Ein Jahrhundert effektives Ganzkörpertraining
Genau 100 Jahre ist die Eröffnung des ersten Pilatesstudios durch Erfinder Joseph Pilates her. Heute ist Pilates in aller Munde und zur absoluten Lifestyle- und Trendsportart geworden. Was der momentane Trend des Reformer-Pilates mit dem klassischen Pilates von vor 100 Jahren zu tun hat und wie auch Sie vom Pilates profitieren können, verrät Pilatestrainerin Olga Keller im Interview.
Sophie Souvignier

Entwickelt wurde Pilates während des Ersten Weltkriegs, als Joseph Pilates als Insasse in einem Interniertenlager versuchte, selbst Schwerverwundete schnell wieder körperlich fit zu machen. Heute ist vorwiegend das Pilates en vogue, das auf dem Reformer stattfindet. «Der Reformer ist das Herzstück der Methode. Gleichzeitig ist jedoch jedes Studio, das nur Arbeit auf dem Reformer anbietet, kein vollständiges Pilatesstudio nach Joseph Pilates.
Leider hat dieser seine Lehren nicht patentieren lassen», sagt Olga Keller. «Nur wenige Trainer*innen machen noch die klassische Ausbildung, es ist aber eine Methode, in die sehr viel Zeit, Erfahrung und Wissen geflossen ist, die ihren vollen Nutzen nur in ihrer ursprünglichen, aber weiterentwickelten Form entfaltet.»
Die vielfältigen Vorteile von Pilates
Ein vollständiges Pilatesstudio besteht aus über 15 Gross- und Kleingeräten, die wichtigsten darunter sind der Reformer, ein Gestell mit einer beweglichen Plattform und vier Stahlfedern als Widerstand, der Cadillac, eine Art Tisch mit verschiedensten Stahlfedern und Stangen, und die Matte, die jedoch keinesfalls aus Gummi, sondern aus Holz und Leder sowie Handgriffen und Schlaufen besteht. «Erst wenn der Muskelaufbau auf Reformer und Cadillac stattgefunden hat, können die Muskeln auf der Matte weiter gestärkt werden», erklärt Olga Keller und erläutert weiter, dass diese Besonderheit der Methode primär an den Stahlfedern liege, die dem Körper einen konstanten Widerstand bieten. Dadurch sei der Körper besser zu spüren und Bewegungszusammenhänge leichter erkennbar.
«Für das Kennenlernen und Stärken des eigenen Körpers ist es nie zu spät.»
Im Alter fit für den Alltag
Pilates stärkt als Ganzkörpertraining nicht nur die Muskeln, sondern erhöht das Körpergefühl und die Fähigkeit des Körpers, sich aktiv auszubalancieren. «Für das Kennenlernen und Stärken des eigenen Körpers ist es nie zu spät», meint Olga Keller. Die Vorteile von Pilates, besonders im Alter, sind vielfältig: Es ist eine ideale Sturzprophylaxe und hilft auch, sich im Fall besser abzufedern und wieder aufzurichten. Pilates hilft, den Alltag fit meistern zu können – das hört die Trainerin auch von ihren Teilnehmer*innen: «Bei Übungen sagen viele, wo im Alltag sie diese stärkt, sei es fürs Treppensteigen oder das Hochheben des Kindes oder Wäschekorbs.»

Pilates – gut für Körper und Seele
Muskelaufbau und Rückenschmerzen sind die häufigsten Gründe, warum vor allem auch jüngere Menschen ins Studio kommen. Hier kann Pilates durch gezielte Gegenarbeit in die Stahlfedern Muskelaufbau, Verbindungen der Muskelketten und Dehnung fördern. Olga Keller betont: «Besonders Atmung und Zwerchfell sind im Pilates «gute Mitarbeiter», die den Beckenboden einladen, mitzuarbeiten. Das wirkt besonders gut gegen Schmerzen im unteren Rücken.» Auch als präventives Training gegen Verletzungen, Fehlhaltungen oder Schmerzen ist Pilates ausgezeichnet geeignet, weil es Muskeln durch gezielte Dehnung der Bänder und Faszien kräftigt. So bleibt der Körper geschmeidig.
Neben diesen körperlichen Vorteilen stärkt Pilates auch das allgemeine Körpergefühl und Wohlbefinden und sorgt für fröhliche Stimmung. «Bewegung ist ein wichtiger Ausgleich zu körperlichem und psychischem Stress. Vor allem die gezielte Atmung, die jede Übung im Pilates begleitet und lenkt, unterstützt da. Insgesamt hat eine Stunde Training also nicht nur einen positiven Einfluss auf Körper und Muskulatur, sondern auch auf den Energiehaushalt und die Stimmung», sagt Olga Keller.
Die fünf wichtigsten Pilatesübungen
auf der Matte finden Sie hier:
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