, 20 Muskeln und über 100 Bändern. Die komplexe Struktur des Fusses ermöglicht es uns, eine Vielzahl von Bewegungen auszuführen. Sie macht ihn aber auch anfällig für Beeinträchtigungen und Verletzungen.
Eine der häufigsten Ursachen von Fussbeschwerden ist die Belastung, die beim Gehen entsteht. Im Durchschnitt gehen Erwachsene in der Schweiz abhängig vom Beruf und der sportlichen Aktivität etwa 4000 bis 10 000 Schritte pro Tag. Ob nach einem Arbeitstag mit langen Laufwegen oder einem Wanderausflug – viel Bewegung führt oft zu müden Füssen. Entsprechend einfach und naheliegend sind die Gegenmassnahmen: Gönnen Sie sich etwas Ruhe und Entspannung und verzichten Sie ein oder zwei Tage auf fordernde körperliche Aktivitäten.
«Gesunde Füsse brauchen Bewegung, Erholung und eine kräftige Muskulatur.»
Wenn die Muskeln fehlen
Aber auch zu wenig Bewegung kann den Füssen zusetzen und zur Zurückbildung der Muskulatur führen. Das hat weitreichende Folgen, denn eine trainierte Fussmuskulatur sorgt dafür, dass der Fuss seine natürlich gewölbte Form behält. Ist die Muskulatur geschwächt, dann droht ein Verlust der Stabilität des Fusses und damit eine Störung der Körperhaltung und des Gleichgewichts.
Eine Erhöhung der täglichen Anzahl Schritte kann dabei helfen, verloren gegangene Muskelmasse zurückzugewinnen. Neben fehlender Bewegung können auch stark stützende Schuhe eine Ursache von fehlender oder zurückgebildeter Fussmuskulatur sein. Um die Fussmuskulatur zu stärken, kann es helfen, wenn Sie ab und an die Schuhe ausziehen und eine Strecke barfuss zurücklegen.

Die Welt mit anderen Füssen sehen
Barfussgehen hat gleich mehrere gesundheitsfördernde Effekte. Durch die fehlende Stützleistung des Schuhes müssen die kleinen Muskeln im Fuss stärker arbeiten. Dadurch geht zwar Komfort verloren, der Fuss wird aber auch robuster und anpassungsfähiger. Dabei wird nicht nur die Fussmuskulatur gestärkt, sondern es profitieren auch andere Muskelgruppen. Wenn wir barfuss gehen, verlagert sich der Gleichgewichtspunkt in Gehrichtung und wir tragen mehr Gewicht mit den Fussballen und rollen weniger über die Fersen ab. Dies sorgt dafür, dass die Muskeln der unteren Körperhälfte bis hinauf zur Rumpfmuskulatur anders belastet und trainiert werden. Doch damit nicht genug – durch die stärkere Auslastung werden auch die Fussknochen dichter und belastbarer.
Die Fusssohlen sind eine sehr sensible Körpergegend. In ihnen laufen bis zu 70 000 Nervenenden zusammen. In den Schuhen kaum genutzt, werden sie barfuss aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. Wenn der Tastsinn der Füsse in die Wahrnehmung einbezogen wird, öffnet sich gewissermassen eine neue Welt. Das kommt besonders zum Tragen, wenn der Boden uneben, weich oder beweglich ist. Das satte und füllige Gras einer Wiese oder ein Sandstrand bieten den Füssen ein intensiveres Erlebnis als der Wohnungsboden. Kleine Unebenheiten, ein feuchter Grashalm oder die Wärme des Asphalts – alles Sinneseindrücke, die sonst unverfügbar sind und die wir nun bewusst wahrnehmen. Ob Sie bei einer Wanderung für ein paar Meter die Wanderschuhe ausziehen oder beim Picknick im Park barfuss auf eine kleine Erkundungstour gehen – Gelegenheiten für Barfusslaufen gibt es viele. Und sie sollten nicht ungenutzt bleiben.
Von Krämpfen geplagt
Sie sind lästig, schmerzhaft und können in schweren Fällen die Lebensqualität der Betroffenen ernsthaft beeinträchtigen. Fusskrämpfe sind wahre Quälgeister. Neben der Wadenmuskulatur sind die Fussmuskeln die Muskelgruppe, die am häufigsten von Krämpfen betroffen ist. Bei einem Muskelkrampf zieht sich der Muskel stark und dauerhaft zusammen, ohne dass dies für eine bestimmte Bewegung sinnvoll wäre. Als Soforthilfe kann Dehnen eine Lösung sein.
Wenn die Krämpfe hingegen langfristig auftreten, deuten sie häufig auf einen Nährstoffmangel hin. In einem solchen Fall empfiehlt sich eine Umstellung der Ernährung oder die Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels. Milchprodukte, Haferflocken und Hülsenfrüchte wie Linsen und Kichererbsen enthalten viel Calcium und Magnesium, die Muskelspannungen lösen können.
Das Fussbad – ein Allheilmittel?
Ein Fussbad ist bei müden und schmerzenden Füssen eine wahre Wohltat. Es wirkt nicht nur entspannend, sondern auch pflegend. Warmes Wasser fördert die Durchblutung, lockert die Muskulatur und kann Stress abbauen. Durch die Beigabe von Salzen oder Kräutern kann die Wirkung optimiert werden: Rosmarin regt die Blutzirkulation an und ein Kamillenfussbad wirkt desinfizierend und entzündungshemmend. Es hilft zudem bei kalten Füssen und trockener Haut.
Bei einem Fussbad kommt auch das allgemeine psychische Wohlbefinden auf seine Kosten. Nach einem belastenden Arbeitstag kann ein Fussbad in der kühlen Jahreszeit der Schlüssel sein, um die Sorgen des täglichen Lebens für einen Moment zu vergessen. Füllen Sie ein geeignetes Gefäss mit Wasser bei angenehmer Temperatur, mischen Sie ein passendes Badesalz oder Kräuter bei und lassen Sie das Bad während 10 bis 20 Minuten seine volle Wirkung entfalten.

Die Füsse verwöhnen
Bei hartnäckigen Verspannungen oder wenn sich die Füsse besonders müde anfühlen, kann ein Bad nur begrenzt Hilfe bieten. Dann ist eher eine Massage das Mittel der Wahl. Durch sie wird die Muskulatur gelockert und die Durchblutung gefördert. Auch wenn keine akute Verspannung vorliegt, tut die Massage gut und hilft in anstrengenden Lebensphasen, abzuschalten und den Alltag für einen Moment zu vergessen.
Neben einer konventionellen Fussmassage kann auch eine Fussreflexzonenmassage in Anspruch genommen werden. Sie beruht auf der Annahme, dass die Fusssohle in Reflexzonen unterteilt ist, die jeweils mit einem bestimmten Organ in Verbindung stehen. Durch eine gezielte Druckmassage in der entsprechenden Reflexzone kann es im entsprechenden Körperbereich zu Linderung kommen. Eine Fussreflexzonenmassage tut also nicht nur den Füssen gut.
«Barfussgehen stärkt die Fussmuskulatur und fördert die Körperwahrnehmung.»
Gezielter Aufbau
In gewissen Fällen lohnt es sich, eine physiotherapeutische Fachperson aufzusuchen. Zum Beispiel wenn sich die Muskulatur nach längerer Krankheit oder durch Ruhigstellung in einem Gips stark zurückgebildet hat. Dasselbe gilt, wenn durch die Rückbildung der Muskulatur eine Fehlstellung entsteht. Denn eine physiotherapeutische Fachperson kann für Sie einen individuellen Trainingsplan zusammenstellen, um Ihre Muskeln durch gezieltes Training wiederaufzubauen und zu stärken.
Buchtipp
Viele weitere Tipps, wie Sie Ihre Glukosekurve möglichst flach halten können, finden Sie im Buch «Der Glukose-Trick» von Jessie Inchauspé. ISBN 978-3-453-60599-2
Jessie Inchauspé
Jessie Inchauspé (34) ist Biochemikerin, Ernährungsexpertin, Unternehmerin und Autorin. Auf ihrem Instagram-Account «Glucose Goddess» vermittelt sie Fachwissen rund um den Einfluss von Nahrungsmitteln auf den Blutzucker.
